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Virtual Reality kommt ab Herbst in deutsche Klassenzimmer

von Matthias Bastian4. September 2016

Neben dem Entertainment soll Virtual Reality auch das Lernen verändern. Samsung kooperiert mit dem Cornelsen Verlag und bringt die virtuelle Realität ins deutsche Klassenzimmer.

Im virtuellen Raum werden Schüler mit Samsung Gear VR auf den Mond transportiert oder reisen in das Innere des menschlichen Körpers. “Virtual Reality macht – wie kein anderes Medium – abstrakte Unterrichtsthemen erlebbar und nachvollziehbar”, heißt es in der Beschreibung des Programms. Das Ziel sei es, komplexe Lerninhalte besser zu veranschaulichen. Als Beispiel nennt Samsung die Visualisierung von Kohlenhydraten und deren biochemischer Verwertung im menschlichen Körper.

An den Inhalten mangelt es offenbar noch. Daher suchen Samsung und der Cornelsen Verlag nach virtuellen Lernangeboten, die “methodisch-didaktisch fundiert sind” und in die Lehrpläne passen. Erste Konzepte wurden im Rahmen des “VR-Eduthon” entwickelt, bei dem “medienaffine Lehrkräfte, E-Didaktiker/innen, Produktmanager/innen und Virtual-Reality-Expert/innen” gemeinsam an App-Ideen für naturwissenschaftliche Fächer wie Biologie, Physik und Chemie arbeiteten. Dabei herausgekommen ist die zuvor angesprochene Idee, ein Kohlenhydrat möglichst anschaulich in der Virtual Reality zu zerlegen.

Google und Samsung sehen die virtuelle Realität im Klassenzimmer

Allein bei dem Konzept soll es nicht bleiben. Die Idee wird nun in eine VR-App gegossen und ab Herbst im Biologieunterricht im Klassenzimmer ausprobiert. In den Klassenstufen sieben bis neun wird die VR-Anwendung über mehrere Wochen einem Praxistest unterzogen und der Lernerfolg geprüft. Offenbar hat Samsung ein Programm ähnlich Googles Expeditions entwickelt, bei dem die Lehrkraft via Tablet die Inhalte in den VR-Brillen der Schüler synchronisieren und fernsteuern kann. Für die Evaluation des Lernfortschritts ist der Cornelsen Verlag verantwortlich. Erweist sich das Konzept als Erfolg, soll der bestehende Prototyp auf andere Fächer und Lerninhalte übertragen werden.

Eine Reihe von Entwicklern versuchen, Anwendungen für das erfahrungsbasierte Lernen in der virtuellen Realität zu nutzen. Die virtuelle “Reise ins Ich” ist dabei besonders beliebt. In “The Body VR” für Oculus Rift schwimmt man in einer Zelle durch den Blutkreislauf und lernt wichtige Körperfunktionen kennen.

Wissenschaftler der New South Wales Universität in Sydney schufen eine exakte virtuelle Rekonstruktion einer Brustkrebszelle, die mit HTC Vive begehbar wird (siehe Video). Die Idee hinter der Simulation ist es, dass Chemiker und Zellbiologen solche Vorgänge zukünftig durch Virtual-Reality-Brillen begutachten, um ein besseres Gefühl für die eigentlich winzigen Umgebungen zu entwickeln, die sie sonst nur durch ein Mikroskop sehen.

| Featured Image: Samsung