Storywelten statt Storytelling - der Regisseur des VR-Kultfilms "The Lawnmower Man" arbeitet an neuen Virtual-Reality-Projekten.
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Virtual Reality: “Der Rasenmähermann” kommt zurück

von Matthias Bastian3. April 2016

Der kultige Trashfilm “Der Rasenmähermann”  (Original: The Lawnmower Man, inspiriert von einer Kurzgeschichte von Stephen King) entstand im Zuge des ersten großen VR-Hypes in den 90er Jahren. Mit Virtual Reality soll im Film der perfekte Supersoldat erschaffen werden.

Eigentlich will der geistig zurückgebliebene Jobe Smith ja nur den Rasen mähen, doch dann wird er Teil eines wissenschaftlichen Experiments. Mittels neuartiger VR-Trainings und Drogen soll er zu einem Supersoldaten ausgebildet werden. Der Plan geht auf, Smith durchläuft innerhalb kürzester Zeit eine wundersame Wandlung und wird vom dicklichen Dümmling zum smarten Superathleten. Also so ziemlich genau das Gegenteil von dem, was der ein oder andere VR-Skeptiker heute befürchten mag. Trotzdem geht die Sache natürlich furchtbar schief und eskaliert, da im Film die Grenzen zwischen virtueller und bekannter Realität zunehmend an Trennschärfe verlieren. “Der Rasenmähermann” bekam durchwachsene Kritiken, gelobt wurden die seinerzeit hochwertigen Computereffekte, die Story kam dagegen nicht so gut an. Für VR-Enthusiasten ist der Film aber in jedem Fall sehenswert.

“Virtual Reality wird wachsen. So wie der Telegraph und das Telegramm. Wie Radio und TV. Es wird überall sein.” Jobe Smith, Zitat aus 'Lawnmower Man'

Rund 25 Jahre nach der Veröffentlichung spricht der damalige Regisseur Brett Leonard wieder über Virtual Reality. Es sei eine unglaubliche Zeit für ihn, sagt Leonoard, immerhin hätte Palmer Luckey seinen Film als Inspiration für die Entwicklung von Oculus Rift bezeichnet. “Als wir damals das Design entwickelten, dachten wir darüber nach, wie die ideale VR-Brille aussehen würde. Und wie sich jetzt herausstellt, waren wir echt nah dran”, sagt Leonard.

In der Tat sind gewisse optische Parallelen zwischen dem Headset im Film und der finalen Version der Rift-Brille nicht zu leugnen. Wohlgemerkt stammt das Design aus einer Zeit, in der die ersten VR-Brillen noch deutlich größer und klobiger waren als es Oculus Rift und Co. heute sind. “HTC Vive und Oculus Rift sind toll. Ich packte sie aus und dachte, ich habe einen Film über VR gemacht, das ist mein Werk – die sehen aus wie unsere Designs, wie das, was wir erschaffen haben”, sagt Leonard.

Jobe Smith hat seine CV1 schon geliefert bekommen. Oh, moment... BILD: New Line Cinema

Jobe Smith hat seine CV1 schon geliefert bekommen. Oh, Moment… BILD: New Line Cinema

Geschichten erzählen in Virtual Reality: Storywelten statt Storytelling

Und Leonard hat mit dem Thema Virtual Reality lange nicht abgeschlossen. Im Gegenteil, sein Geschäftssinn ist wieder geweckt. Gemeinsam mit Scott Ross vom “ILM Experience Lab”, einem VR-Spin-off von Disney und Lucasfilm, gründete Leonard das Unternehmen Virtuosity Entertainment. Der Name ist angelehnt an seinen zweiten Virtual-Reality-Film “Virtuosity”, der in 1995 in die Kinos kam. Das Ziel seines neuen Unternehmens ist ambitioniert: Virtuosity Entertainment soll das Pixar der VR-Szene werden. “Ich beschäftige mich seit 20 Jahren mit interaktiven Filmen und jetzt fließen Milliarden US-Dollar in diesen Bereich – das ist die Zukunft des Entertainment”, sagt Leonard. Er hofft, dass das neue Medium die Lücke zwischen Spiel und Film füllt.

VR sei ein neues Medium, nicht nur ein Gadget, sondern etwas, das anders ist als die Sprache des Films und jedes Medium zuvor. Leonard spricht daher nicht mehr von “Storytelling”, sondern von “Storywelten” und will eine eben solche mit “Lawnmower Man: Reborn” präsentieren. “Ich glaube, dass das interaktive Erzählen in VR eher wie ein Stammesritual ist, bei dem Menschen gemeinsam auf eine größere Reise gehen. Es wird viel stärkere Verbindungen geben. Es ist ein ultramodernes Medium, das zu den Wurzeln zurückkehrt.”

Gemeinsam mit Kollegen, unter anderem mit den erfahrenen Spiele­entwicklern der “Rogue Initiative”, arbeitet Leonard an einem weiteren VR-Projekt: “The Futurist” beschäftigt sich mit den möglichen negativen Folgen übertriebener VR-Nutzung. “VR könnte die Welt verändern, aber es könnte auch negative Folgen haben”, sagt Leonard. Er glaubt, dass High-End VR-Erfahrungen unsere Wahrnehmung nachhaltig beeinflussen könnten. Daher brauche die Branche dringend ethische Rahmenbedingungen.

| SOURCE: Techradar
| ALL IMAGES: New Line Cinema / The Lawnmower Man