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Telepräsenz: Roboter wird mit Oculus Rift ferngesteuert

von Matthias Bastian8. Februar 2016

Obwohl über VR-Brillen wie Oculus Rift meist nur im Kontext von Entertainment und Spielen gesprochen wird, arbeiten Wissenschaftler längst daran die neue Technologie auch in anderen Anwendungsbereichen zu testen. Einer davon ist die “Fernanwesenheit”, auch Telepräsenz genannt.

Telepräsenz beschreibt die Möglichkeit über technische Hilfsmittel an einem anderen Ort präsent zu sein, unabhängig vom eigenen Körper. Typischerweise wird diese Technik eingesetzt, um mit Robotern unwägbares Gelände zu erforschen. Ein klassisches Beispiel dafür ist der Einsatz von Rovern in der Raumfahrt, mit denen Wissenschaftler fremde Planeten erforschen.

In diesem Beispiel schlüpft die Forscherin Zoe McCarthy von der Universität Berkeley mit Oculus Rift und zwei selbstentwickelten 3D-Controllern in das Blech eines Roboters, der unmittelbar neben ihr steht. Ihre Kopf- und Armbewegungen werden synchron mit denen des Roboters und durch die VR-Brille sieht McCarthy die Welt mit den Augen des Automaten. Den Moment, als McCarthy sich selbst durch die Augen des Roboters betrachtet, beschreibt sie als “sehr speziell”.

Der Roboter bewegt sich zwar noch eher rudimentär und schwerfällig, aber das Projekt soll fortgeführt und verbessert werden. Unter anderem soll der Roboter mit Googles Tensorflow, eine Art Infrastruktur, mit der Maschinen lernen können, so etwas wie ein digitales Muskelgedächtnis entwickeln. Der Roboter kann sich dann bestimmte Bewegungen merken und selbstständig wiederholen, die der Nutzer ihm zuvor via Telepräsenz beigebracht hat. McCarthy geht außerdem davon aus, dass sie die Bewegungserkennung und die Handsteuerung deutlich verbessern kann, sobald sie Zugriff auf die Trackingsysteme und 3D-Controller von Oculus Rift oder HTC Vive hat.

Das Projekt an der Berkeley Universität hört passenderweise auf den Namen “Mind Meld”, das heißt soviel wie “Geistvermischung”. McCarthy arbeitet dort am Institut für Automation, der dortige Leiter ist Professor Ken Goldberg. Potenzielle Einsatzgebiete für den ferngesteuerten Roboter sind die assistierte Chirurgie und Produktion. Und wahrscheinlich giert auch das Militär bereits nach der neuen Technologie.

Ein anderes Telepräsenz-Projekt mit Oculus Rift zeigt eine deutlich absurderes Anwendungsszenario – hier beamt sich der Entwickler nicht etwa in einen Roboter, sondern in einen Teddybären. Das Ergebnis als “unheimlich” zu beschreiben, wäre noch untertrieben.

| FEATURED IMAGE: RLLberkeley (Screenshot)