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Tschernobyl in Virtual Reality

von Carolin Albrand4. Dezember 2015

Orte besuchen, die man normalerweise nicht besuchen kann – das ist eines der großen Versprechen der virtuellen Realität. So ein Ort kann der Mars sein, aber auch der Boden des Ozeans. Oder Tschernobyl.

Seit dem weltweit schwersten Atomunglück 1986 gilt Tschernobyl als verbotene Zone. Zwar sind Teile der Umgebung wieder begehbar, aber an die wirklich interessanten Plätze kommt man nur mit speziellen Genehmigungen, beispielsweise für Forschungs- oder Dreharbeiten. Zwar gibt es reichlich Fotos, Videos und Dokumentationen über Tschernobyl, aber die Konsequenzen des Unglücks und die Atmosphäre der verlassenen Gegend mit eigenen Augen vor Ort sehen zu können, ist das Privileg weniger Menschen. Ein Team der polnischen Agentur Reality 51 hat es sich daher zum Ziel gesetzt, einzelne Bereiche und Orte aus Tschernobyl rund um den Unglücksreaktor sowie der anliegenden und komplett verlassenen Stadt Pripyat für VR einzufangen und aufzubereiten. Dafür wird ein Methodenmix aus Photogrammetrie und 3D-Scans, 360-Videos und selbstgebauten Modellen verwendet, die einige der Kulissen beleben sollen.

Die VR-Erfahrung soll sich anfühlen, als würde man einen Dokumentarfilm betreten. Wojciech Pazdur, Reality 51

Viele Aufnahmen sind bereits im Kasten, daraus werden nun am Rechner die 3D-Szenen für VR rekonstruiert und gerendert. Speziell die Aufbereitung mit Bildern war laut den Machern aufwändig, beispielsweise mussten allein für die Übertragung einer einzigen Schwimmhalle in VR über 3.000 hochauflösende Fotos geschossen werden, um später auch feine Details wie abblätternde Farbe oder Risse in der Wand detailgetreu wiedergeben zu können. Die Filmer und Entwickler setzen aber nicht allein auf die Wirkung der Bilder, sondern wollen die VR-App auch mit interaktiven Elementen erweitern – in der Vergangenheit arbeitete Reality 51 auch an verschiedenen Games-Projekten.

GIF Tschernobyl in Virtual Reality

Der Virtual-Reality-Trip nach Tschernobyl soll im April 2016 erscheinen, dann jährt sich die Katastrophe zum dreißigsten Mal. Geplant ist er für alle gängigen VR-Brillen wie Samsung Gear VR, Playstation VR oder Oculus Rift. Reality 51 hat bereits Erfahrungen mit anderen VR-Projekten gesammelt, unter anderem einer Art 3D-Höhle, die mit 360-Grad-Videos und einer VR-Brille für die Therapie bei Kindern oder auch beim Militär eingesetzt wurde.

Tschernobyl in #VirtualReality ab April 2016. #oculusrift #gearvr #playstationvr Klick um zu Tweeten

| SOURCE: Reality 51
| FEATURED IMAGE & GIF: Reality 51 (Screenshot aus YouTube-Trailer)