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Virtual Reality: Baby kriegen in 360-Grad

von Matthias Bastian16. Dezember 2015

Während die “Baby-in-360-Grad-machen-Fraktion” ja schon eifrig dabei ist, auf den Virtual-Reality-Zug aufzuspringen, gab es bisher noch keine 360-Videos zum Thema Baby kriegen. Das ist jetzt anders.

Gut, zugegeben, Samsung hatte das Thema im März dieses Jahres schon aufgegriffen. Bei einer Promo-Aktion für Gear VR streamte das Unternehmen eine Geburt live in die VR-Brille des Vaters, der aus beruflichen Gründen nicht im Kreisssaal sein konnte. Unabhängig davon, was das über den Vater aussagt, kam die Nummer super an: Das Video hat schon über 15 Millionen Zuschauer und Samsung taufte die Aktion “Worlds First Virtual Reality Birth”. Allerdings konnte man nicht so wirklich sagen, ob da tatsächlich live ein Kind geboren wurde oder die ganze Nummer als reiner Marketing-Gag komplett inszeniert war. Der eigentliche Live-Stream war nämlich nicht für die Öffentlichkeit verfügbar, nur der nachfolgende Zusammenschnitt. Wer das Video nicht kennt, findet es hier.

Das ist bei dem Video oben anders – da ist alles echt, authentisch, real. Aus der VR-Reihe “Orte, die man normalerweise nicht besuchen kann” präsentieren wir daher heute: “Im Kreisssaal mit fremden Menschen.” Die Geburt erlebt man aus der Perspektive des Vaters, der erfreulicherweise die 360-Kamera außerhalb der Intimzone positioniert hat. Das heißt, man sieht nur den Oberkörper der Frau und anschließend das neugeborene Baby. Trotzdem, das Video ist gerade mit einer VR-Brille ein relativ intensives Erlebnis und für werdende Väter vielleicht ein gutes Mittel den Ernstfall zu proben.

Virtuelle Erinnerungen

Was im ersten Moment ein wenig schräg und vielleicht sogar abschreckend wirkt, wirft für die Zukunft aber interessante Fragen und Perspektiven auf: Wenn diese Art, Erinnerungen zu speichern, sich durchsetzt, auch im Verbund mit besserer Hardware und höherer Aufnahmequalität, möglicherweise dank Lichtfeld-Technologie sogar begehbar und interaktiv, können dann in Zukunft erwachsene Menschen ihrer eigene Geburt so nacherleben, wie sie damals der Vater erfahren hat? Und dieses Überlegung ist ja bei weitem nicht auf die Geburt beschränkt – weite Teile der eigenen Kindheit könnte man so speichern und auf Abruf erneut erleben, Informationen und Erlebnisse, die normalerweise nur verzerrt oder falsch erinnert werden, wären wie “gerade passiert” wieder in unserem Alltag präsent. Psychologen und Geisteswissenschaftler dürften in Zukunft ihre helle Freude daran haben, zu erforschen, wie sich solche Möglichkeiten und Technologien auf Identität und Bewusstsein der Menschen auswirken.

| FEATURED IMAGE: Christine & Gulliver (Screenshot bei YouTube)