“Unterwegs in der Virtual Reality”: In dieser Textrubrik spreche ich frei von der Leber weg über VR-Apps, die mich faszinieren, zum Nachdenken anregen, empören, erschrecken und zum Schwitzen, Staunen, Lachen oder Weinen bringen. Den Anfang macht Electronauts.

Die erste Frage lautet: Was ist Electronauts? Oder anders gefragt: Was macht es mit mir? Nach meinem ersten Versuch fällt die Antwort leicht: Es verwandelt mich in einem gottgleichen DJ, der live und mühelos richtig guten Elektro produziert. Und das obwohl ich musikalisch so ziemlich talentfrei bin.

Der Live-Charakter der Erfahrung ist wichtig: Electronauts ist kein dröger Musikbaukasten, in dem ich stundenlang Loops bastle und an Reglern rumfummle. Die Musik passiert jetzt, unmittelbar, sofort und unter Einwirkung meiner eigenen Hände.

Survios-CEO Nathan Burba sprach kürzlich in einem Podcast über die Designphilosophie der VR-App. “Bevor man Musik aufzeichnen konnte, existierte sie nur, während man sie aufführte”, sagte Burba. Mit Electronauts  gehen die Entwickler zu diesen Wurzeln der Musik als einer Aufführungskunst zurück.

Ich bin der DJ-Star

Die Erfahrung bietet VR-Nutzern deshalb vor allem eines: eine Bühne. Wer Electronauts spielt, performt. Und das mit einer Leichtigkeit, die wohl nur in Virtual Reality vorstellbar ist. Electronauts nutzt die Stärken des Mediums – die 3D-Visualisierung und die räumliche Erfassung des eigenen Körpers – und kreiert damit intuitiv zu bedienende Instrumente und Werkzeuge.

Zum Aufführungscharakter passt, dass ich mich selbst ins beste Licht rücken und einstellen kann, wie mein Alter Ego auf den Monitor, den Fernseher oder die Konzertleinwand gestreamt wird: Mit einer frei beweglichen digitalen Selfiekamera, einer Kamerafahrt oder aus einer statischen Perspektive.

Leicht zu lernen, schwer zu meistern

In Electronauts mischt man allem Anschein nach lediglich Versatzstücke fertiger Elektrotracks neu ab. Wie groß ist dann die Gestaltungsfreiheit? Wenn alles gut klingt, kann man dann überhaupt besser werden? Und falls nicht, worin besteht dann der Reiz der Erfahrung?

Es stimmt, dass beim Improvisieren nicht viel schiefgehen kann. Wer sich etwas länger mit Electronauts beschäftigt, wird jedoch feststellen, dass die VR-App als Werkzeug durchaus gelernt sein will.

Die Funktionsweise der Instrumente und Tools für sich und in Kombination zu kennen, ist eine Sache. Sie in Echtzeit zu bedienen eine andere, da sie einen hohen Anspruch an die eigenen Koordinierungsfähigkeiten stellen. Zumindest dann, wenn man mehr will, als willkürlich auf Knopfen rumzudrücken und auf Instrumente einzuschlagen.

Zum Lernprozess gehört ferner, dass man die Stücke kennenlernt und weiß, welche Spuren, Loops und Geräusche wie klingen und wie diese Elemente zueinander. Electronauts hat bereits eine ansehnliche Zahl an Tracks und im vergangenen Update kamen bereits neue hinzu.

Wer die VR-App bisher nur oberflächlich gespielt hat, findet hier eine Playlist offizieller Youtube-Tutorials. Das Meiste ist selbsterklärend, man lernt jedoch den einen oder anderen coolen Trick. Das folgende Video zeigt eine VR-Jamsession, die klassische Instrumente mit Electronauts kombiniert.

Electronauts ist für HTC Vive und Oculus Rift bei Steam, im Oculus Store und im Playstation Store erhältlich.

| Featured Image: Survios

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