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Virtual Reality für die Therapie von Depressionen

von Carolin Albrand17. Februar 2016

Eine Studie des University College London legt nahe, dass Virtual Reality bei der Behandlung von Depressionen helfen kann. Dabei werden die Patienten mittels VR-Brille in die Perspektive eines Kindes zurückversetzt, um sich selbst zu trösten.

In einer ersten Studie wurden 15 Patienten zwischen 23 und 61 Jahren in Virtual Reality sowohl mit ihrem Erwachsenen-Ich als auch ihrem Kinder-Ich konfrontiert. Jeder der Patienten hatte innerhalb eines Monats drei Sitzungen je 45 Minuten. Einen Monat nach den Behandlungen zeigten neun der 15 Patienten deutliche Verbesserungen der Symptome, bei vier dieser neun Patienten wurde die Verbesserung als “klinisch signifikant” eingestuft. Bei sechs Patienten zeigte die Behandlung keine Wirkung.

In einer virtuellen Umgebung betrachtete sich der Patient zunächst selbst im Spiegel und versuchte, sich mental in das eigene Spiegelbild hineinzuversetzen. Um den Effekt zu verstärken, spiegelte das virtuelle Gegenüber alle Bewegungen des Probanden. Nachdem der Patient sich in die Situation eingefühlt hatte, wurde das eigene Spiegelbild mit dem eines weinenden Kindes ausgetauscht. Die Wissenschaftler gaben dem Patienten dann die Aufgabe, das weinende Kind zu beruhigen und zu trösten. Die 15 Patienten der ersten Studie fragten das Kind Sachen wie “Wann warst Du das letzte Mal fröhlich?” oder forderten es auf, an jemanden zu denken, von dem es geliebt wird.

Hatte der Patient das Kind im Spiegel eine Weile getröstet, wurde die Perspektive erneut verändert. Der Patient wurde in die Rolle des Kindes im Spiegel versetzt. Von dort aus sah er dann sein eigenes Erwachsenen-Ich, das mit beruhigender Stimme Trost spendete. Auf diese Art tröstete der Patient sein eigenes Kinder-Ich.

Der leitende Wissenschaftler Prof. Chris Brewin ist von der neuen Behandlungsmethode überzeugt und beschreibt sie als “sehr wirkungsvoll”. “Menschen, die mit Ängsten und Depressionen zu kämpfen haben, sind häufig übertrieben selbstkritisch wenn etwas in ihrem Leben falsch läuft”, sagt Brewin. “In dieser Studie geben sich die Menschen indirekt selbst Mitgefühl, indem sie zuerst das Kind trösten und dann den eigenen Trost empfangen. Das Ziel war es, den Menschen beizubringen, mehr Mitgefühl gegenüber sich selbst zu empfinden und weniger selbstkritisch zu sein.” Die Studie soll nun ausgeweitet und die Methode dabei verfeinert werden, um den klinischen Nutzen der Virtual-Reality-Behandlung zu bestätigen.

“Erzähl mir Craig, was magst du daran Puppenspieler zu sein?”

“Nun Maxine, ich weiß es nicht genau. Vielleicht ist es die Idee für eine kurze Zeit zu jemand anderem zu werden. In einer anderen Haut zu stecken – anders zu denken, sich anders zu bewegen, sich anders zu fühlen.” – Craig Schwartz, Being John Malkovich

| FEATURED IMAGE: ULC