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Virtual Reality: Entwickler und Industrieveteranen sprechen über 2017

von Matthias Bastian21. Dezember 2016

2016 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem die Virtual-Reality-Technologie den Sprung aus dem Labor in die Händlerregale und Wohnzimmer schaffte. Es war nicht das Jahr, in dem die VR-Brille die Medienbranche überrollte und sich im Mainstream etablierte. Die Verkaufszahlen fallen geringer aus, als es von Analysten und Marktbeobachtern prognostiziert wurde. Wie geht es im kommenden Jahr weiter?

Die US-Webseite Gamesindustry befragte zahlreiche Veteranen und Entwickler aus der Spielebranche zu ihrer Prognose für die nahe Zukunft der Virtual Reality. Trotz der eher schwachen Verkaufszahlen in 2016, scheint der Optimismus der Branche ungebrochen, dass sich VR generell als Medium und speziell im Spielebereich etablieren kann. Vereinzelt gibt es auch kritische Stimmen.

Entwicklerlegende Hideo Kojima, bekannt durch die Metal-Gear-Solide-Reihe, traut VR zu, ein fundamental neues Medienparadigma zu erschaffen. Seit 120 Jahren sei die Displaytechnologie unverändert, erst mit der VR-Brille verschwindet der Rahmen. Diese Entwicklung könne grundlegende Veränderungen im Entertainment, im Alltag, der Bildung und der Kultur auslösen. “Ich glaube nicht, dass es nur um Spiele geht”, sagt Kojima.

Vielen Spielern dürfte Peter Molyneux ein Begriff sein. Er ist für besonders ausgefallene Spielkonzepte bekannt, die nicht immer das hielten, was der umstrittene Produzent zuvor versprach. Molyneux erhofft sich für 2017 einen VR-Titel, “der die Aufmerksamkeit rechtfertigt, die VR bislang bekommen hat.” Er selbst wird diesen Titel eher nicht produzieren. Sein Studio Lionhead wurde in diesem Jahr geschlossen.

“VR schleicht sich zu langsam in unser Leben”

Cliff Bleszinski ist so etwas wie der Rockstar der Gamesbranche. Reich und berühmt wurde er als Spieledesigner im Auftrag von Epic Games. Er entwarf die Shooter-Reihe Gears of War für Microsofts Xbox.

Bleszinski betreibt mittlerweile sein eigenes Entwicklerstudio und beobachtet den VR- und AR-Markt aufmerksam. Er selbst beschäftige sich fast ausschließlich mit kleinen Indie-Spielen und VR-Erfahrungen und ignoriere die meisten AAA-Titel – obwohl er durch Blockbuster-Spiele bekannt wurde.

Der Abverkauf der VR-Brillen scheint ihm nicht schnell genug zu gehen: “VR schleicht sich langsam in unser Leben. Zu langsam, das ist ein Fakt.”

Der bekannte Fantasy-Autor und Game-Designer Ian Livingstone begeisterte sich in 2016 für Augmented Reality. Das AR-Game Pokémon Go sieht er als Meilenstein in der Geschichte der Videospiele.

Ähnlich empfindet das der Indie-Entwickler François Alliot, Macher des ausgefallenen Kartenspiels Reigns. “Wir werden mehr interessante Geräte sehen wie Hololens oder Magic Leap und viele andere. Ich denke, Augmented Reality ist die natürliche Weiterentwicklung von Mobile. […] VR ist atemberaubend, aber es bietet keinen Mehrwert über die erste Begeisterung hinaus.”

“Es wäre genial, wenn die Klimakonferenz 2017 in VR stattfindet.” Tommy Palm, CEO Resolution Games

Tommy Palm, Geschäftsführer beim Studio Resolution Games, ist enttäuscht von den bislang erhältlichen VR-Anwendungen. Er vermisst explizit ein Spiel, bei dem man in der Rolle des Hauptcharakters eine interaktive Story durchlebt. “Hoffentlich bringt 2017 eine VR-Killer-App, die es erstrebenswert macht, die VR-Brille regelmäßig aufzusetzen.”

Er sieht besonderes Potenzial in Social-VR und der Telepräsenz: “Ganz egal was uns Trump erzählt, die globale Erderwärmung ist ein großes Problem. Wir brauchen dringend effektivere Methoden, um uns zu treffen, sodass Langstreckenflüge über den gesamten Globus überflüssig werden.”

| Featured Image: Google Earth

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