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SteamVR: Valve wechselt auf Inside-Out-Tracking „wenn es Sinn ergibt“

von Tomislav Bezmalinovic1. Juli 2017

Mit dem Trackingsystem Lighthouse hat Valve den Goldstandard für präzise Raumerfassung definiert. Dennoch dürfte das System nur eine Brückentechnologie sein.

Das Endziel für Trackingtechnologien sind Sensoren, die bereits in VR- und AR-Brillen integriert sind. Das spart Kosten für zusätzliche Hardware und minimiert den Installationsaufwand, da man keine externen Trackingkomponenten mehr aufbauen muss.

Beinahe alle Hersteller von VR- und AR-Hardware forschen daher am sogenannten Inside-Out-Tracking. Googles autarke Daydream-Brillen setzen auf das Trackingverfahren und haben eigens dafür zwei weitwinklige RGB-Kameras an der Vorderseite integriert.

Microsofts VR-Brillen für Windows Mixed Reality nutzen das mit Hololens erprobte Raumtracking samt 3D-Kamera und kommen ebenfalls ohne externe Sensoren aus.

Apple arbeitet beim ARKit an der minimalistischen Variante des Kameratrackings mit nur einer RGB-Linse – dennoch funktioniert die Raumerkennung offenbar recht präzise. Auch Facebook zeigte bereits eine eigenständige Oculus-Rift-Brille ohne Kabel und externe Sensoren, dafür mit integrierten Trackingkameras.

Völlig unabhängig von der VR- und AR-Branche wird die Autoindustrie zeitnah die Sehfähigkeiten von Computern perfektionieren. Denn ohne zuverlässige und präzise arbeitende Sensoren bleibt das selbstfahrende Auto eine Vision.

Allein aus diesem Grund ist es wahrscheinlich, dass das Inside-Out-Tracking eher früher als später den Reifegrad erreicht und der neue Trackingstandard für Raumcomputer aller Art wird.

Valve setzt auf Computer Vision sobald es Sinn ergibt

Bei Twitter antwortet Valves Lighthouse-Ingenieur Alan Yates auf die Frage, wann integrierte Trackingverfahren mit der Präzision von Lighthouse mithalten können.

Yates gibt an, dass dies bereits möglich, aber bei gleicher Präzision teurer sei. Valve würde vom Lighthouse-Tracking auf integrierte Verfahren wechseln, sobald der Wechsel Sinn ergebe. Er wisse aber nicht, wann es so weit sein könnte.

Prinzipiell arbeite Valve an sämtlichen Trackingverfahren und stelle Experten für Computer Vision ein. Yates weist darauf hin, dass Steam-VR-Brillen Kameras integriert hätten. Zumindest bei HTC Vive wird diese bislang nur rudimentär als Sicherheitsmaßnahme eingesetzt.

Dass Valve nicht zeitnah mit einer Wachablösung von Lighthouse rechnet, zeigt die vor wenigen Tagen vorgestellte Version 2.0. Das neue System ist kleiner und günstiger in der Produktion. Außerdem können jetzt mehrere in Reihe geschaltete Basisstationen ganze Lagerhallen abdecken. Im Vergleich zum Vorgänger ist das ein massiver Fortschritt.

Noch viele Fragezeichen beim Inside-Out-Tracking

Von der Präzision abgesehen, gibt es beim Inside-Out-Tracking weitere technische Baustellen. Zum einen ist es rechenintensiv, erzeugt viel Abwärme und saugt am Akku. Für einen Raumcomputer, der auf dem Kopf getragen wird, ist das denkbar ungünstig.

Zum anderen ist unklar, wie mit diesem Verfahren neben den Bewegungen des VR-Brillenträgers auch 3D-Controller verlässlich in die Virtual Reality eingebunden werden können.

Microsoft erfasst die 3D-Controller für Windows Mixed Reality mit den in den Windows-VR-Brillen verbauten Hololens-Kameras. Dafür muss der Nutzer die Geräte permanent ins Sichtfeld der Kamera halten, sonst erscheinen sie nicht in der Virtual Reality. Das schränkt die Anwendungsszenarien ein.

Microsoft könnte ergänzend externe Sensoren anbieten, die die 3D-Controller unabhängig von der VR-Brille und im ganzen Raum erfassen – das unterläuft aber den Sinn und Zweck des Inside-Out-Trackings.

| Featured Image: HTC | Source: Twitter

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