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Trackingsystem von Hololens wird auch in VR-Brillen für Windows verbaut

von Matthias Bastian30. Oktober 2016

Die Zukunft gehört der Mixed Reality und entsprechenden Endgeräten, daran zweifelt in der VR- und AR-Branche kaum jemand. Einen ersten Vorgeschmack darauf könnten Microsofts neue VR-Brillen sein, die das Unternehmen im Frühjahr nächsten Jahres gemeinsam mit Partnern auf den Markt bringt.

Gegenüber Polygon bezeichnet Hololens-Projektleiter Alex Kipman Virtual Reality am PC zwar als “unglaubliche Innovation”, sieht aber zwei wesentliche Probleme. Zum einen seien die Systeme viel zu teuer. “Man braucht einen 1.500 US-Dollar PC und dann noch ein Oculus-Gerät für 500 US-Dollar.”

Zum anderen, so Kipman, sei die VR-Brille an sich eine große Einschränkung. “Sie bringt Menschen und Objekte nicht in die gleiche Umgebung.”

Er glaubt, dass das die Immersion stört und das Risiko von Unfällen erhöht. “HTC benutzt Sachen wie Chaperone, um sicherzustellen, dass man sich nicht verletzt. Also bohrt man für ein 800 US-Dollar Produkt Löcher in die Wand, damit man hinterher einen Würfel ansehen kann. Und man kann noch immer nicht die anderen Menschen im Raum sehen.”

Windows Holographic samt VR-Brillen sei Microsofts Versuch, diese Probleme zu lösen, sagt Kipman. Zum einen sind die neuen Geräte, die von Drittherstellern gebaut werden, deutlich günstiger als die bislang erhältlichen Modelle von HTC und Oculus VR. Der Einstiegspreis liegt bei 299 US-Dollar.

Zum anderen nutzen die Brillen das Inside-Out-Tracking von Hololens. Im Gehäuse sind Kamerasensoren integriert, die die Umgebung in Echtzeit scannen und Bewegungen des Brillenträgers exakt in die virtuelle Realität übertragen. Das gilt auch für Bewegungen in die Tiefe des Raums. Anders als bei HTC Vive und Oculus Rift müssen dafür keine externen Sensoren aufgebaut werden.

Potenziell können die neuen Geräte auch ein Bild der Außenwelt via Video in die Brille streamen und beispielsweise anzeigen, wenn andere Menschen oder Gegenstände als Hindernis auftauchen. Auch Handgesten könnten als zusätzliches Interface eingesetzt werden.

“Die Leute sagen, dass das die Zukunft ist. Aber wir bringen es mit dem nächsten Windows-Update schon im Frühjahr auf den Markt”, sagt Kipman. “Niemand auf der Welt hat das. Das ist Hololens-Technologie.”

Die Kooperation von Microsoft mit HP, Lenovo, Asus, Acer und Dell besteht laut Kipman erst seit sechs Monaten. Dennoch sollen die Windows-Brillen schon bald launchen. “Die Hersteller stehen voll hinter unserer Vision”, sagt Kipman.

Die flotte Zusammenarbeit zeigt, dass das Wissen über die neue Technologie und deren Produktionsprozesse einen hohen Reifegrad erreicht hat. Oculus VR und Valve mit HTC brauchten Jahre, um aus den ersten VR-Prototypen eine kommerzielle Version zu formen.

Hololens soll Referenzsystem bleiben

Trotz Microsofts VR-Offensive ist Kipman davon überzeugt, dass Hololens die Referenz für räumliche Computer bleibt. Die VR-Hardware würde aber die Einstiegshürde senken, um mit der neuen Art von Computer in Kontakt zu kommen.

“Hololens bleibt mit deutlichem Abstand die Referenz. Es ist noch immer der erste komplett autarke holographische Computer”, sagt Kipman. “Aber im Verlauf der Zeit werden alle Geräte mehr und mehr wie Hololens aussehen.”

Auf der vollständig überarbeiteten Webseite zu Hololens gibt es zahlreiche neue Bilder, Videos und Demos zu sehen.

| Featured Image: Microsoft | Source: Polygon