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Virtual Reality: Kert Gartner zeigt Möglichkeiten virtueller Kinematografie

von Tomislav Bezmalinovic7. Dezember 2016

Kert Gartner, der unter anderem Mixed-Reality-Trailer für VR-Spiele produziert, hat eine neue Methode für das Drehen von VR-Videos entwickelt. Neu ist, dass die gefilmte Person komplett durch einen Avatar ersetzt wird. Damit tun sich neue Möglichkeiten auf, günstig CGI-Filme zu produzieren.

Im Grunde kann man  nur noch eingeschränkt von Mixed-Reality sprechen, da in den neuen Video nur noch die Bewegungen der realen Person zu sehen sind, nicht jedoch diese selbst. Laut Gartner mache diese Art der Aufzeichnung genau dann Sinn, wenn man ohnehin erwartet, dass die Person in der gezeigten Anwendung in Gestalt eines Avatars erscheint.

Gartner nennt als Beispiel die Social-VR-App Rec Room, die auf Avatare im Comic-Look setzt. Würde man hingegen eine Anwendung wie Google Earth VR vorführen wollen, wären klassische Mixed-Reality-Videos besser geeignet, da die App auf eine solche Abstraktion verzichtet: Man betritt Google Earth VR als man selbst, was im offiziellen Trailer auch so gezeigt wird.

Gartners Methode hat gegenüber dem Drehen klassischer Mixed-Reality-Videos mehrere Vorteile. Zum Beispiel kann man auf die Green-Screen-Technologie und aufwendige Nachbearbeitungen komplett verzichten. Außerdem fügt sich der Avatar visuell besser in die virtuelle Umgebung ein und kann aus größerer Entfernung aufgenommen werden, was bei Mixed-Reality-Videos nur sehr schwierig umzusetzen wäre.

Gartner hat mit der Methode einen neuen Trailer für Space Pirate Trainer produziert, in welchem Kamerafahrten zu sehen sind, die den Spieler aus der Entfernung zeigen. Hierfür kam eine virtuelle Kamera zum Einsatz, die entweder an einem Droiden befestigt oder per Xbox Controller selbst bewegt wurde.

Virtuelle Kinematografie wie bei Avatar

Gartner schreibt auf seinem Blog, dass James Cameron für seinen Avatar-Film auf eine ähnliche Methode zurückgegriffen habe und stellt begeistert fest, dass man mit seiner Methode ähnliche Filme für einen Bruchteil des Budgets im eigenen Keller produzieren könne. Laut Gartner braucht man hierzu lediglich HTC Vive, einen dritten Vive-Controller, der als In-Game-Kamera fungiert und das 3D-Modell eines Avatars, sofern die Anwendung dieses nicht bereits enthält.

Gartner zufolge gab es beim Drehen aber auch Probleme. Weil derzeit nur die Bewegungen des Kopfes und der Hände getrackt und in die virtuelle Realität übertragen werden, machten die Beinbewegungen des Avatars einen etwas hölzernen Eindruck.

Gartner glaubt, dass dies langfristig kein Problem darstellen sollte, zumal man früher oder später Zugriff auf einen Ganzkörperanzug für das Lighthouse-Trackingsystem haben werde, der über Sensoren an Füssen und Knien verfügt. Für den Trailer löste Gartner das Problem damit, dass er den unteren Teil des Körpers nicht aus der Nähe zeigte.

Im Grunde verbindet Gartner mit seiner neuen Methode Live-Motion-Capturing und Machinima. Machinima sind Filme, die auf der Basis einer Game-Engine gedreht werden. Damit tun sich neue Möglichkeiten auf, günstig CGI-Filme zu produzieren. Mehr Informationen zu der von Gartner entwickelten Methode sind in seinem Blogeintrag zu finden.

Gartner hat in der Vergangenheit klassische Mixed-Reality-Trailer für Spiele wie Fantastic Contraption und Job Simulator produziert. Die beiden Trailer, die mit der neuen Methode hergestellt wurden, sind unten zu finden. Sie wurden für den Launch von Oculus Touch produziert.

| Featured Image: Kert Gartner / I-Illusions

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