Nvidias aktueller Quartalsbericht bestätigt Gerüchte, dass der Kryptominingmarkt für Grafikkarten radikal eingebrochen ist. Das Unternehmen geht nicht davon aus, dass er zeitnah wiedererstarkt.

Über Monate hinweg trieb der Hype um Bitcoin und Co. Grafikkartenpreise in absurde Höhen. Kryptoschürfer zweckentfremdeten Nvidias Gamer-Karten, um digitale Münzen zu generieren. Ganze Computerfarmen entstanden in Gegenden mit günstigen Strompreisen, in der Hoffnung, dass der Wert der virtuellen Währung die Kosten der Stromrechnung übersteigt.

Nvidia und die angeschlossenen Hersteller störte die neue und lukrative Zielgruppe freilich nicht: Eine teuer verkaufte Grafikkarte ist eine teuer verkaufte Grafikkarte.

Dann kam im Mai der große Einbruch der Krytowährungen. Mit ihm reduzierte sich der Grafikkartenbedarf der Schürfer radikal: Der Nvidia-Hersteller TUL soll einen Umsatzrückgang von 80 Prozent erlebt haben. In der Folge wurden Karten retourniert und Nvidia sitzt angeblich auf einer Überproduktion Chips der 10er-Generation.

Womöglich wirkt sich die missglückte Planung auf Preise und Verfügbarkeit der Next-Gen-Karten aus: Der Chiphersteller will offenbar, dass Händler und Hersteller die Preise für alte Grafikkarten senken. Die Verfügbarkeit der nächsten Kartengeneration soll als Lock- oder Druckmittel dienen.

Nvidia rechnet nicht mehr mit Umsätzen aus Kryptomining

Nvidias Finanzbericht zum abgeschlossenen zweiten Quartal lässt sich entnehmen, dass der Konzern nicht davon ausgeht, dass Kryptomining in den kommenden Monaten ein Umsatztreiber sein wird.

Die Rede ist von einem “substanziellen Einbruch”: Zwar habe man die sinkende Nachfrage antizipiert, sei aber noch immer von einem Kryptoumsatz von circa 100 Millionen US-Dollar ausgegangen. Am Ende des Quartals lag er bei nur 18 Millionen US-Dollar. Für den Rest des Jahres rechnet Nvidia nicht mit weiteren Erträgen durch Schürfer.

Für die VR-Branche sind das im Grunde gute Nachrichten, da der Einstieg in Highend-VR mit dem PC günstiger werden könnte. Die Gaming-Hardware ist viel teuer als die VR-Technologie an sich. Eine Garantie für deutlich sinkende Preise ist der Kryptoflop allerdings nicht.

Insgesamt vermeldet Nvidia für das zweite Quartal 2018 im Vergleich zum Vorjahr eine satte Umsatz- und Gewinnsteigerung. Der Umsatz stieg von rund 2,2 Milliarden US-Dollar auf circa 3,1 Milliarden US-Dollar. Der Gewinn verdoppelte sich von 583 Millionen US-Dollar auf rund 1,1 Milliarden US-Dollar. Im ersten Quartal 2018 lag der Umsatz drei Prozent höher.

Besonders stark wuchs das Geschäft mit Geforce-Grafikkarten (1,8 Milliarden US-Dollar, + 52 Prozent) und Datenzentren (760 Millionen US-Dollar, + 760 Millionen US-Dollar).

Auf der Fachonferenz Siggraph stellte Nvidia neue Profikarten der Quadro-Serie vor, die mit einem Anschluss speziell für Next-Gen-VR-Brillen ausgerüstet sind. Neue Gamer-Karten werden am 20. August ab 18 Uhr in Köln enthüllt.


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