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Verändern VR und 360-Videos die Mainstream-Medien?

von Matthias Bastian6. Dezember 2016

Samsung tut sich mit Journalisten zusammen, um interessante Inhalte für die VR-Brille zu kreieren. Auf eine Kooperation mit der New York Times folgt die Zusammenarbeit mit Vice Media. Die Redakteure zeigen eine 360-Doku aus dem syrischen Krisengebiet in Aleppo.

Die Mainstream-Medien befinden sich mehr denn je im Umbruch. Zum einen wächst der monetäre Druck auf die Verlagshäuser, denn die Finanzierungsmodelle brechen weg. Zum anderen verlieren weltweit Teile der Bevölkerung das Vertrauen in die Berichterstattung, auch in Deutschland und den USA.

Mit der VR-Brille und 360-Videos etabliert sich eine neue Medientechnologie, die potenziell für beide Herausforderungen mögliche Lösungsansätze bietet. Kein Wunder also, dass sich zahlreiche Verlage daran machen, das neue Medium frühzeitig zu erforschen und Wirkung, Kosten und Finanzierung zu untersuchen.

“VR kann Nachrichten menschlicher und unmittelbarer machen und eine direkte Verbindung herstellen”, sagt Sam Dolnick, Senior Redakteur bei der New York Times. “Die Nachricht ist keine akademische, distanzierte Angelegenheit mehr. Das ist eine einschneidende Veränderung.” Sein Blatt startete Anfang November gemeinsam mit Samsung die Aktion “Daily 360”: Täglich publiziert die New York Times mindestens eine Neuigkeit in 360-Grad.

Auf die New York Times folgt Vice Media

Auch Vice Media partnert mit Samsung und nutzt die VR-Kamera Gear 360 in der Berichterstattung. Der Vorteil der Kugelkamera: Sie ist klein und näht die Bilder der Doppellinse live zusammen. Das senkt den Produktionsaufwand enorm, was gerade im hektischen Newsalltag wichtig ist. Der Nachteil ist die eher geringe Bildqualität, die nicht mit hochwertigen 360-Kamerasystemen mithalten kann. Für den Bildschirm ist die Auflösung noch akzeptabel, in der VR-Brille wird es knapp.

Die kurze 360-Doku “White Helmets” von Viceland, die man bei Samsung VR ansehen kann, wurde ebenfalls mit Samsungs Minikamera produziert. “Da sich Virtual Reality im Journalismus immer weiter verbreitet, haben wir uns angesehen, wie die Technologie News verändern kann”, sagt Trent Rohner, Kreativdirektor bei Viceland. “Was ist die Rolle des Reporters, wenn der Zuschauer eine Begebenheit selbst erfahren kann? Ist Journalismus objektiver, wenn es keinen Rahmen mehr gibt und der Zuschauer alles sehen kann?”

Interessante Gedankengänge und Ansichten zum Thema gibt in der folgenden Making-of-Doku zu “White Helmets” – wenn man die permanente Samsung-Werbung gedanklich ausblendet.

| Source: PSFK | Featured Image: Vice Media (Screenshot bei YouTube)

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