Beinahe ein Jahr lang war das Rollenspiel “The Mage’s Tale” von Inxile Entertainment Oculus-exklusiv, nun ist es für HTC Vive und Windows Mixed Reality erhältlich. Ob sich der Kauf lohnt, zeigt der Test.

Mit der Rollenspielreihe “The Bard’s Tale” erschuf Brian Fargo in den 80er Jahren einen Genre-Klassiker – mit einem ungewöhnlichen Barden in der Hauptrolle. Das Spiel erschien für so kultige Geräte wie Apple II, C64 und andere 8-Bit-Systeme. Fargos aktuelles Entwicklerstudio Inxile Entertainment brachte dann im Jahre 2004 eine modernisierte Version von The Bard’s Tale auf den Markt.

Mit The Mage’s Tale verlassen Inxile Entertainment und Fargo den Leidensweg des Barden und konzentrieren sich auf magische Abenteuer in der Virtual Reality: Im Spiel übernehmt ihr die Rolle eines Zauberlehrlings, der gleich zu Beginn Zeuge eines erbitterten Kampfes zwischen seinem Meister Alguin und dessen Antagonisten Gaufroi wird.

Es kommt, wie es kommen muss: Meister Alguin verliert den Kampf, weil er seinen Lehrling schützt und nicht sich selbst. So kommt der Spieler dann zu seiner Aufgabe: Rette den Meister.

Lebendige Spielwelt

Inxile Entertainment hat sich viel Mühe gegeben, die Welt interaktiv zu gestalten. So lassen sich allerlei Gegenstände anfassen, aufnehmen und begutachten. Auch wenn diese zur Lösung des Spieles gar nicht benötigt werden, wirkt die Welt dadurch lebendiger, das Mittendrin-Gefühl steigt. Viele der Gegenstände sind allerdings durchaus brauchbar, um eines der zahlreichen Rätsel zu lösen.

Die Interaktion mit der Spielwelt funktioniert intuitiv: Türen und Truhen werden wie in der Realität mit der Hand geöffnet, neue Zaubersprüche müssen in einem großen Kessel angerührt werden. Die Zutaten dafür findet man in der Umgebung. So lassen sich beispielsweise zielsuchende Feuerbälle oder mächtige Blitzzauber beschwören. Magier mit Style-Ambitionen passen die Zauber auf ihre Wunschfarbe an.

Steuerung mit freier Fortbewegung und Teleport

In der ersten Version für Oculus Rift bot der Titel nur eine Fortbewegungsmöglichkeit: Ganz klassisch – wie in den 8-Bit-Versionen – ruckte der Spieler von Feld zu Feld oder teleportierte sich auf Knopfdruck durch die Spielewelt. Inzwischen ist eine Option zur flüssigen Fortbewegung vorhanden, die ist aber nur für Spieler mit stabilem Magen geeignet.

Da die Kämpfe vor allem im späteren Spielverlauf anspruchsvoll werden, sollte ein wenig freier Raum vorhanden sein. Sonst springt man vor die Wand, wenn man dem feindlichen Magie-Beschuss ausweicht.

Nichts für Sitzenbleiber

Zwar lässt sich The Mage’s Tale im Sitzen spielen, die zahlreichen Magier-Duelle mit oft unzähligen Gegnern machen mit Roomscale-VR aber einfach mehr Freude. Die größere Bewegungsfreiheit bringt außerdem einen spielerischen Vorteil: Fast überall gibt es Mauern oder Säulen, hinter die man sich für eine bessere Deckung kauern kann. Das klappt einfach nicht so gut, wenn man auf dem Stuhl hocken bleibt.

Lange Spielzeit und viel Liebe zum Detail

Zwar bietet The Mage’s Tale keine riesige Spielwelt wie Skyrim VR, dennoch hat Inxile Entertainment viel Arbeit in die Gestaltung der Levels, die Handlung und die Spielbarkeit gesteckt.

Dass es sich um einen aufwendig produzierten Titel eines erfahrenen Entwicklerstudios handelt, ist dem Spiel anzusehen. Die Grafik ist richtig schön, die Charaktere liebevoll animiert, die Spielwelt angefüllt mit Rätseln, verborgenen Gegenständen und natürlich Feinden.

Die Kämpfe im Spiel sind zu Beginn noch sehr einfach, werden mit zunehmender Spielzeit aber durchaus knifflig. Gerade die Auseinandersetzungen mit den Level-Bossen machen Spaß: Erst wenn man ihre Angriffsmuster durchschaut hat, kann man zum Gegenangriff ansetzen. Die Rätsel im Spiel sind einfach gehalten und mit ein wenig Nachdenken gut zu lösen. Sie lockern den Spielverlauf angenehm auf.

Im Gegensatz zu vielen anderen VR-Spielen passt der Umfang: Um The Mage’s Tale zu beenden, sollten man acht bis elf Stunden reservieren. Wer alles entdecken will, braucht deutlich länger.

Fazit: Gelungenes Virtual-Reality-Rollenspiel

Die tolle Grafik, ein erstklassiges Mittendrin-Gefühl und ein Hauch von Klassig-RPG – das funktioniert bei The Mage’s Tale sehr gut. Liebevolle Details an jeder Ecke der Spielwelt und die (für VR-Verhältnisse) lange Spielzeit motivierten mich, viel Zeit am Stück in den Titel zu stecken.

The Mage’s Tale beweist, dass hochwertig produzierte Rollenspiele in Virtual Reality möglich sind

Allerdings werden die Kämpfe trotz des steigenden Schwierigkeitsgrads mit der Zeit etwas eintönig. Dafür sind die Bosskämpfe durchdacht und erfordern jeweils eine eigene Taktik.

Inxile Entertainment zeigen mit The Mage’s Tale, dass hochwertig produzierte Rollenspiele in Virtual Reality gut funktionieren. Und wenn die Verkaufszahlen stimmen, beweist das, dass VR-Spieler durchaus gewillt sind, längere Spiele anzugehen. Ihr wisst, was ihr zu tun habt. Ich jedenfalls gehe jetzt noch ein paar neue Zaubertränke mischen.

The Mage’s Tale ist seit dem 20. Juni 2017 im Oculus Store für 39,99 Euro erhältlich. Auf Steam ist das Spiel am 23. März 2018 erschienen und kostet 36,99 Euro.

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| Featured Image: Inxile Entertainment

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