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Virtual Reality: HypeVR filmt volumetrische 360-Videos – erste Demo

von Matthias Bastian3. Oktober 2016

Update vom 3. Oktober 2016:

Eigentlich wollten sich die Entwickler und Filmer bei HypeVR eine ausführliche Demo ihrer neuen Technologie für die kommende CES im Januar 2017 aufheben. Nun zieht Ted Schilowitz, Futurist im Auftrag des Medienunternehmens Fox, diese ein paar Tage nach vorne.

Bei YouTube zeigt er eine volumetrische Videoaufnahme, bei der er mit Googles Tango-Tablet die Perspektive in der Tiefe des Raumes frei verändern kann. Die Tango-Technologie beherrscht das 3D-Tracking dank spezieller Kamerasensoren, vorausgesetzt, dass das Videomaterial die dafür notwendigen Tiefeninformationen enthält.

Schilowitz ist davon überzeugt, dass volumetrisch gefilmten Videos – diese sind vollständig dreidimensional und somit begehbar – die Zukunft gehört. Aktuelle 2D 360-Videos sieht er als Vorstufe zu echten Virtual-Reality-Videos.

Würde ein ganzer Spielfilm mit dieser Technologie produziert, könnten sich die Zuschauer – wie auf einer Theaterbühne – frei in einer Szene bewegen. Derzeit gängige 360-Videos berücksichtigen nur die Rotation des Kopfes und keine Bewegungen in die Tiefe des Raumes. Der Bildausschnitt ist an den Standort der Kamera gebunden.

Gefilmt wurde die Aufnahme mit HypeVRs selbstgebautem Kamerasystem (Details siehe unten). Der Video-Loop läuft mit 60 Bildern pro Sekunde. Das Unternehmen beschreibt die Demo als “sehr frühe Version”.

Ursprünglicher Artikel vom 1. September 2016:

VR-Cineasten wollen 360-Videos qualitativ auf ein höheres Immersionslevel heben – das geht nur mit Raumtracking. Das Startup HypeVR zeigt ein episches Kamerarig für volumetrische VR-Videos, das das bewerkstelligen soll.

Im Gegensatz zu Lytros Lichtfeldaufnahmen versucht es HypeVR mit einem herkömmlichen Linsensystem. Insgesamt 14 Red-Dragon-Kameras filmen in jede Richtung mit 6K-Auflösung bei 90 Bildern pro Sekunde und sorgen so für die notwendige Überlappung, um einen 3D-Effekt zu erzeugen.

Alleine dadurch wird die Aufnahme allerdings noch nicht räumlich trackbar. Diesen Job übernimmt ein ebenfalls am Rig montierter Laser-Radar des Herstellers Velodyne (HDL-32E), der mit Lasern die Umgebung abtastet und Tiefeninformationen mit einer Reichweite von bis zu 100 Metern aus einer Szene in eine Punktewolke extrahieren kann. Die Punktewolke besteht aus bis zu 700.000 Punkten pro Sekunde.

Bringt man das 360-Video und die Tiefeninformationen zusammen, hat der VR-Brillenträger eine räumliche Bewegungsfreiheit auf sechs Achsen und klebt nicht mehr an der Perspektive der Linse, wie es bei herkömmlich gefilmten 360-Videos der Fall ist.

Erste aussagekräftige Demos auf der CES 2017

Das gesamte Rig dürfte gut und gerne eine halbe Million US-Dollar aufwärts kosten. Laut den Erfindern ist bereits eine günstigere und handlichere Version in Arbeit, die den gleichen, räumlichen Effekt erzielen kann. Aussagekräftige Demos wird es aber nicht vor nächstem Jahr geben. Der Firmengründer schreibt bei Reddit, dass HypeVR “noch viel zu tun hat” und die ersten Demos für die CES 2017 im kommenden Januar vorbereite. Unter anderem seien die Aufnahmen derzeit noch viele Terrabyte groß. Man arbeite bereits an einem Kompressionsverfahren, um die Dateien auf “hunderte Megabyte” zu reduzieren.

Eine kurze Demo via Facebook Live direkt aus dem Büro von HypeVR zeigt, wie sich ein VR-Brillenträger in einer gefilmten Szene räumlich bewegt. Allerdings ist die Qualität des Streams so gering, dass man in der Aufnahme kaum Details erkennen kann.

Während 360-Videos mit Tiefeninformationen im VR-Kontext unzweifelhaft ein wichtiger Schritt für die Weiterentwicklung des neuen Mediums sind, ist noch unklar, wie die Industrie an diesen Punkt gelangt. Der Ansatz von HypeVR setzt auf klassisch gefilmte Bilder mit beigemischten Tiefeninformationen. Der Kamerahersteller Lytro hingegen wettet auf Lichtfeldvideos, die mit einer völlig neuen Aufnahmetechnologie erstellt werden.

| Featured Image: HypeVR