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Audis Virtual-Reality-Showroom auf der CES ausprobiert

von Matthias Bastian8. Januar 2016

Im Dezember berichteten wir darüber, dass Audi Virtual Reality im Vertrieb einsetzen möchte. In 2016 soll es jetzt VR-Installationen mit Oculus Rift und HTC Vive geben, die Kunden direkt im Laden ausprobieren können.

Die Vive-Installation ist dabei den Flaggschiffläden in Großstädten weltweit vorbehalten, die Oculus-Rift-Variante wird weitläufiger verteilt. Der große Unterschied: Während in der Rift-Version die eigene Postion nur über eine Fernbedienung gesteuert wird, kann man sich mit HTC Vive in einem rund 20m² großen Radius frei um das Auto bewegen. Bei Bedarf kann die virtuelle Umgebung jederzeit geändert werden, die VR-App wird per Tablet ferngesteuert. Man kann also statt in einem virtuellen Autohaus auch auf dem Mond neue Luxusautos begutachten.

Ein besonders cleveres Feature: Wenn der Nutzer zu nah an das virtuelle Auto herantritt, gibt es keine hässlichen Clipping-Fehler. Stattdessen wird eine Art Röntgenblick aktiviert, dank dem der Nutzer durch die Karosserie hindurch auf das Inne der des Wagens schauen kann. Damit lösen die Audi-Entwickler ein grundlegendes Problem der virtuellen Realität, das der fehlenden Haptik, relativ elegant, indem sie die Schwäche des Systems zu einem Feature mit echtem Mehrwert machen. Vielleicht lässt sich dieses Konzept auch auf andere VR-Anwendungen übertragen.

Die VR-Enthusiasten vom US-Online-Magazin Road to VR konnten das System auf der CES testen und sind, wie man oben im Video deutlich sehen kann, von dem Feature begeistert: “Es ist ein unglaublich cooler Effekt, der es dem Nutzer erlaubt, ein echtes Gefühl dafür zu bekommen, wie das Innenleben des Autos funktioniert. Es klingt vielleicht wie eine Kleinigkeit, aber ich fand es unendlich faszinierend.” Gegenüber Road to VR äußerte Marcus Kühne, Leiter des VR-Projekts bei Audi, noch einen weiteren wichtigen Aspekt: Audis VR-Experience bringt ein Publikum mit Virtual Reality in Kontakt, das normalerweise erstmal wenig Interesse an der virtuellen Realität haben dürfte – und das direkt auf einem sehr hohen Niveau.

Wem beim Preis für Oculus Rift schon die Knie schlottern, der liest jetzt lieber nicht weiter. Denn um das fast fotorealistische Rendering bei einer hohen Bildwiederholrate zu erreichen, muss Audi richtig teure Virtual-Reality-Setups verwenden. Bis zu 20.000 Euro dürfte ein System kosten, allein die beiden NVIDIA-M6000 Grafikkarten, die die VR-Erfahrung antreiben, haben einen Wert von etwa 10.000 Euro. Hinzu kommt die restliche Hardware sowie die VR-Brille – und die Entwicklungskosten. Aber: Die Preise für die Rechenleistung werden sinken. Und vielleicht gibt es Apps wie die Audi VR-Erfahrung dann auch für den Heimgebrauch.

| VIA: Road to VR