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Soziale Ausgrenzung in Virtual Reality löst Stress und Trauer aus

von Matthias Bastian20. Februar 2017

Eine Studie zeigt, dass sich soziale Ausgrenzung in Virtual Reality negativ auf das Sozialverhalten und Wohlbefinden von Menschen auswirken kann.

Untersucht wurden 45 junge Menschen (23 Frauen, 22 Männer), die mit der VR-Brille einem Virtual-Reality-Ballspiel beiwohnten. Während des Spiels wurden sie ohne erkennbaren Grund ausgeschlossen und von den anderen Mitspielern ignoriert.

Laut der Untersuchung löst die virtuelle soziale Ausgrenzung dieselben physiologischen Prozesse aus wie soziale Ausgrenzung in der Realität. Die Probanden schütteten mehr Stresshormone aus, ihr Puls stieg, sie reagierten traurig und zogen sich zurück.

Der Effekt übertrug sich bei dem Experiment ins reale Leben. Die sozial isolierten Probanden waren nach dem Versuch weniger hilfsbereit oder brauchten länger, um sich wieder auf soziale Interaktion einzulassen.

Die Autoren der Studie bezeichnen das Cyber-Mobbing mit der VR-Brille als “signifikante Bedrohung” für die grundlegenden sozialen Bedürfnisse von Menschen wie soziale Kontrolle, Dazugehörigkeit, Selbstvertrauen und soziale Präsenz.

Wenn die Probanden nicht von menschlichen Avataren, sondern von einer künstlichen Intelligenz ausgegrenzt wurden, wirkte der Effekt weniger stark. Die Ausgrenzung wurde einem Computerfehler zugeordnet.

Mit Medienkompetenz sozialer Verrohung in Virtual Reality begegnen

Im Lichte dieser Erkenntnis, so das Fazit der Studie, sei es besonders wichtig, dass junge Menschen Medienkompetenz entwickeln und anderen Personen in virtuellen Welten ähnlich respektvoll begegnen wie im echten Leben.

Wer sich ab und an online in einer Virtual Reality bewegt, weiß, dass das keine Selbstverständlichkeit ist. Im Gegenteil: Die digitale Anonymität führt mitunter zu übertrieben asozialem Verhalten und einer gewissen Verrohung. Da man mit der VR-Brille stärker in die Ich-Perspektive wechselt als bei einer Anwendung für den flachen Monitor, wirken solche Übergriffe besonders intensiv.

Die Folge: Eine Diskussion rund um Belästigung und speziell sexuelle Belästigung von Frauen in Virtual-Reality-Netzwerken wird bereits öffentlich geführt. Entwickler von populären Social-Plattformen wie Altspace VR reagierten auf Kritik und führten spezielle Schutzmechanismen für die virtuelle Privat- und Intimsphäre ein.

Es gibt auch positive Szenarien: Ein Nutzer von Altspace VR berichtete, dass er seine sozialen Ängste durch regelmäßige Kommunikation mit Avataren in Virtual Reality mildern konnte.

Die Studie “Real-life prosocial behavior decreases after being socially excluded by avatars, not agents” wurde an der Medizinischen Universität Wien durchgeführt. Sie ist hier einsehbar.

| Featured Image: Altspace VR

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