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Trips an virtuelle Strände helfen Senioren, die an Demenz leiden

von Tomislav Bezmalinovic18. November 2016

Viele Menschen in hohem Alter leiden daran, dass sie keine Familienmitglieder oder Freunde haben, die sie regelmäßig besuchen. Die Einsamkeit führt bei den Betroffenen zu Ängsten und Depressionen und beschleunigt die altersbedingte Demenz. Nun hat eine neue Therapie gezeigt, dass Virtual Reality einen positiven Effekt auf Senioren haben kann, die an diesen Gebrechen leiden.

Sonya Kim gehört ein Unternehmen, das Familien und Altenheime bei der Betreuung von Senioren unterstützt. Die Ärztin lebt in San Francisco, wo alljährlich die Game Developers Conference stattfindet. Dort kam sie zum ersten Mal mit Virtual Reality in Berührung.

Zu dieser Zeit suchte sie nach neuen Therapien, die Demenzkranken helfen könnte. Kim war augenblicklich fasziniert von der Möglichkeit der neuen Technologie, Menschen an andere Orte zu transportieren. Sie ließ eine Anwendung namens “Aloha VR” für Samsung Gear VR entwickeln, die ihre Nutzer in eine hawaiianische Strandlandschaft versetzt.

Kim berichtet von erstaunlichen Ergebnissen bei Patienten, die Aloha VR ausprobiert haben. Senioren, die aufgrund von Depressionen und Demenz unansprechbar oder aggressiv geworden sind, hätten nach einigen Ausflügen an den virtuellen Strand eine positive Veränderung durchlaufen und ihr aggressives Verhalten abgelegt.

Die Präsenzerfahrung reaktiviert neuronale Verknüpfungen

Ein Patient ist Kim besonders in Erinnerung geblieben: ein hochgewachsener Herr, der sich stets weigerte, an Gruppensitzungen teilzunehmen und sich stattdessen in eine Ecke zurückzuziehen pflegte. Als der Senior die VR-Brille aufsetzte, sei er vollkommen aufgewacht und nahm regen Anteil an dem, was er vor sich sah. In folgenden Sitzungen begann er sogar zu singen und mit den Fingern zu schnippen.

“Es ist eine neue Lösung für ein altes Problem”, sagt Kim gegenüber der Washington Post und fährt fort: “Es hebt die Stimmung von Patienten, die ängstlich, gelangweilt oder deprimiert sind, weil sich niemand um sie sorgt. Wir bringen Senioren, die nirgends mehr hingehen können, an wunderschöne Orte.”

Die positiven Effekte würden wochenlang andauern, bezeugen Verwandte und Betreuer von Patienten. Kim glaubt, dass die Therapie deshalb so gut anschlägt, weil sie das Gehirn der Senioren stimuliert: “Ich denke, dass Virtual Reality Patienten durch die Präsenzerfahrung ermöglicht, schlummernde neuronale Verknüpfungen im Gehirn zu reaktivieren.”

| Featured Image: One Caring Team