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Virtual Reality: Klassenausflug auf den Mars – im Schulbus

von Carolin Albrand2. Mai 2016

So einen Schulausflug hat garantiert noch niemand von uns erlebt. Der Rüstungs- und Techkonzern Lockheed Martin nutzt immersive Medien, um US-Schüler auf eine Busfahrt zum Mars zu schicken.

Während es für viele von uns schon ein Ereignis war, in der Grundschule mal die Jugendherberge im Nachbarort zu stürmen und länger als 22 Uhr aufzubleiben, reisen erste Schüler jetzt schon zum Mars. Rein virtuell versteht sich, die Reifen des Schulbusses verlassen den Planeten Erde natürlich nicht.

Um diesen Effekt zu erzielen, bauten die Ingenieure von Lockheed Martin einen einfachen Schulbus zu einer Art fahrbarer VR-Brille um. Von außen wirkt das Gefährt ganz gewöhnlich und fügt sich unauffällig in den Straßenverkehr ein. Sitzt man allerdings im Bus, ist gar nichts mehr gewöhnlich. Denn wenn man durch die Fenster nach draußen schaut, sieht man nicht etwa die reale Umgebung, sondern die Marsoberfläche.

Die 200.000 Quadratmeilen Marsoberfläche, die der Bus theoretisch durchkreuzen könnte, wurden originalgetreu mit einer Spieleengine gerendert. Den speziellen Bus bezeichnet Lockheed Martin als “erstes Virtual-Reality-Vehikel”. Das Unternehmen investiert unter anderem in die Raumfahrt, hat also ein Interesse daran, die nachfolgende Generation für einen eventuellen Ausflug auf den Mars zu begeistern.

Die Busfenster wurden mit Displays ausgetauscht und große Recheneinheiten verbaut, um die realen Bewegungen des Busses mit dem virtuellen Erlebnis zu synchronisieren. Über Sensoren tauscht der Bus Bewegungsdaten mit der 3D-Anwendung aus, das funktioniert so ähnlich wie das Headtracking bei VR-Brillen. Nur statt dem Kopf eines Menschen bewegt sich eben ein Bus. Fährt der Bus also in der Realität um eine Ecke, drehen die Schulkinder auch auf dem Mars gefühlt eine Kurve. Auf die Art verbindet das VR-Erlebnis visuelle Wahrnehmung und physisches Empfinden und sorgt so für maximale Immersion. Eine ganze Gruppe kann so gemeinsam eine Virtual-Reality-Erfahrung erleben, ohne dass dafür nur eine Person eine VR-Brille aufsetzen muss. “Es hat sich echt angefühlt”, sagt eines der Schulkinder nach dem VR-Trip.

Genau das ist das Ziel dieser Virtual-Reality-Lernprojekte, denn das Gefühl der Präsenz, also tatsächlich an einem anderen Ort zu sein, soll dabei helfen, dass die virtuelle Lernerfahrung besser im Gedächtnis haften bleibt. Situationen und Inhalte erinnert man für gewöhnlich besser, wenn man sie selbst erlebt, statt nur davon erzählt zu bekommen – das soll ebenso für virtuelle Erlebnisse gelten. Unter anderem setzt auch Google mit dem Expeditions-Programm auf Schulausflüge mittels Virtual Reality.

| Featured Image: Lockheed Martin | Source: Lockheed Martin