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Virtual Reality ermöglicht Reise zur Toteninsel

von Tomislav Bezmalinovic27. August 2017

Arnold Böcklins “Toteninsel” gehört zu den berühmtesten Motiven der Malerei. Mit Hilfe eines animierten Virtual-Reality-Films wird man endlich selbst im Kahn zur Insel übersetzen und das mythische Eiland betreten können.

Die halbkreisförmige und zum Betrachter hin geöffnete Felsformation ragt hell und erhaben aus dem dunklen, unbewegten Gewässer empor. Der Morgen dämmert, während ein Kahn mit zwei Figuren zu einer kleinen Hafeneinfahrt hinschwebt.

Die hintere Figur rudert, während die vordere Figur, ganz in weiße Tücher gehüllt und hinter einem quer gelagerten Sarg stehend, andächtig zum Eiland blickt. Das Innere der Insel ist von dunklen Zypressen verdeckt, die in den dämmernden Himmel ragen.

Die Erhabenheit, Würde und Stille dieses Motivs fasziniert die Menschen schon seit langem und lässt bei jeder neuen Betrachtung die Frage aufkommen, wie es wäre, selbst auf diesem Kahn zu stehen, der Toteninsel entgegenzufahren und mit eigenen Augen zu sehen, was sich hinter diesen Zypressen und in den Räumen verbirgt, die in den Felsen gehauen wurden.

Verdeckte Teile des Gemäldes wurden selbst gestaltet

Die Schweizer DNA Studios lassen diesen Traum wahr werden. In ihrem jüngsten Projekt “Unframed – Isle of the Dead” übertrugen sie das Motiv möglichst originalgetreu in die Virtual Reality. Das Ergebnis ist ein vollständig animierter und in Echtzeit gerenderter VR-Film.

“Letztes Jahr dachten wir, dass Virtual Reality reif sei für ein ernsthaftes Filmprojekt und fragten uns, was sich gut für das neue Medium eignen würde”, sagt Martin Charrière von den DNA Studios zu VRODO. Schließlich entschied sich das Team für das berühmte Toteninsel-Motiv des Schweizer Künstlers Arnold Böcklin (1827 – 1901).

Der große Symbolist hat die Toteninsel zwischen 1880 und 1886 in insgesamt fünf Ausführungen gemalt. Als Vorlage diente dem Studio die dritte Version aus dem Jahr 1883, die heute in der Alten Nationalgalerie in Berlin zu sehen ist.

Erstellt wurde die 3D-Version des Gemäldes mit Hilfe von Unity. In einem ersten Schritt wurden auf der Basis eines hochauflösenden Scans des Originalgemäldes Texturen erstellt. “Das war ein bisschen, als würde man ein altes Gemälde digital restaurieren”, sagt Charrière.

Die Teile der Insel, die von den Zypressen verdeckt sind, musste das Team selbst gestalten. Hierfür erstellten sie komplett neue Texturen und passten anschließend die Belichtung und die Farben an, sodass sie mit dem Gesamtbild harmonieren. Zum Schluss wurde das gesamte 3D-Modell in Unity neu ausgeleuchtet.

Eine neue Perspektive in der Kunstbetrachtung

Es ist das erste VR-Projekt des vierköpfigen Studios, das sich auf Spiele und Animationsfilme spezialisiert hat. Finanziert wurde es von einer Abteilung der öffentlichen-rechtlichen Schweizer Radio- und Fernsehgesellschaft (SRG), die Projekte im Bereich neuer Medien unterstützt.

Für die originalgetreue Umsetzung des Ölgemäldes sorgt die Kunsthistorikerin Florence Grivel, die sich mit Böcklins Kunst auskennt und den VR-Film während der Entstehung begleitete. Die SRG und die DNA Studios möchten mit dem Projekt eine jüngere Generation und Laien für Schweizer Kunst begeistern, indem sie die Kunstbetrachtung wortwörtlich um eine neue Perspektive erweitern.

Die erste Episode wird derzeit auf Festivals gezeigt und soll im November für HTC Vive, Oculus Rift, Samsung Gear VR und Google Daydream, sowie auf Youtube und Facebook als 360-Grad-Video veröffentlicht werden.

Bis zum Ende des Jahres will das Team zwei weitere Versionen der Toteninsel für Virtual Reality umsetzen. Auf der offiziellen Internetseite des Projekts findet man weitere Bilder und einen kurzen Trailer.

| Featured Image: DNA Studios

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