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CEO von Epic Games: Facebook darf die Virtual Reality nicht kontrollieren

von Matthias Bastian4. November 2016

Wie es für Facebooks Geschäftsmodell typisch ist, soll auch die Virtual-Reality- Tochter Oculus VR ein in sich geschlossenes Ökosystem aufbauen. Dieses Vorgehen wird in der Branche noch immer kontrovers diskutiert. Einer der lautesten Kritiker ist Tim Sweeney, Geschäftsführer von Epic Games. Er befürchtet, dass Facebook das Metaverse im Alleingang kontrollieren will.

Die berüchtigte “Walled-Garden”-Strategie hat für den Betreiber einer Plattform Vor- und Nachteile. Die nötigen Investitionen und das unternehmerische Risiko sind am Anfang hoch. Aber sollte die Plattform ein Erfolg werden, rollt der Rubel dafür umso besser.

Als Plattformbetreiber kontrolliert man sämtliche Geldströme und unter Umständen gar den gesamten Markt. Man wird zum Nadelöhr für Verbraucher und andere Unternehmen. Diesen Vorteil lässt man sich bezahlen und diktiert die Standards.

Was Facebook im Bereich der sozialen Medien gelang, soll die Facebook-Tochter Oculus VR für die Virtual Reality wiederholen. Nicht jedem Entscheider in der VR-Branche passt dieses Vorgehen.

Insbesondere Tim Sweeney, Geschäftsführer von Epic Games, ist Facebooks Strategie ein Dorn im Auge. Epic Games ist unter anderem Herausgeber der Unreal Engine, einem wichtigen Werkzeug für VR-Entwickler.

Sweeney: Virtual Reality ist die nächste Stufe in der Entwicklung der Menschheit

Schon zum Launch von Oculus Rift attackierte Sweeney Oculus VR via Twitter: Apps und Spiele aus externen Quellen wie Steam seien im Oculus Store nur “Bürger zweiter Klasse”.

Bei seiner Ansprache auf Valves Entwicklerkonferenz “Steam Dev Days” legte Sweeney vor wenigen Tagen nach. Seine Worte adressierte er zwar nicht direkt gen Oculus VR, dennoch ist es unzweifelhaft, dass die Facebook-Tochter gemeint ist.

“Das neue Medium wird eine zentrale Rolle in unserem Leben spielen und unsere sozialen Interaktionen prägen. Wer das kontrolliert, wird mächtiger sein als jedes Unternehmen und jede Regierung”, warnt Sweeney. “Wir müssen sicherstellen, dass das System auf eine offene Art und Weise aufgebaut wird, damit wir frei davon sind.”

Sony betreibt mit Playstation VR zwar ebenfalls ein in sich geschlossenes Ökosystem, allerdings für den Konsolenmarkt und mit starkem Fokus auf Spiele. Hier ist die Akzeptanz für eine Walled-Garden-Strategie deutlich höher. Facebook hingegen versucht aktiv, die VR-Brille als Medium für soziale Interaktion zu positionieren.

Das Metaverse brauche Protokolle und eine Codebase, keine Unternehmen, sagt Sweeney weiter. Er wünscht sich, dass es ähnlich dem offenen Internet aufgebaut wird. Jeder Entwickler soll eigene Anwendungen veröffentlichen können, ohne auf eine Freigabe durch ein übergeordnetes Unternehmen angewiesen zu sein. “Es muss eine offene Plattform sein, kein Walled Garden.”

Sweeney ist davon überzeugt, dass die Virtual Reality eine ganz entscheidende Rolle in der Zukunft der Menschheit einnehmen wird: “Bei VR geht es zum Teil um Gaming, aber es ist auch viel größer als das. Ich glaube, es ist die nächste Stufe in der Entwicklung der Menschheit.”

Virtual Reality biete den Menschen die Chance, ein Leben zu leben, das frei sei von Einschränkungen durch physische Güter. “Alles was man in der realen Welt besitzt, kann in der virtuellen Welt rekreiert werden.”

Man müsse darauf achten, dass das Metaverse eine Utopie werde und nicht als Dystopie ende. “Ich denke, dass viele Unternehmen zusammenarbeiten müssen. Es gibt so viele Probleme, dass diese nicht von einem einzelnen Unternehmen gelöst werden können.”

John Carmack, Technikguru im Auftrag von Oculus VR, reagiert bei Twitter gelassen auf Sweeneys Ansprache. “Ich verstehe seine Sichtweise und seine Motivation, aber es gibt mehrere legitime Strategien.”

| Featured Image: Tim Sweeney, Steam Dev Days (Screenshot bei YouTube)