Eine Gruppe japanischer VR-Enthusiasten probt mit Oculus Go die Virtual-Reality-Zukunft wie in Ready Player One: Sie setzen sich mit der VR-Brille auf dem Kopf in den Zug. Das dabei entstandene Foto wird beim einen oder anderen für Stirnrunzeln sorgen – und es zeigt das größte Problem von VR in der Öffentlichkeit.

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Japanische VR-Fans nahmen den Marktstart von Oculus Go als Anlass, sich auf eine öffentliche Runde Virtual Reality in der Bahn zu treffen. Denn genau dafür wurde die mobile Go-Brille ja konstruiert: die schnelle VR-Runde zwischendurch, unabhängig von einem externen Zuspieler. Für Zuhause gibt es ja Highend-Brillen für PC und Konsole.

Die Aktion hielten sie auf einem Foto fest: Knapp 20 Menschen sitzen sich mit VR-Brille in einem Zug gegenüber und sind beieinander – und irgendwie doch nicht. Denn in der VR-Brille erlebt schließlich jeder seine eigene Welt.

Die Gruppe veröffentlichte das Bild bewusst, um zur Debatte über öffentliche VR-Nutzung anzuregen. Bei Twitter entstand daraus eine Diskussion, ob diese womöglich ein Affront gegenüber Mitmenschen ist. Beschwerden von anderen Zugreisenden gab es allerdings nicht, obwohl in Japan gerade in Zügen besonders strenge Verhaltensregeln herrschen. Das öffentliche Telefonieren gilt zum Beispiel als große Unverschämtheit.

VR-Akzeptanz: Läuft es wie beim Smartphone?

Das Bild der öffentlichen VR-Brillenträger wirkt einigermaßen befremdlich, surreal, dystopisch, vielleicht auch albern. Diesem Eindruck dürften sich selbst die größten VR-Enthusiasten nicht entziehen können.

Ob es sich mit der kulturellen Akzeptanz der VR- Brille wie mit den ersten Handys verhält, deren öffentliche Nutzung zunächst kritisch gesehen wurde? Mittlerweile kleben die Menschen permanent an ihren Smartphone-Screens, sogar wenn sie über eine befahrene Kreuzung spazieren – und niemanden interessiert es mehr. Vielleicht ist alles nur Gewohnheit.

Auf der anderen Seite: Es ist eine Sache, ein Smartphone in der Hand zu halten, darauf zu schauen und abgelenkt zu sein. Es ist eine andere Sache, seine komplette Augenpartie zu verdecken und sich vollständig aus der Realität zu verabschieden, so als sei man gar nicht mehr anwesend.

Persönlich gehe ich nicht davon aus, dass es zeitnah eine gesellschaftliche Debatte zur öffentlichen VR-Nutzung geben wird. Denn das größte Problem der VR-Brille ist und bleibt: VR-Brillenträger sehen albern aus. Und niemand sieht in der Öffentlichkeit gerne albern aus.

Die meisten Menschen werden aus reiner Eitelkeit – und vielleicht aus Angst vor Diebstahl oder sexueller Belästigung – darauf verzichten, in Bus und Bahn eine VR-Brille aufzuziehen. Die wenigen Ausnahmen werden als exotische Nerds einfach weggelächelt.

Wie seht ihr das? Werdet ihr Oculus Go und Co. in der Öffentlichkeit nutzen?


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