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Studie: Virtual-Reality-Pornos sind näher am Fremdgehen

von Matthias Bastian20. Mai 2017

Wissenschaftler der Newcastle University untersuchen die Wirkung von Virtual-Reality-Pornos. Die insgesamt 45 Frauen und Männern, die sich an der Studie beteiligten, sollten ihre Vorstellung von Virtual-Reality-Pornos beschreiben. Die Forscher glauben, dass das neue Format die Pornographie grundlegend verändern wird – womöglich zum Positiven. 

Der grundlegende Unterschied zu herkömmlichen Pornos sei der Rollentausch. Erstmals verlasse der Zuschauer die Rolle als passiver Beobachter und wechsle in die Rolle des Teilnehmers.

Das sei Risiko und Chance zugleich. Die Industrie habe große Probleme mit der Misshandlung von Frauen und abwertenden Bildern. In VR-Pornos könnten solche Eindrücke noch intensiver wirken und süchtig machen.

Auf der anderen Seite biete die Technologie die Chance zum Rollentausch, was Verständnis und Empathie fördern könne. Laut der Untersuchung ermöglichen VR-Pornos ein stärkeres Gefühl der Verkörperung, was wiederum Beziehungsaspekte einer sexuellen Erfahrung betone.

VR-Pornos ansehen ist wie Fremdgehen

Das dürfte auch der Grund sein, warum die Teilnehmer der Studie dazu geneigt waren, Virtual-Reality-Pornos tendenziell auf eine Stufe mit Fremdgehen zu stellen. Einige Studienteilnehmer gaben an, dass sich der Konsum von VR-Pornos positiv aufs reale Sexleben ausgewirkt hat.

Der Simulations- und Beziehungsaspekt sorgt dafür, dass die virtuellen Sexerlebnisse als vergleichsweise real eingestuft werden – obwohl sie im Grunde meist herkömmliche Pornos sind, die aus einer anderen Perspektive betrachtet werden.

Diesen Eindruck bestätigte die VR-Pornodarstellerin Ela Darling im Gespräch mit VRODO: “Ich glaube, dass der virtuelle Sex vor allem bei Paaren zu Diskussionen führen wird. Die müssen sich fragen, ab wann er gleichbedeutend ist mit fremdgehen. Dabei werden die Paare Grenzen ausloten und neu abstecken müssen. Ich finde es eine positive Entwicklung, dass solche Fragen diskutiert und neu verhandelt werden.”

Völlig neue Fragestellungen ergeben sich laut den Wissenschaftlern im Kontext von detailgetreuen virtuellen Darstellungen realer Menschen. “Falls ein Nutzer eine VR-Version der echten Freundin erstellt, würde er dann Dinge mit ihr machen, die sie in der realen Welt ablehnt?”, fragen die Forscher.

Die Fortentwicklung virtueller Sexualität dürfe man nicht allein der Industrie überlassen, sondern die Gesellschaft müsse Verantwortung übernehmen.

“Pornographie gab es schon immer und sie verschwindet nicht”, sagt Madeline Balaam, Koautorin der Studie. “Vielleicht haben wir mit Virtual Reality die Chance, Pornographie zu verändern und neue Regeln zu definieren. Stellen sie sich ein Szenario vor, in dem der Mann die Rolle der Frau einnehmen muss.”

Die Zukunft von VR-Pornos könne positiv sein, wenn man sie auf “auf eine bestimmte Art” gestaltet.

Korrektur: In einer früheren Version des Artikels stand, dass den Probanden Pornos gezeigt wurden. Diese Aussage war falsch. Die Probanden schauten keine Pornos, sondern wurden darum gebeten, ihre Vorstellung von Virtual-Reality-Pornos zu visualisieren.

| Featured Image: Oculus / VRODO | Source: Newcastle University

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