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Virtual Reality: Die Zukunft des Ego-Shooters? – “Compound” ausprobiert

von Tomislav Bezmalinovic10. April 2017

Wave-Shooter für Virtual Reality gibt es mehr als genug. Bevan McKechnie will einen Schritt weitergehen und entwickelt einen waschechten Ego-Shooter für das neue Medium. Die kurze Demo verschaffte mir den ersten Adrenalinkick seit einem Jahr, als ich Space Pirate Trainer zum ersten Mal ausprobierte.

Compound sieht zwar aus wie einer der ersten Ego-Shooter, aber er fühlt sich an wie deren Zukunft. Als ich die kurze Demo ausprobierte, wurde ich augenblicklich in das Jahr 1994 zurückversetzt, als ich auf dem Computer meines besten Freundes zum ersten Mal Doom spielte. Es war nicht unbedingt die Grafik, die mich an diesen Klassiker erinnerte, sondern die Erkenntnis, dass hier etwas Großes im Gange ist, das ich vorher so noch nie erlebt hatte.

In Compound erforscht man die zufallsgenerierten Gewölbe einer Kanalisation, in denen feindliche Soldaten und Roboter patrouillieren. Das Spiel bietet zwei Waffen: Einen einfachen Blaster, der überhitzt, wenn man zu lange auf den Abzug drückt und ein Maschinengewehr, das man manuell nachladen muss. Mit einem Knopfdruck wechselt man verzögerungsfrei zwischen den Waffen.

Ein Spiel wie dieses steht und fällt natürlich mit der Art und Weise, wie man sich durch die Spielwelt bewegt. VR-Nutzer, denen künstliche Fortbewegung auf den Magen schlägt, können sich von Stelle zu Stelle teleportieren. Alle anderen werden die fließende Fortbewegung bevorzugen, die erstaunlich gut umgesetzt ist und einen Großteil der Faszination dieses Titels ausmacht.

Elegantes Fortbewegungskonzept

Um sich vorwärts zu bewegen, hält man die Greifen-Taste des linken Vive-Controllers gedrückt. Das Alter Ego bewegt sich hierbei nicht etwa in die Richtung, in die man blickt, sondern dorthin, wo der Controller zeigt. Dies erlaubt nicht nur das seitliche Gehen, das ein wichtiger Bestandteil von Ego-Shootern ist, sondern auch das Umsehen während des Gehens.

Wie es scheint, hat sich der Entwickler Bevan McKechnie diese äußerst elegante Lösung von Freedom Locomotion VR abgeschaut. Compound dürfte somit eine der Anwendungen sein, die den äußerst vielseitigen Fortbewegungsworkshop für ein Spiel fruchtbar macht.

Nachdem ich mich an die Steuerung und die Fortbewegung gewöhnt habe, ging ich vollkommen in der kleinen, primitiven Welt von Compound auf. Das Spiel beweist, dass es nicht der grafische Realismus ist, der für das Gefühl der Präsenz sorgt, sondern vielmehr die Art und Weise, wie man sich in der Welt bewegt und mit ihr interagiert. Wirken diese Faktoren annähernd glaubhaft, füllt das Hirn die vorhandenen Lücken.

Willkommen in der Zukunft

Damit will ich nicht sagen, dass mir der Retro-Look nicht gefällt. Im Gegenteil. Compound fühlt sich futuristisch an, gerade es weil in einem grafischen Gewand erscheint, das an jahrzehntealte Ego-Shooter erinnert. Als ich es spielte, fühlte ich mich wie Wade Watts aus Ready Player One, der sich in der Oasis die VR-Adaption eines alten Spieleklassikers vornimmt, um an James Hallidays legendäres Easter Egg zu kommen. Fantastisch!

Dennoch ein warnendes Wort: Die künstliche Fortbewegung in diesem Spiel ist nicht leicht zu verdauen. Schlecht wurde mir nicht, aber ich spürte noch eine halbe Stunde später, dass mein Gehirn versuchte, mit dem eben Wahrgenommenen fertigzuwerden. Menschen, die in der Virtual Reality ihre ersten Schritte gehen, sollten von Compound die Finger lassen oder die Teleportationsmechanik nutzen.

Compound befindet sich in einem sehr frühen Entwicklungsstadium und hat rein inhaltlich noch nicht viel zu bieten. Aber das Grundgerüst steht und weckt die Hoffnung, dass Spiele aus der Ego-Perspektive, wie sie seit Jahrzehnten über Monitore flimmern, für die Virtual Reality ein Stück weit näher rücken.

Die Demo von Compound ist kostenlos bei Steam erhältlich. Unterstützt werden sowohl HTC Vive als auch Oculus Rift.



| Featured Image: Bevan McKechnie

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