Die Medizinbranche hofft, dass VR-Technologien zukünftig bestehende Diagnoseverfahren ergänzen und unterstützen. Die Fortbildung des Patienten ist dabei ein wichtiges Thema.

“Ich sehe jede Woche junge Patienten, die eine Narbe auf der Brust tragen und ich frage sie, welche OP sie hatten und sie haben keine Ahnung”, sagt der auf Herzerkrankungen spezialisierte Kinderarzt David Axelrod dem Boston Globe.

Virtual Reality soll das ändern und bei Patienten und Ärzten gleichermaßen für ein besseres Verständnis für komplexe Erkrankungen und Operationsverfahren sorgen. David Axelrod beteiligt sich mit der Stanford Universität und Facebooks VR-Tochter Oculus an der Entwicklung eines VR-Programms, das das 3D-Modell eines Herzens begehbar macht (Video am Ende des Artikels).

“Wenn man die Geometrie, die Anatomie und die Physiologie des Herzens nicht versteht, macht man Fehler”, glaubt Axelrod. Derzeit werden für die Darstellung vorgefertigte Modelle genutzt, die typische Krankheitsbilder visualisieren. 25 bis 30 solcher Modelle sollen in naher Zukunft in der Anwendung verfügbar sein. Das ist jedoch nur der erste Schritt.

Patienten könnten durch ihr eigenes Herz spazieren

Deutlich interessanter sind individualisierte 3D-Modelle des Herzens eines Patienten auf Basis bildgebender Verfahren. Solche Berechnungen könnten auch für andere Organe angewandt werden wie die Lunge oder das Gehirn.

Axelrod prognostiziert, dass das komplexe Verfahren innerhalb der kommenden fünf Jahre im klinischen Alltag ankommen könnte. “Ich kann dem Patienten dann sagen, das hier ist dein virtuelles Herz”, verspricht der Herzspezialist.

Sein Kollege Jamil Aboulhosn, Leiter eines Herzzentrums an der Universität Kalifornien, ist weniger euphorisch. Er warnt vor einer zu starken Vereinfachung und der Ambition, Dinge nur deshalb umsetzen zu wollen, weil sie “cool aussehen”. VR-Technologie habe den notwendigen Reifegrad und sei spannend, mache aber etablierte Diagnoseverfahren nicht obsolet.


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