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Virtual-Reality-App von ARTE

von Matthias Bastian21. November 2015

360-Filme sind für viele Zuschauer der erste Kontakt mit dem Konzept hinter Virtual Reality und der Blick in eine neue Welt. Der Fernsehsender ARTE ist für seine Experimentierfreude bekannt und widmet dem neuen Medium nun eine eigene App.

Zum jetzigen Zeitpunkt können vier 360-Videos kostenlos angesehen werden, die den Zuschauer auf den Mont Blanc, in eine außergewöhnliche Theateraufführung in einem Flugzeug, in die Oper oder in das Polarmeer führen. An allen Produktionen beteiligt: Thomas Wallner und sein Team von Deep Inc. Wallner ist gebürtiger Deutscher, der schon seit vielen Jahren in Kanada lebt und arbeitet. Seine Agentur will der Filmemacher zukünftig voll auf das Thema Virtual Reality und 360-Video ausrichten. “Wir arbeiten schon seit rund zwei Jahren mit 360-Filmen und haben bei Null angefangen. Mittlerweile ist vieles einfacher, aber wir leisten immer noch Pionierarbeit”, sagt Wallner. Er und sein Team filmen hauptsächlich mit 360-GoPro-Kamerarigs, setzen bei schlechten Lichtverhältnissen aber auch DSLRs mit Weitwinkelobjektiven ein.

Fans von VR-Filmen, die sich aufmerksam mit dem neuen Medium beschäftigen, können bei den ARTE-Dokus einige interessante und neue Stilmittel entdecken. Beispielsweise kombinieren Wallner und sein Team in der Doku Polar Sea 360° erstmals immersive und traditionelle Filmaufnahmen. “Switching” nennt Wallner die Methode, bei der nahtlos aus einer 360-Szene in eine 2D-Aufnahme übergeleitet wird.

Mit dem nahtlosen Wechsel zwischen 360-Aufnahmen und klassischen Filmszenen kommen sich VR-Produktion und traditioneller Film näher.

Das soll nicht nur am Monitor sondern auch mit VR-Brillen gut funktionieren. Das Headtracking der VR-Brille bleibt dabei aktiv, der Zuschauer sieht die klassischen 2D-Aufnahmen wie auf einer Kinoleinwand im virtuellen Raum. Von dort wechseln die Filmemacher dann wieder in die nächste immersive 360-Aufnahme. Laut Wallner hat diese Methode weitere Vorteile: “Switching gibt dem Zuschauer eine kurze Pause, er muss sich nicht mehr ständig umsehen. Außerdem können wir so Stilelemente aus klassischen Filmproduktionen in VR-Filme integrieren.” Neben dem “Switching” sind speziell in der Polarmeer-Doku die Landschaftsaufnahmen sehenswert. Um sicherzustellen, dass die Bilder möglichst wackelfrei sind, arbeitete Deep Inc. mit selbst entwickelten Spezialdrohnen und Seilkameras. “Bei VR-Produktionen sind ruhige Aufnahmen Pflicht, um beim Zuschauer Unwohlsein zu vermeiden”, erklärt Wallner.

Thomas Wallner bringt ein 360-GoPro-Rig am Helikopter an. Das Ergebnis gibt es in der Polarmeer-Doku zu sehen.

Thomas Wallner bringt ein 360-GoPro-Rig am Helikopter an. Das Ergebnis gibt es in der Polarmeer-Doku zu sehen. Quelle: Wallner

Eine spezielle Schnitttechnik sorgt in einigen Sequenzen dafür, dass nach dem Schnitt der wichtigste Bestandteil der Handlung immer im Blickfeld des Zuschauers ist – unabhängig davon in welche Richtung dieser gerade blickt. Wallner nennt das “Forced Perspective”, also “erzwungene Perspektive”; damit soll verhindert werden, dass der Zuschauer versehentlich einen Teil der Handlung verpasst, weil er nicht im richtigen Moment in die gewünschte Richtung schaut. Mit einer Einschränkung: Die Perspektive wird nur auf der horizontalen und nicht auf der vertikalen Achse erzwungen. Ansonsten könnte der Zuschauer schnell desorientiert sein.

Virtual Reality hebt die Distanz zwischen Beobachter und dem Beobachtetem auf. Thomas Wallner, Deep Inc.

Die ARTE-App kann hier für Android heruntergeladen werden, eine iOS-App ist auch in Produktion. Die App hat einen VR-Modus integriert, der in Kombination mit Cardboard VR-Brillen genutzt werden kann. Natürlich kann man die Dokus auch ohne VR-Brille ganz normal auf dem Display ansehen; das Kamerabild steuert man dann, indem man das Smartphone bewegt. Die Doku über das Polarmeer ist hier auch direkt im Browser ansehbar.

#VirtualReality-App von ARTE ab sofort fürs Smartphone erhältlich. Klick um zu Tweeten

| SOURCE: Thomas Wallner / ARTE
| FEATURED IMAGE: Thomas Wallner / ARTE