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Virtual Reality: Aller Anfang ist teuer *Update*

von Matthias Bastian19. September 2015

Im Jahr 2016 soll es richtig losgehen mit der Virtual-Reality-Revolution im Wohnzimmer. HTC, Google, Facebook und Oculus VR, Playstation und Samsung und noch einige mehr – viele Unternehmen werden sich anfangs um die Marktanteile streiten. Ein ganz entscheidender Punkt, um Virtual Reality einem großen Markt zugänglich zu machen: Der Preis. Wir überlegen, wie teuer der Einstieg in Virtual Reality wohl sein könnte. Soviel vorweg: Um so hochwertiger die VR-Erfahrung sein soll, desto teurer wird sie auch. Oculus-Rift-Erfinder Palmer Luckey ist davon überzeugt, dass zumindest in den ersten Jahren Qualität deutlich wichtiger ist als ein günstiger Preis.

Palmer Luckey: Es ist gut, dass Virtual Reality erstmal teuer ist

Wer Palmer Luckey einigermaßen kennt, der weiß, dass der Oculus-Gründer ein großer Twitter-Fan ist. In einem Tweet-Monolog äußerte er sich ausführlich zur Kostensituation für Virtual Reality allgemein. Er glaubt, dass durch den anfänglich hohen Preis eine gewisse Exklusivität entsteht, die VR-Brillen nur interessanter macht – außerdem ist aus seiner Sicht die Qualität der ersten VR-Erfahrung viel wichtiger als einfach nur ein möglichst günstiges Produkt auf den Markt zu bringen.

Ich kann nicht sagen, dass Oculus Rift 350$ kostet, aber ich kann sagen, dass ich glaube, dass die Leute ziemlich froh über das sein werden, was sie für ihr Geld bekommen und dass Oculus Rift die beste VR-Brille sein wird, die man kaufen kann. Palmer Luckey, Erfinder Oculus Rift

Wäre die erste VR-Erfahrung enttäuschend, twittert Luckey, könne man die Menschen auch mit günstigen Preisen nicht davon überzeugen eine VR-Brille zu kaufen. Aus seiner Sicht ist es vollkommen zufriedenstellend wenn der Start von Virtual Reality langsam verläuft, dafür VR aber auch hält, was es verspricht. Wer weiß, vielleicht sind diese öffentlichen Monologe ja ein Wink mit dem Zaunpfahl für die Wettbewerber, doch eher mit höheren Preisen einzusteigen anstatt querzufinanzieren?

Obwohl Luckey scheinbar überzeugt davon ist, dass ein hoher Einstiegspreis nicht schadet, gibt es Prognosen die davon ausgehen, dass Facebook anfangs plant bei jeder verkauften Oculus-Rift-Brille draufzulegen. Glaubt man den Analysten sollen  im Releasejahr 2016 rund fünf Millionen Einheiten der Mutter aller VR-Brillen verkauft werden.

Gute VR-Erfahrungen gibt es erst ab 500 Euro aufwärts

Zwar stehen noch keine finalen Preise fest, die Gesamtkosten lassen sich aber schon recht gut abschätzen, insbesondere da Oculus VR bereits die Leistungsdaten für einen Virtual Reality tauglichen PC genannt hat. Das ist auch das Problem an der Sache – während die einzelne Brille meist noch bezahlbar sein dürfte, ist es das Gesamtpaket, das den Virtual-Reality-Preis kräftig nach oben treibt. Denn keine der VR-Brillen funktioniert ohne leistungsfähigen PC, eine aktuelle Spielekonsole oder ein High-End-Smartphone.

Oculus Rift

Update vom 6. Januar 2016: Mittlerweile ist bekannt, dass die Rift-Brille in Deutschland 700 Euro kosten wird – zuzüglich Versand.

Spekuliert wird, dass der Launchpreis der Consumer-Version zwischen 400 und 500 Euro liegt. Die zweite Version für Entwickler kostet trotz schlechterer Hardware noch immer rund 400 Euro. In einem aktuellen Interview mit RoadtoVR verrät Palmer Luckey, dass die VR-Brille definitiv teurer als 350 US-Dollar werden wird, da man keine Kompromisse bei der Qualität machen wolle. Er verweist auf Speziallinsen und -displays, die gemeinsam mit Samsung entwickelt wurden. Auch das verbesserte Trackingsystem würde die Kosten weiter nach oben treiben. Einen genauen Preis verrät er aber noch immer nicht.

“Die Frage ist: Optimierst du für einen möglichst niedrigen Preis, sogar dann, wenn dadurch die VR-Erfahrung deutlich schlechter wird? Oder entscheidest du dich für maximale Qualität, weil es die erste VR-Brille für einen großen Markt ist? Wir müssen uns für einen Punkt entscheiden, an dem wir sagen: Das ist beste VR-Erfahrung, die möglich ist und wir machen bei der Qualität keine Kompromisse. Und dann versuchen wir die Kosten für diese Qualität so weit zu drücken wie es geht.” Palmer Luckey, Oculus VR

Es wäre ziemlich schlecht wenn wir Oculus Rift auf den Markt bringen und die Leute sagen: “Man, das ist gut, aber es ist noch nicht gut genug.” Palmer Luckey, Oculus VR

Zusätzlich zu Oculus Rift braucht man einen PC mit schneller CPU und Grafikkarte, der Anwendungen und Spiele mit hohen Bildwiederholraten ausgeben kann. Für soviel Leistung muss man mindestens 700 Euro investieren. Für den später erscheinenden Oculus-Touch-Controller muss man dann erneut in die Tasche greifen. Laut einer Analyse einer US-Investmentbank sollen die Bewegungscontroller bis zu 150 US-Dollar zusätzlich kosten.

Kosten insgesamt: 1.400 bis 1.700 Euro.

HTC Vive

Auch hier ist noch kein Preis bekannt, er dürfte aber auf einem ähnlichen Niveau liegen wie Oculus Rift oder sogar etwas darüber. Da gleich zwei Motion-Controller und ein aufwändiges Tracking-System mit Infrarotkameras direkt mitgeliefert werden, wäre ein finaler Preis von 500 bis 700 Euro keine Überraschung. Auch hier braucht es einen leistungsfähigen PC, damit die virtuelle Realität überzeugend dargestellt werden kann.

Kosten insgesamt: 1.400 bis 1.900 Euro.

Samsung Gear-VR

Die VR-Brille Gear-VR von Samsung scheint erstmal die günstigste VR-Variante zu bleiben. Sie erscheint im November 2015 und kostet nur 99 US-Dollar, wird dabei sogar noch leichter und handlicher sein als der Vorgänger. Außerdem wurde die Software weiter verbessert. Die erste Variante von GearVR wurde noch mit 200 US-Dollar bepreist. Allerdings funktioniert GearVR nur in Kombination mit einem teuren Highend-Smartphone von Samsung wie dem Galaxy 6. Die Preise schwanken je nach Modell. Wer aber das Smartphone extra kaufen muss wird auch hier mindestens 700 Euro zahlen müssen.

Kosten insgesamt: 500 bis 800 Euro.

Playstation VR / Sony Morpheus

In einem Interview mit Bloomberg Business räumt Sony Chef Andrew House ein, dass Playstation VR (ehemals Sony Morpheus) für Gamer vorerst ein teures Add-on wird. Die VR-Brille soll laut House genauso teuer werden wie eine neue Spielekonsole. Die Playstation 1 bis 4 kosteten bei Markteinführung nie unter 350 Euro, die PS4 liegt seit dem Launch bei 400 Euro. Da Playstation VR vorerst nur mit der PS4 kompatibel ist, muss man für den VR-Einstieg bei Konsolen bis zu 800 Euro auf den Tresen legen. Immerhin sollen bis zu zehn VR-taugliche Spiele zum Launch von Playstation VR verfügbar sein. Trotzdem ist House vom Erfolg von Virtual Reality und speziell Playstation VR überzeugt.

Kosten insgesamt: 600 bis 800 Euro inkl. PS4.

VR schreibt die Regeln neu wie Spiele entstehen. Im Moment erleben wir ein riesiges Interesse speziell von kleineren Teams, weil es möglich ist in Virtual Reality etwas zu erschaffen, dass sehr einfach aber gleichzeitig magisch ist. Andrew House, Sony Computer Entertainment CEO

Fazit: Wer so richtig in Virtual Reality einsteigen will, wird in der Anfangsphase in 2016 wohl zwischen 500 und 1.600 Euro investieren müssen. Das ist noch kein Preis, der dafür geeignet ist einen großen Markt zu erschließen. Ohnehin wäre dafür das Angebot an Anwendungen und Software noch zu schwach. Enthusiasten hingegen, die häufig auch daran beteiligt sind die Inhalte überhaupt erst zu entwickeln, sind sicherlich dazu bereit entsprechend zu investieren. Trotz der hohen Einstiegspreise gibt es mittel- bis langfristig zahlreiche positive Marktprognosen, zuletzt auch von der Deutschen Bank.

VR-Brillen für das Smartphone – die günstige Alternative?

Derweil streiten sich eine ganze Reihe an Herstellern um den Google-Cardboard-Markt. Die Smartphone-Halterungen kosten meist unter 50 Euro. Der populärste und günstigste Vertreter ist Cardboard von Google. Von der VR-Brille aus Pappkarton ist im August bereits eine zweite Variante erschienen, die wir ausführlich getestet haben. Eine weitere interessante Alternative ist Wearality Sky, ein leichtes und kleines Brillengestell für Smartphones, das dank spezieller Linsen ein besonders weites Sichtfeld bietet.

Im Gegensatz zur Gear-VR-Brille, die mit zusätzlichen Sensoren ausgestattet ist und so besonders präzise arbeitet, sind diese VR-Brillen allerdings wirklich reine Halterungen für das Smartphone. Der Vorteil: Man kann jedes beliebige Smartphone einsetzen und ist nicht an die teuersten Smartphones von Samsung gebunden. Der Nachteil: Die VR-Erfahrungen sind meist relativ bescheiden und laufen auf weniger leistungsfähigen Smartphones nur ruckelig und mit zu geringer Auflösung. Die Billigvariante der virtuellen Realität ist daher bestenfalls dazu geeignet mal in Virtual Reality reinzuschnuppern. Richtige VR-Erfahrungen wird es aber vorerst nur mit Oculus Rift und Co. geben.

Mehr Daten und Fakten gibt es in unserem VR-Brillen-Vergleich, den wir laufend aktualisieren.

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