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Virtual Reality: Begehbare 360-Videos von 8i ausprobiert

von Carolin Albrand5. Januar 2016

In herkömmlichen 360-Videos kann der Zuschauer die Welt nur aus der Perspektive der Kameralinse sehen. Anders ist es bei bei den Aufzeichnungen von 8i: Der Zuschauer kann sich im Video bewegen, so als wäre er Teil der Szene. Mit dem neuen Player von 8i können Besitzer eines Oculus-Rift- oder HTC-Vive-Entwicklerkits die Aufnahmen nun selbst testen.

8i nennt die neuen Videos “vollständig räumliche 3D-Videos”. Der Begriff trifft es nur bedingt, denn räumlich erfasst wird nur der Mensch vor der Kamera – und davon bisher auch immer nur einer. Die restliche Umgebung wird am Computer ergänzt. Gefilmt werden die Videos mit herkömmlichen Kameras aus verschiedenen Winkeln.

Laut 8i werden aus den vorhandenen Videodaten dann “Lichtfelder” errechnet, die es dem Zuschauer letztlich ermöglichen, den Blickwinkel unabhängig von der Kameralinse zu verändern. Trägt man eine VR-Brille, kann man sich in die Szene hineinlehnen oder sogar um die Protagonisten herumlaufen.

Mit Lichtfeldaufnahmen, wie sie beispielsweise Lytros Lichfeldkamera “Immerge” verspricht, hat das aber wenig zu tun. 8is Technik erinnert eher an ein Scan-Verfahren und dürfte deutlich limitierter sein als das, was Lytro plant.

Allerdings kostet deren Kamera auch eine halbe Million US-Dollar; die Lösung von 8i funktioniert mit herkömmlichen Kameras und Spezialsoftware und dürfte daher auch für kleinere Gamestudios oder Agenturen in einem bezahlbaren Bereich liegen. Die Frage ist eher: Was macht man mit diesen Videos?

Hologramm-Botschaften wie in Sci-Fi-Filmen

Ein mögliches Anwendungsszenario zeigt 8i In den Demovideos. Eine junge Frau mit einem neugeborenen Baby auf dem Arm nimmt eine Nachricht für das erwachsene Ich ihres Sohnes auf. Im Gegensatz zu Medien wie dem Foto oder einem herkömmlichen (360-)Video, die immer ein Gefühl von Distanz vermitteln, fühlt man sich in der 8i-Demo so, als würde man der Person tatsächlich gegenüberstehen.

Dank der Technologie von 8i kann man bis auf wenige Zentimeter an die Mutter herantreten und ihr in die Augen schauen. Oder man stellt sich in die gegenüberliegende Raumecke und beobachtet die Szene aus der Distanz.

Zwar sieht man den 3D-Modellen deutlich an, dass sie nur ausgeschnitten und in eine virtuelle Welt gesetzt wurden – es gibt relativ viele Bildfehler, außerdem sind die Bewegungen ruckhaft – aber das tut der Wirkung überraschenderweise wenig Abbruch.

Weitere Demos zeigen einen Mann, der einen computergenerierte Berg erklimmen will, eine junge Frau, die sich in einem Kleid vor der Kamera dreht und ein Bikinimodel. Gerade die letztgenannte Demo durfte die Erotikbranche sehr interessieren.

Die Erotikbranche schaut genau hin. Quelle: 8i (Screenshot)

Die Erotikbranche schaut genau hin. Quelle: 8i (Screenshot)

Alle Videos haben eine Gemeinsamkeit: Sie wirken roh und unfertig, haben eine ganz eigene, irgendwie seltsame Atmosphäre. So richtig gut beschreiben kann man das nicht, was man da sieht, die Bilder sind noch zu ungewohnt. Es stellt sich eine Mischung aus Erstaunen und “was soll das?” ein – so ähnlich müssen sich die ersten Kinobesucher Ende des 19. Jahrhunderts gefühlt haben, denke ich mir, als ich die Videos anschaue.

Tatsächlich erinnern die Demos ein wenig an Hologramm-Botschaften, wie man sie sonst nur aus Sci-Fi-Filmen kennt; nur, dass man diese Hologramme eben durch eine VR-Brille anschauen muss.

Es ist schwer abzusehen, für was diese Technologie noch eingesetzt werden könnte. Richtige Filme kann man damit in absehbarer Zeit kaum produzieren, dafür scheint der Aufnahmeprozess zu limitiert; bisher wurden immer nur Scans von einzelnen Personen vor einem Greenscreen gezeigt und selbst die haben relativ viele Bildfehler.

Auch sind die Animationen noch nicht flüssig, die Bewegungen erinnern eher an Stop-Motion-Aufnahmen. 8i hat sich erst einmal das Ziel gesetzt, insgesamt 100 Menschen mit der neuen Technologie aufzunehmen. Das Motto des Unternehmens: “Virtual Reality menschlicher machen.”

Den Download des 8i-Portals gibt es hier, darüber können die Videos auch heruntergeladen und abgespielt werden. Wer keine Entwicklerversion einer VR-Brille besitzt kann sich die Demos hier im Browser ansehen. Allerdings wird die eigentliche Wirkung der Videos nur via Virtual Reality erzielt.

| FEATURED IMAGE: 8i