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Virtual Reality: Ist die Zukunft der Fotografie virtuell?

von Tomislav Bezmalinovic8. Januar 2017

In einer weit entfernten Zukunft könnte die Virtual Reality für uns so selbstverständlich sein wie unsere jetzige Realität. Doch wie werden wir darin unsere Erlebnisse festhalten? Ein Startup glaubt, dass wir auch dann noch fotografieren – und entwickelte die erste Kamera speziell für die virtuelle Realität.

Die “D3-U” genannte Kamera besteht im Wesentlichen aus einer Haltevorrichtung, in die der Vive Tracker geschraubt wird und einem Stück Glas, das in der Virtual Reality zu einem Display wird wie man es von Digitalkameras kennt. Beim Design habe man sich von Science-Fiction inspirieren lassen, bei der transparente Flächen zum Fotografieren genutzt werden, sagt Billy Vinton, der gestalterische Leiter von Dotdotdash.

Das Gerät soll dem Anwender durch Gewicht und Haptik das Gefühl geben, eine reale Kamera in den Händen zu halten. Es hat einen Knopf und einen Analogstick auf der rechten oberen Seite. Der Knopf dient als Auslöser, der Analogstick zum Heranzoomen.

D3_U_Rendering

Auf diesem Renderbild sieht man, dass das Gerät über einen Auslöser und einen Analogstick zum Zoomen verfügt. BILD: Dotdotdash

Außerdem kann man mit dem Stick Filter aktivieren. Wozu dies dient, wird in einer von Dotdotdash eigens für das Zubehör entwickelten VR-Erfahrung namens “Exoplanet” deutlich.

Die versetzt den Anwender auf den 600 Lichtjahre entfernten, real existierenden Planeten Kepler-22b, auf der man eine rätselhafte Lebensform namens Arche mit der VR-Kamera untersuchen und fotografieren muss.

Hat man die Kamera auf das digitale Lebewesen gerichtet, kann man mit dem Analogstick verschiedene Filter aktivieren und auf diese Weise ein Röntgen- oder Wärmebild der Lebensform erhalten oder gar dessen subatomare Struktur einsehen.

Die Fotografie der Zukunft findet in virtuellen Welten statt

Das Gerät mag auf den ersten Blick nichts weiter als eine simple Spielerei sein, ein weiteres Stück VR-Zubehör, von dem wir auf der CES schon genug gesehen haben und das aller Wahrscheinlichkeit nach weder heute noch morgen auf den Markt kommen wird.

Ich finde die zugrundeliegende Idee dennoch neu und interessant, weil sie die Tradition der Fotografie als Alltagspraxis und Kunstform in der Virtual Reality weiterführt.

Vorausgesetzt, dass Virtual Reality ein wesentlicher Bestandteil unseres Lebens wird und vollkommen neue Erfahrungen möglich macht: Werden wir dann nicht genauso wie in der Realität festhalten wollen, was wir in virtuellen Welten sehen und erleben?

Aber wieso sollten wir das in Form von Fotos tun, zumal Ereignisse in der Virtual Reality vollständig gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt erneut wiedergegeben und erlebt werden können. Außerdem wird von der Virtual Reality behauptet, dass sie eine Erfahrung bietet, die den Bildrahmen sprengt. Weshalb sollten wir sie dann wieder in ein Bild zwängen wollen?

Nun, aus demselben, einfachen Grund, wegen dem wir in der bekannten Realität fotografieren: um die Aufmerksamkeit auf Details, Szenen und Momente zu lenken und um Kunstwerke zu schaffen.

Fotografien können Erinnerungen speichern, weil sie etwas Vergängliches wie eine Erfahrung in eine konkrete Information übersetzen. Sie werden gerade durch die Reduktion der Erfahrung auf einen Augenblick kraftvoll. Dasselbe gilt für das fotografische Kunstwerk, das als solches nur einen, aber dafür wesentlichen Ausschnitt von Zeit und Raum festhält.

Die Größe eines Fotos beruht auf dem, was es nicht zeigt. Daher wird die Fotografie als Kunstform in der Virtual Reality nicht überflüssig, im Gegenteil, die Möglichkeiten werden vielfältiger.

Die D3-U hat eine offizielle Internetseite, auf der man Interesse am Kauf der Kamera anmelden kann. Veröffentlichungsdatum und Preis sind nicht bekannt.

| Featured Image: Dotdotdash

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