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Virtual Reality: Erste Entwickler senken Preise für Apps

von Matthias Bastian21. April 2016

HTC Vive und Oculus Rift sind kaum auf dem Markt, da justieren erste Entwickler ihre Preise nach unten. Grund dafür ist negatives Feedback aus der VR-Community. Doch wie findet man den richtigen Preis bei experimentellen Anwendungen für ein neues Medium?

“The Rose and I” von den Penrose Studios ist eine rund fünf Minuten lange Virtual-Reality-“Erfahrung”. Erfahrung deshalb, weil es noch kein besseres Wort für diese Art begehbaren, interaktiven 3D-Film gibt, eine Mischform aus verschiedenen Medien. Und obwohl der Umfang des animierten VR-Kurzfilms eher gering ist, sind viele Monate Arbeit in Forschung, Konzeption und Umsetzung geflossen.

Wie viel Geld kann man dafür nehmen? 4,99 Euro, so dachten sich die Penrose Studios, sind ein fairer Preis. Die VR-Community sah das ein wenig anders. Bei Reddit postete ein Nutzer gar eine “Warnung” – die Kurzgeschichte sei zwar schön und nett, aber für den verlangten Preis biete sie deutlich zu wenig Inhalt. Eine Reihe anderer Nutzer stimmte zu.

Eugene Chung, Inhaber der Penrose Studios und ebenfalls ein Reddit-Leser, reagierte prompt auf die zahlreichen Beschwerden – und bietet “The Rose and I” mit sofortiger Wirkung kostenlos an. “VR ist spannend, weil es neu ist und wir (so wie auch andere VR-Entwickler) versuchen das Medium zu verstehen, während wir damit arbeiten. Wir haben unserem Inhalt einen Preis gegeben, weil wir dabei helfen wollten, den VR-Markt insgesamt zu beschleunigen – das war ein Irrtum. Wir sind stolz, Teil der wachsenden Community zu sein und wir entschuldigen uns bei allen Nutzern, die mit der Preisgestaltung nicht zufrieden waren”, schreibt Chung bei Reddit. Wer die App bereits gekauft hat, soll sein Geld über die Plattform erstattet bekommen oder alternativ eine Anfrage an die Penrose Studios stellen.

Auch Job Simulator ist vermeintlich zu teuer

Nicht viel besser erging es den Owlchemy Labs, verantwortlich für das Spiel Job Simulator für HTC Vive. Ursprünglich kostete der Titel 40 US-Dollar, nach einigen Beschwerden aus der Community, dass der Preis zu hoch sei, wurde er nun auf 30 US-Dollar gesenkt. Wer das Spiel bereits gekauft hat, bekommt die ursprüngliche Summe vollständig erstattet und kann es, auf Wunsch, für 30 US-Dollar erneut kaufen. Besonders schwer fallen dürfte diese großzügige Geste nicht, denn Job Simulator ist ohnehin eine kostenlose Dreingabe für Vorbesteller der Vive-Brille. Viele frei verkaufte Einheiten von Job Simulator dürfte es daher wohl nicht geben.

“Wenn eine komplett neue Plattform startet, weiß keiner, was man genau zu erwarten hat, also mussten wir mit den Zahlen arbeiten, die wir zur Verfügung hatten. Wir haben 15 Mitarbeiter, die über anderthalb Jahre in die Entwicklung investierten, sehr viele Arbeitsstunden stecken im Job-Simulator-Projekt. Der Titel war sehr teuer in der Produktion. Außerdem erforschen wir komplett neue Mechaniken, da wir Spiele von Grund auf für VR entwickeln. Der Designprozess in VR ist viel intensiver als für normale Spiele, weil das VR-Design sehr viele Iterationen braucht”, schreiben die Entwickler in der Steam-Community. Auch der Preis der VR-Erfahrung “The Blu” von WeVR wurde nachträglich etwas nach unten korrigiert. Käufer bekommen den Differenzebetrag automatisch via Steam erstattet.

Den richtigen Preis für VR-Inhalte zu finden, wird auch in Zukunft keine einfache Aufgabe sein. Viele der Anwendungen sind experimentell, zum einen weil das Medium neu ist, zum anderen steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen. Die Produktion ist teuer, da es kaum Erfahrungswerte gibt, auf die Entwickler zurückgreifen können – das bedeutet viel Forschung, Versuch und Fehler. Hinzu kommt, dass kaum VR-Brillen auf dem Markt sind und es entsprechend nur wenige potenzielle Käufer für Software gibt, die Absatzchancen sind also ohnehin gering. Das sind eigentlich gute Gründe dafür, Spiele und Apps möglichst teuer zu kaufen. Allerdings stoßen VR-Entwickler in erster Linie auf Spieler. Die sind es gewohnt, relativ viel Inhalt für wenig Geld zu bekommen. Das gibt der Virtual-Reality-Markt aber noch nicht her – für die Pioniere unter den VR-Entwicklern ist das eine echte Zwickmühle.

| Featured Image: | Source: Reddit / Steam