Jahresrückblick: Was war 2015 los bei Virtual und Augmented Reality?
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Die fünf wichtigsten Virtual-Reality-Ereignisse in 2015

von Matthias Bastian22. Dezember 2015

2015 nähert sich dem Ende und eigentlich hätte es das Jahr der virtuellen Realität werden sollen. Hätte – denn VR-Brillen wie Oculus Rift und HTC Vive lassen weiter auf sich warten. Aber auch wenn in 2015 längst nicht alles passiert ist, was man sich zuvor vielleicht erhofft haben mag, war das Jahr trotzdem sehr ereignisreich. Wir blicken zurück und fassen die fünf wichtigsten Ereignisse zusammen.

Nr 1: Samsung Gear VR erscheint im November 2015

Ohne Zweifel das wichtigste Ereignis, denn mit dem Erscheinen der mobilen VR-Brille von Samsung und Oculus sind hochwertige Virtual-Reality-Erlebnisse erstmals den Endverbrauchern zugänglich. Und das auch noch günstig, sofern man ein aktuelles Samsung-Smartphone besitzt: Ab 99 Euro kann man bereits in die virtuelle Realität starten.

Der Oculus-Store, der über Gear VR zugänglich ist, füllt sich langsam aber beständig mit brauchbaren Inhalten. Das sind lange nicht nur Spiele, sondern auch viele Filme, interaktive Experiences, Lernanwendungen und Apps mit ausgefallenen Konzepten, beispielsweise um Bühnenangst zu bekämpfen oder die Kunst der Meditation zu trainieren. Gear VR ist noch nicht ganz die Virtual Reality, die sich Enthusiasten wünschen – aber ein guter Anfang. Mehr Infos gibt es in unserem Review.

Nr. 2: HTC und Valve stellen die VR-Brille HTC Vive vor

Es ist zwar schon eine gefühlte Ewigkeit her, trotzdem passierte es in 2015: Anfang Januar auf der CES stieg HTC gemeinsam mit Valve völlig überraschend in den Markt für VR-Brillen ein. Dabei wurde Vive dank spezieller Bewegungscontroller und eines ausgereiften Trackingsystems direkt zum Liebling der VR-Enthusiasten. Auf der deutschen Gamescom konnte die VR-Brille sogar den Preis für die beste Hardware abstauben. Ende des Jahres dann die große Ernüchterung: Vive erscheint erst im April 2016. Als Grund für die kurzfristige Verschiebung wird von HTC-Chefin Cher Wang ein “großer technologischer Durchbruch” genannt. Fans warten gespannt auf die CES Anfang Januar 2016 in Las Vegas, dann dürfte klar werden, ob HTC die zusätzliche Zeit bis zum Frühjahr sinnvoll nutzt.

Nr. 3: Mixed- und Augmented-Reality sind ein großes Thema – Magic Leap betritt die Bühne

Wie aus dem Nichts betrat das Unternehmen Magic Leap im März 2015 die Bühne und zeigte eine beeindruckende, wenn auch komplett gerenderte, Konzeptstudie zu ihrer Mixed-Reality-Technologie. Zuvor überzeugten sie Investoren, bekamen von namhaften Unternehmen fast 600 Millionen US-Dollar überwiesen, um die eigene Technologie weiterzuentwickeln. Dann folgte im Herbst Runde zwei: Eine neue Demo zeigt eine Hologramm-ähnliche Abbildung, diesmal ist das Video angeblich direkt durch die Linsen der Brille gefilmt.

Die Veröffentlichung des Videos war geschickt konzertiert, denn kurz darauf konnte Magic Leap eine erneute Investorenrunde erfolgreich abschließen. Die Kalifornier bekamen sagenhafte 827 Millionen US-Dollar. Angeblich investiert neben Google jetzt auch der chinesische eCommerce-Riese Alibaba. Außerdem sitzt Googles Sundar Pichai mittlerweile im Aufsichtsrat von Magic Leap. Deren Geschäftsführer Rony Abovitz verkündet im Herbst selbstbewusst, dass sein Unternehmen das Smartphone und aktuelle Displaytechnologien ersetzen will. Laut Abovitz bereitet sich Magic Leap bereits auf die Produktion vor. Von was? Das ist immer noch ein mittelgroßes Fragezeichen. Angeblich ist ein neuartiger Chip in Entwicklung, der hochwertige, digitalisierte Lichtfelder direkt in das Sichtfeld des Brillenträgers rendert. Die Qualität dieser Projektionen soll wohl bisher gesehene Demonstrationen deutlich übertreffen. Aber mit fast 1,5 Milliarden US-Dollar allein in 2015 lässt sich sicherlich was auf die Beine stellen.

Und dann ist da ja noch Hololens: Wenn man Microsoft die zahlreichen, dreist gefälschten Bühnenshows und das irreführende “Hologramm”-Marketing verzeihen möchte, scheint die Augmented-Reality-Brille auf einem guten Weg zu sein. Ein Prototyp soll in den kommenden Wochen für 3.000 US-Dollar an Entwickler verkauft werden, so dass wir in 2016 zahlreiche interessante Demos sehen dürften. So ganz ist aber noch nicht raus, für was man den “holographischen Computer” genau benutzen soll: Für Entertainment- und Office-Anwendungen ist das Sichtfeld eigentlich deutlich zu eng. Aber die Technologie steckt ja noch in den Kinderschuhen und wird stetig verbessert.

Apropos Augmented Reality: Auch Google Glass ist noch nicht von der Bildfläche verschwunden – der Internetriese arbeitet an einem Nachfolger, der speziell für die Arbeit gedacht sein soll. Möglicherweise gibt es ja Querverbindungen zur Technologie von Magic Leap. In 2015 zeichnet sich deutlich ab, dass die Augmented Reality mittel- bis langfristig eine wichtige Rolle im Markt für virtuelle Technologien einnehmen wird.

Nr. 4: Lytro stellt die erste Lichtfeldkamera vor, die auch Bewegungen aufzeichnen kann

Zugegeben, das ist ein streitbares Highlight, denn bisher haben wir kein bewegtes Material von Lytros Immerge gesehen. Das soll im ersten Halbjahr 2016 passieren. Wenn die Kamera aber ihr Versprechen hält, dann würde das eine Revolution für die VR-Film- und Medienproduktion bedeuten. Aktuelle Kamerasysteme für VR haben nämlich zahlreiche Nachteile: Die Bildqualität ist nur durchschnittlich, die Bedienung zu umständlich und die Sicht des Zuschauers ist auf die Position der Kamera fixiert. Mit Virtual Reality hat das noch wenig zu tun.

Anders sieht es das Konzept der Lichtfeldtechnologie vor: Das aufgezeichnete Bild soll nicht nur eine deutlich höhere Qualität haben, sondern eine Szene auch in einem eingeschränkten Radius begehbar machen. Der Zuschauer kann also nicht nur den Kopf drehen und sich umschauen, sondern sich in einer Szene bewegen, die Umgebung erkunden und den Blickwinkel verändern. Für das Storytelling schafft das völlig neue Möglichkeiten. Hält Lytros Kamera, was sie verspricht, ist das der Anfang einer neuen Medien- und Erzählform. Leider ist die Kamera bei Markteinführung noch so teuer, dass wohl vorerst nur große Studios damit arbeiten werden.

Nr. 5: Die New York Times verteilt eine Million Cardboards kostenlos an Abonnenten

Googles Pappbrille ist zwar ein wenig das ungeliebte Kind der Virtual-Reality-Szene, aber dennoch ein gutes Instrument, um das VR-Konzept Einsteigern vorzustellen. Die New York Times produzierte gemeinsam mit VRSE und Chris Milk eine Reportage über Kinder, die aufgrund von Krieg aus ihrer Heimat flüchten mussten. Aufgrund der Nähe in Virtual Reality sollen die Bilder das Mitgefühl besonders stark anregen und Menschen dazu motivieren, sich stärker als bisher zu engagieren und Hilfesuchenden mit mehr Toleranz zu begegnen.

Auch wenn die Chance groß ist, dass 90 Prozent der Cardboard-Empfänger die Pappschachtel nie angefasst haben – einige Reaktionen in den sozialen Medien zeigen, dass die VR-Doku bei den Menschen Wirkung erzielt hat. Ein Zuschauer meldet beispielsweise bei Twitter: „Heute morgen bin ich aufgewacht und in den Libanon, die Ukraine und den Sudan gereist. Ich habe gelernt und geweint. Das ist die Zukunft des Journalismus.” Solche Aktionen können dabei helfen, mehr Menschen für das Thema Virtual Reality zu begeistern.

Ehrenvolle Erwähnungen:

Im Sommer demonstriert Oculus VR die finale Version der Oculus Rift VR-Brille. Schade, dass ein Launch in 2015 nicht mehr geklappt hat. Neu sind die Bewegungscontroller Oculus Touch, die leider erst nach der Rift-Brille im Sommer 2016 erscheinen sollen. Laut ersten Testberichten sollen sie aber hervorragend funktionieren.

Sonys Project Morpheus wird in Playstation VR umgetauft. Der Grund laut Sony-Boss Yoshida: „Die Menschen wollen das VR, das sie aus dem Fernsehen kennen. Deswegen wollten wir einen einfachen Namen.” Außerdem soll die Brille so teuer wie eine neue Konsole werden. Das Line-Up für den Launch der exklusiven PS4-Brille lässt HTC Vive und Oculus Rift derweil deutlich hinter sich. Wenn eine VR-Brille die Chance hat, in 2016 auf Anhieb ein kommerzieller Erfolg zu werden, dann ist das Sonys Playstation VR.

Immer mehr 360-Kameras tauchen auf, viele davon werden erfolgreich über Kickstarter finanziert. Zwar gibt es noch keine Referenzmodelle und die Technologie dürfte noch viele Monate oder gar Jahre brauchen, bis sie ausgereift ist, aber das Thema 360-Filme gewann in 2015 deutlich an Popularität. In den digitalen Videoläden von Samsung, Oculus, Jaunt und Co. gibt es mittlerweile zahlreiche hochwertige Inhalte. Auch Google treibt das Thema 360-Video voran, spendiert YouTube Unterstützung für 3D und 4K in 360-Grad und veröffentlicht zusätzlich eine App, mit der auch Laien ganz einfach mit dem Smartphone gute 360-Fotos aufnehmen können.

Amazon bekommt einige sehr interessante Patente genehmigt, die deutliche Hinweise darauf liefern, dass der ehemalige Online-Buchhändler etwas plant. Unter anderem wird offenbar an einer Augmented-Reality-Brille gearbeitet, bei der die Durchsichtigkeit der digitalen Einblendungen regelbar ist. Theoretisch ermöglicht das den stufenlosen Wechsel zwischen virtueller und augmentierter Realität.

Apple schweigt und kauft ein. Und zwar ganze Unternehmen. Unter anderem die deutschen Augmented-Reality-Spezialisten von Metaio. In Cupertino tut sich definitiv was, allerdings gibt es bisher nicht einmal handfeste Gerüchte.

Facebook-Chef Marc Zuckerberg betont bei jedem öffentlichen Auftritt, dass er Virtual und Augmented Reality für “die nächste große Sache” hält. Er glaubt, dass Menschen in Zukunft virtuelle Technologien nutzen, um Erinnerungen zu speichern und zu teilen. Natürlich über Facebook. Unter anderem tritt er im Herbst auf der Entwicklerkonferenz Oculus Connect 2 auf und motiviert die Programmierer im Publikum, hochwertige Inhalte zu produzieren und auch in schwierigen Phasen weiterzumachen. Kurz darauf launcht Facebook einen eigenen Service für 360-Videos.

Auch für uns war das ein tolles Jahr: Seit Mai 2015 ist VRODO online und berichtet über alle Themen, die mit virtueller Realität zu tun haben. Hätte uns jemand im Mai gesagt, wie schnell die Seite wächst und wie groß das Interesse ist, wir hätten es nicht geglaubt. Viele Dank an unsere Leser! Auch in 2016 arbeiten wir weiter daran, jeden Tag etwas besser zu werden.

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| FEATURED IMAGE: Oculus / VRODO