The Impossible Travel Agency im Test: Eine meditative VR-Erfahrung
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The Impossible Travel Agency im Test: Eine meditative VR-Erfahrung

von Tomislav Bezmalinovic5. September 2016

Begeistert von der VR-Erfahrung “The Blu” gründeten einige Mitarbeiter des noch jungen Spielestudios Holospark ein VR-Team, das ähnliche Erlebnisse kreieren will. Ob das mit “The Impossible Travel Agency” gelingt, klären wir im Test.

Im Gegensatz zu The Blu entführt mich das Erstlingswerk von Holospark nicht in die Tiefen des Meeres, sondern in luftige Höhen. Ich finde mich auf einem steilen Felsen hoch über einem Wolkenmeer wieder, aus dem in weiter Ferne andere, einsame Felsriesen ragen. Auf dem kleinen Plateau stehe ich inmitten eines Beetes voller Tulpen, die zum Rhythmus klassischer Musik in violetten und blauen Farbtönen leuchten und pulsieren. Ein Baum über einer kleinen Quelle schließt das Idyll nach außen ab und der fliegende Mantarochen, der einem beim Vorbeischweben zuzwinkert, fügt sich nahtlos in die meditative Szenerie ein.

Visualisierung von Musik in der virtuellen Traumwelt

The Impossible Travel Agency wird damit beworben, dass die Landschaft auf die Musik reagiert, die im Hintergrund spielt. Das vorgegebene Musikstück kann man durch eigene Songs ersetzen. Leider bietet die VR-Erfahrung keinen Browser und man muss, um einen Song abzuspielen, jeweils das Headset ablegen.

Vorher darf man jedoch nicht vergessen, die Dauer des ausgewählten Musikstücks anzugeben. Passend zur Länge des Musikstücks wird dann die Handlung von The Impossible Travel Agency – über die an dieser Stelle nichts verraten werden soll – entsprechend gedehnt oder verkürzt. Bei dem Song Angel von Massive Attack hat das erstaunlich gut funktioniert, da der Höhepunkt des Liedes mit dem Höhepunkt der Geschichte übereinstimmte. Das war aber ein Glücksfall, der sich nicht beliebig mit jedem Song wiederholen lässt.

Leider lässt sich die Visualisierung der Musik nur anhand der Pflanzen und Pilze in der unmittelbaren Umgebung festmachen. Möglicherweise zucken auch die Blitze im Takt, die im späteren Verlauf das Wolkenmeer erhellen – aber das kann auch Einbildung sein.

Und wie steht es um die Fortbewegung? Auf dem Plateau selbst kann man sich leider nur so weit bewegen, wie es die eigene Room-Scale-Fläche zulässt. Eine Teleportfunktion wurde nicht implementiert, was schade ist, zumal es doch naheliegt, dass man einen Blick über den Rand des Felsens und in den Abgrund hinein riskieren möchte.

Eine Grafik, die aktuelle VR-Hardware an ihre Grenzen führt

Die Technik ist ihrer Zeit voraus. Denn an ihr zeigen sich die Defizite der aktuellen VR-Hardware. Während die nähere Umgebung optisch überzeugt, wirkt die weiter entfernte Landschaft grafisch weniger imposant als es Screenshots und Videos vermitteln.

Das liegt an der geringen Auflösung aktueller VR-Displays, die Objekte in mittlerer bis weiter Entfernung sehr grobkörnig erscheinen lassen. Dadurch zeigt sich der unschöne Fliegengittereffekt stärker als sonst. Da sich die meisten Ereignisse in The Impossible Travel Agency weit weg vom Betrachter abspielen, wird der visuelle Gesamteindruck erheblich getrübt. Zudem scheint standardmäßig kein Anti-Aliasing aktiviert zu sein. Ein Grafikmenü, um Anti-Aliasing und Supersampling zu aktivieren, konnte ich zumindest bei der Version für HTC Vive nicht finden. Ich hoffe, dass Holospark diese Funktionen nachliefert.

Fazit

Alles in allem wird The Impossible Travel Agency den hohen Erwartungen nicht ganz gerecht. Der Preis von 4,99 Euro auf Steam und Oculus Home geht aber dennoch in Ordnung. Man sieht und spürt, dass viel Liebe und Sorgfalt in diese VR-Erfahrung geflossen ist. So bleibt die Hoffnung, dass Holospark uns in Zukunft an weitere mythische Orte entführen wird.

| Featured Image: Holospark