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Virtual Reality: Die fünf besten Horrorspiele für die VR-Brille

von VRODO30. Oktober 2016

Nichts schockt so intensiv wie Horror in der VR-Brille. Wenn Monster und fiese Wesen virtuell in Lebensgröße vor euch auftauchen, fürchtet ihr ganz real um eure Existenz. Herkömmliche Horrorfilme auf der Mattscheibe tut ihr anschließend mit einem Schulterzucken ab. Wir stellen euch fünf Spieleperlen für die Virtual Reality vor, die das Gruseln kultivieren. Ob Samsung Gear VR, Oculus Rift, HTC Vive oder Playstation VR: Es ist für jeden die passende VR-Erfahrung dabei. 

5. Dead Secret

Kansas, 1965. In einem einsamen Landhaus wird ein Mann tot aufgefunden. Der Tote heißt Harris Bullard und hat in dem Haus schon seit Jahren ein zurückgezogenes Leben geführt. Die Polizei glaubt an eine natürliche Todesursache. Doch eine Journalistin vermutet einen Mord und will der Sache nachgehen.

Als Spieler schlüpft man in deren Rolle und untersucht das Haus akribisch nach Beweisen, um den Fall aufzuklären und den unbekannten Täter zu stellen. Dabei stellt sich heraus, dass das Haus und die Vergangenheit des Mannes dunkle Geheimnisse bergen.

Dead Secret basiert auf zehn Jahren Forschung über Horror-Games.

Dead Secret ist ein Point-and-Click-Adventure in der virtuellen Realität. Dank eines cleveren Rätseldesigns und einer ausgezeichneten Spielführung kann der Titel durchgehend motivieren. Die Mystery- und Horrorelemente sorgen für Gänsehaut und Höchstspannung und viele Schreckmomente.

Chris Pruett, der Leiter des Indie-Spielestudios Robot Invader, das Dead Secret entwickelte, analysierte in einem Forschungsprojekt über zehn Jahre Horrorspiele und unheimliches Spieldesign. Dead Secret wurde auf der Grundlage dieser Forschungsarbeit entwickelt – und das merkt man.

Motion-Sickness-Faktor: Dead Secret wird mit einem Gamepad gespielt und man bewegt sich nicht frei, sondern teleportiert sich von einer vorgegebenen Stelle zur nächsten. Die Einschränkung der Bewegungsfreiheit hat uns nicht gestört. Das Spiel bietet einen Komfortmodus, bei dem die Fortbewegung während eines (simulierten) Blinzelns geschieht. Dreht man sich, geschieht das in 30-Grad-Schritten und ebenfalls während eines Blinzelns. Insgesamt ist die App gut verträglich.

Dead Secret ist erhältlich für: Samsung Gear VR (3,34 Euro), Oculus Rift (7,99 Euro), HTC Vive (7,49 Euro). Wer sich das Spiel auf Steam kauft, erhält einen Freischaltcode für Oculus Home. Die offizielle Internetseite ist hier zu finden.

4. The Vanishing of Ethan Carter VR

Paul Prospero ist ein Detektiv, der sich auf paranormale Phänomene spezialisiert hat. Als er eines Tages den Hilferuf eines übersinnlich begabten Jungen namens Ethan Carter erhält, macht er sich auf den Weg zu ihm nach Red Creek Valley, einer malerischen Bergregion, die nur zu Fuß erreichbar ist. Bald stellt sich heraus, dass sich dunkle Mächte des Ortes bemächtigt haben und dass Ethan samt aller Einwohner spurlos verschwunden ist. Nun liegt es an dem Spieler, das Rätsel um deren Verbleib zu lösen.

Ethan Carter VR ist ein begehbarer Stephen-King-Roman.

The Vanishing of Ethan Carter VR ist ein sogenannter “Walking Simulator”, der gekonnt Mystery- und Horrorelemente vermischt und vom Schauplatz und der Thematik an Twin Peaks und Romane von Stephen King erinnert. Das herausstechende Merkmal von Ethan Carter ist die tolle Grafik. Die Welt wurde zum Teil mittels Photogrammetrie erstellt und beeindruckt mit einer fotorealistischen Szenerie.

Grafik-Tipp: Mit aktiviertem Asychronous Space Warp, das nur von Oculus Rift unterstützt wird, läuft das Spiel selbst auf den höchsten Einstellungen einwandfrei auf einer GTX 970. Auf Reddit findet man eine Anleitung, wie man ASW aktivieren kann. In den Grafikoptionen des Spiels sollte man die Auflösung auf 130 Prozent hochschrauben und das Temporal Anti-Aliasing (TAA) aktivieren. Mit Oculus Rift sieht das Spiel daher noch ein Stückchen besser aus als mit HTC Vive. Wer das Spiel auf Steam erwirbt, kann es dort mit beiden VR-Brillen nutzen.

Motion-Sickness-Faktor: The Vanishing of Ethan Carter wurde ursprünglich für den PC entwickelt und erst nachträglich erschien eine Version, die für VR optimiert ist. Leider ist diese Portierung der größte Schwachpunkt des Spiels. Im Komfortmodus springt der Spieler zwischen vordefinierten Stellen, was die Immersion jedoch erheblich stört. Die freie Bewegung hingegen kann Übelkeit verursachen. Besonders die künstliche Drehung kann einem schnell auf den Magen schlagen. Wir empfehlen, das Spiel stehend oder auf einem Drehstuhl sitzend zu spielen. Ein Gamepad wird vorausgesetzt. Die 3D-Controller der Vive-Brille werden nicht unterstützt.

The Vanishing of Ethan Carter ist erhältlich für: Oculus Rift (29,99 Euro, enthält sowohl das Originalspiel als auch die VR-Erweiterung) und HTC Vive (5,78 Euro für das VR-Bundle, 1,99 Euro für die VR-Erweiterung, wer das Originalspiel bereits besitzt). Wer sich das Spiel auf Steam kauft, kann es sowohl mit Oculus Rift als auch mit HTC Vive spielen. Die offizielle Internetseite ist hier zu finden.

3. Here They Lie

Here They Lie ist ähnlich wie Ethan Carter ein Walking Simulator. Nur bewegt man sich hier nicht in der freien Natur, sondern durch die klaustrophobischen Räume einer Stadt. Man folgt der Spur einer mysteriösen jungen Frau, die mehr geisterhafte Gestalt oder Vision als eine Wesen aus Fleisch und Blut zu sein scheint.

So wird man immer tiefer hineingezogen in eine Stadt, die von bizarren und teils gefährlichen Gestalten bewohnt wird. Vereinzelt gibt es Schleichpassagen, doch meist muss man die Umgebung erkunden. Ein Freund unterstützt den Spieler via Telefon und man kann Notizzettel finden, die Hinweise auf die Geschichte geben. Vieles bleibt jedoch im Dunkeln, so wie der unheimliche Ort selbst.

Here They Lie ist gekonnter Psychohorror.

Here They Lie setzt nicht auf plötzliche Schockmomente und Sturzbäche von Blut, sondern auf psychologischen Horror. Die visuelle Ästhetik des Spiels untermauert das Unwirkliche und Albtraumhafte: Das Bild ist grobkörnig und unscharf, die Farben verblasst. Spielt man es, hat man das Gefühl, als wäre man in einen alten Schwarzweißfilm versetzt. Das Spiel hat starke Vorbilder: Den Entwicklern zufolge ist es von Filmen wie Erasherhead, Antichrist und Shining inspiriert.

Motion-Sickness-Faktor: Das Spiel wird mit dem Gamepad gesteuert und kann deshalb Übelkeit auslösen. Im Komfortmodus dreht man sich in 30-Grad-Schritten. Deaktiviert man den Komfortmodus, kann man sich mit dem Analogstick drehen. Während der Drehung wird das Sichtfeld reduziert, sodass ein künstlicher Tunnelblick entsteht. Wir haben das Spiel im Komfortmodus gespielt, ohne dass uns schlecht wurde. Wer einen empfindlichen Magen hat, könnte Probleme bekommen.

Here They Lie ist erhältlich für: Playstation VR (19,99 Euro). Die offizielle Internetseite ist hier zu finden.

2. The Elevator Ritual

Das Fahrstuhl-Ritual orientiert sich an einer Urban Legend aus Korea. Die geht so: Wenn man mit dem Fahrstuhl in einem Gebäude mit mindestens zehn Stockwerken eine spezielle Abfolge an Stops einhält, landet man irgendwann in einer mysteriösen Zwischenwelt.

Diese scheint mit der realen Welt identisch zu sein, bis auf drei Ausnahmen: Das Licht geht nicht mehr, am Horizont brennt ein rotes Kreuz und es existiert nur mehr ein lebendiges Wesen – man selbst. Die Betonung liegt auf “lebendig”, denn alleine seid ihr in der Horror-Etage nicht.

Die Horror-Erfahrung ist wirklich nur für Menschen geeignet, die den richtig fiesen Kram ertragen können.

The Elevator Ritual – und das meinen wir ganz aufrichtig – ist wirklich nur für Menschen geeignet, die den richtig fiesen Kram ertragen können. Bei mir triggert die Horror-App gleich zwei Ängste auf einen Schlag. Die vor Fahrstühlen, die in die Tiefe stürzen und jene vor kranken Horrorwesen, die mir in der Dunkelheit von hinten ins Ohr flüstern. Die rund zehn Minuten im Fahrstuhl sind kein Spaß, sondern purer Stress. Wenn ihr nach dem VR-Erlebnis vorzeitig ergraut seid, sagt nicht, dass wir euch nicht gewarnt hätten.

Motion-Sickness-Faktor: Hier gibt es kein Risiko, denn die App verzichtet komplett auf künstliche Fortbewegung. Der Sickness-Faktor ohne Motion ist hingegen enorm hoch. Ehrlich.

The Elevator Ritual ist erhältlich für: Oculus Rift (2,99 Euro). Die offizielle Internetseite ist hier zu finden.

1. A Chair in a Room: Greenwater

Wenn man in die Welt von A Chair in a Room eintaucht, gibt es eine Frage, die man sich häufig stellt: Warum tue ich mir das hier an!? Ein Stuhl im Raum klingt zwar erstmal nicht nach einer bedrohlichen Gruselei, aber der harmlose Titel sollte euch nicht täuschen. In dem ausgewachsenen Horror-Game gibt es viele Momente, die euch das Blut in den Adern gefrieren lassen.

Die App beweist eindrucksvoll, dass Virtual Reality intensiver wirkt als herkömmliche Medien.

Wenn eine App beweist, dass Virtual Reality intensiver wirkt als herkömmliche Medien, dann Greenwater. Gefangen in der Dunkelheit, nur mit einer Taschenlampe bewaffnet und ohne eine schützende Mattscheibe vor den Augen, fühlt man sich der Computerwelt physisch und psychisch ausgeliefert. Und das teils in einem Ausmaß, bei dem man wahrhaftig nicht mehr von einem Gruselvergnügen oder angenehmen Nervenkitzel sprechen kann.

In einer der verstörendsten Szenen in der Geschichte der Horror-Games, die wahrscheinlich schon am normalen Monitor gnadenlos schocken würde, musste ich mir die VR-Brille absetzen. Ein nicht mehr ganz gesundes, kleines Mädchen kriecht mir – sicherlich aus guten Gründen – auf allen vieren und rückwärts durch den Hausflur entgegen. In Virtual Reality ist das weit jenseits von dem, was man noch gut ertragen kann. Eine beliebte Methode, um in solchen Momenten den eigenen Verstand zu schützen: In der VR-Brille die Augen zukneifen und die Ohrstöpsel herausreißen. Hände vor die Augen halten geht ja nicht.

A Chair in the Room ist nicht nur eine angsteinflößende Horror-Erfahrung, es ist auch eines der besten VR-Spiele überhaupt. Unglaublich, dass es im Alleingang von einem einzelnen Entwickler auf die Beine gestellt wurde.

Motion-Sickness-Faktor: A Chair in a Room wird euch nicht mit künstlicher Fortbewegung krank machen. Ab mindestens 2,5 m x 2,5 m Platz für Room-Scale-VR entspricht der Bewegungsbereich immer exakt der tatsächlichen Trackingfläche.

Zusätzlich verwendet der Entwickler eine Form des “Redirected Walking”, ein genial intelligentes Bewegungskonzept. Wechselt man die Szene, signalisieren weiße Fußabdrücke auf dem Boden dem Spieler den optimalen Standpunkt für die nächste Szene. Diese wird dann um den Standpunkt herum aufgebaut, sodass der virtuell benötigte Platz und der reale Raum übereinstimmen.

Geht man innerhalb der gleichen Umgebung durch eine Tür am Rand der Trackingfläche, wird das Bild in der VR-Brille kurz schwarz und man startet im neuen Raum mit dem Blick zur Tür. Das irritiert im ersten Moment, ergibt aber Sinn: Man muss sich herumdrehen und hat wieder die maximal begehbare Trackingfläche vor sich. Wer weniger als 2,5 m x 2,5 m Platz hat, kann sich teleportieren.

Viel immersiver geht die Bewegung in Virtual Reality derzeit nicht und das Feature zahlt ungemein auf die dichte Atmosphäre ein. Blöd nur, dass einfach umdrehen und wegrennen leider nie eine Option ist.

A Chair in a Room: Greenwater ist erhältlich für: HTC Vive (17,24 Euro). Die offizielle Internetseite ist hier zu finden.

| Featured Image: Wolf & Wood Interactive / Text: Tomislav Bezmalinovic, Matthias Bastian