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Virtual Reality: Das Metaverse wird chaotisch und unkontrollierbar

von Matthias Bastian14. August 2016

Tony Parisi ist einer der Pioniere der Virtual-Reality-Branche. Vor 25 Jahren arbeitete er an einer frühen Version von Web-VR. Damals hat es nicht geklappt. Doch jetzt sei die Zeit reif für das Metaverse, prophezeit er in seinem Blog.

Web-VR, das ist der Versuch zwei Welten zusammenzuführen, die zusammengehören: Das Internet und die virtuelle Realität. Schon Anfang der 90er-Jahre arbeitete Parisi an VRML, einer speziellen Programmiersprache – angelehnt an HTML – mit der dreidimensionale Inhalte im Browser laufen sollten. Aus heutiger Sicht wirkt allein der Versuch absurd, vergleicht man die damaligen technischen Möglichkeiten mit dem heutigen Netz. Von der VR-Hardware ganz zu schweigen.

Aber Parisi und seine Kollegen glaubten fest daran, dass VRML eine “Explosion von 3D-Inhalten im Netz” auslösen könnte. Laut Parisi sah es damals wie heute nach einer unaufhaltsamen VR-Revolution im Browser aus. Große Softwareunternehmen wie Netscape, Microsoft und Adobe unterstützten VRML ebenso wie die führenden Hardwarehersteller.

Doch der Versuch scheiterte. “Es gab keinen Markt”, schreibt Parisi. Insbesondere Heimanwender hätten nicht die notwendige Technologie in den eigenen vier Wänden gehabt, um mögliche Angebote zu nutzen. Es mangelte an leistungsfähigen VR-Systemen, Rechnern und dem schnellen Zugang zum Internet.

25 Jahre später: Das Metaverse entsteht im Internet

Doch Parisi hat seine Vision des Metaverse nicht aufgegeben. In 2016 wittert er Morgenluft für seine ursprüngliche Idee: “Wenn jetzt nicht die Zeit fürs Metaverse gekommen ist, dann weiß ich auch nicht mehr wann.” Die heutigen Smartphones hätten viel mehr Leistung als die Arbeitsrechner, auf denen in den 90er-Jahren mit VRML experimentiert wurde. Die Nutzer sind in schnellen Netzwerken miteinander verbunden und VR-Hardware ist für Endverbraucher bezahlbar.

Dass Web-VR der neue Standard für Virtual-Reality-Anwendungen wird, daran hat Parisi keine Zweifel. Die notwendigen Technologien wie WebGL, WebVR, VR-taugliche Browser-Schnittstellen oder glTF, das 3D-Jpg fürs Internet, seien bereits vorhanden.

“Die Hersteller von Hardware nutzen die aktuellen Store-Systeme und das App-Modell als Startpunkt, aber das ist ganz sicher nur eine Übergangsphase zum komplett vernetzten Metaverse”, schreibt Parisi.

In seiner Vorstellung wird die digitale Zwischenwelt nicht von einem bestimmten Hersteller geprägt. Das Metaverse entspringe nicht der Vision eines einzelnen Architekten, der alle Fäden in der Hand halte, schreibt Parisi – so würde es nur in der Sci-Fi-Literatur beschrieben. Parisi prophezeit eine andere Entstehungsgeschichte, in der Milliarden von Menschen ihre VR-Systeme mit dem Internet verbinden und Anwendungen im Netz nutzen.

“Das Metaverse wird chaotisch, eine unkontrollierbare Angelegenheit mit vielen verschiedenen Zugangspunkten und einem Gesicht und einer Form, wie wir sie uns jetzt noch nicht vorstellen können.”

Den vollständigen und sehr lesenswerten Beitrag gibt es hier. Diskutieren könnt ihr Parisis Thesen im Virtual-Reality-Forum.

| Source: Tony Parisi | Featured Image: Oculus VR (Screenshot Toybox)