0

Virtual Reality: Life VR ist eine neue App für VR-Journalismus

von Tomislav Bezmalinovic21. September 2016

Das US-amerikanische Medienunternehmen Time Inc. hat eine App namens “Life VR” veröffentlicht. Auf der VR-Plattform werden kostenlos hochwertige 360-Grad-Videos zu angeboten. Diese werden von Partnern des Medienhauses produziert und erscheinen im Rahmen ihres Zeitschriftenportfolios, das Magazine wie TIME, People, Sports Illustrated und InStyle umfasst.

Zurzeit lassen sich drei VR-Erlebnisse herunterladen und betrachten. In “Defying the Nazis”, einem Spin-Off der gleichnamigen Dokumentation von Ken Burns, verlässt man an der Seite anderer Flüchtlinge das von den Nationalsozialisten besetzte Frankreich und segelt mit einem Schiff Richtung Amerika. “Lumen” bietet eine meditative Erfahrung zum Entspannen. In “Fast Ride” schließlich fährt man in einem Mazda 787, einem der schnellsten Rennwagen der Welt. Die Videos werden von Partnern wie Wevr, VR Playhouse und Framestore produziert.

Diese und kommende Videos sind für Google Cardboard konzipiert und derzeit für iOS und Android erhältlich. Dennoch sollen demnächst ausgewählte Inhalte auch für HTC Vive, Oculus Rift und Samsung Gear VR in den jeweiligen Stores veröffentlicht werden. Die Idee, VR für Journalismus fruchtbar zu machen, ist übrigens nicht neu. Vorbild für die Aktion ist die New York Times, die mit ihrer hauseigenen VR-App großen Erfolg hat.

Das einst renommierte Fotomagazin wagt den Schritt in die virtuelle Realität

Life war eines der renommiertesten Magazine für Fotojournalismus, das in seiner über hundertjährigen Geschichte viele Veränderungen durchlaufen hat. Den größten Einschnitt erlebte es 1936, als der Verleger Henry Luce die Namensrechte erwarb und das Magazin neu herausgab. Mit seinem Konzept eines “Schaubuchs der Welt” hatte Luce durchschlagenden Erfolg: Es erschien bis 1972 wöchentlich und prägte mit ikonischen Fotografien maßgeblich das Bild des 20. Jahrhunderts.

Luce hatte das Konzept für sein Magazin vor 80 Jahren entworfen, an Aktualität hat es indes nicht eingebüßt. Seine Absichtserklärung aus dem Jahre 1936 könnte ebensogut heute und für Virtual Reality geschrieben sein. Es verwundert deshalb nicht, dass Life innerhalb des neuen Mediums nun eine weitere Neuauflage erlebt. Nachfolgend ein Ausschnitt:

„Das Leben sehen, die Welt sehen, Augenzeuge großer Ereignisse sein, die Gesichter der Armen und das Gehabe der Stolzen erblicken – Maschinen, Armeen, Menschenmassen, Schatten im Dschungel und auf der Mondoberfläche; die Werke des Menschen sehen, seine Gemälde, Bauwerke; Dinge wahrnehmen, die Tausende von Kilometern entfernt sind, hinter Mauern, in Innenräumen, an die heranzukommen gefährlich ist; Frauen, die Männer lieben, und Scharen von Kindern; sehen und am Sehen Freude haben; sehen und staunen; sehen und belehrt werden.“ Quelle der Übersetzung: Wikipedia

Das klassische Fotomagazin wurde 2000 eingestellt. Die Ausgaben, die zwischen 1936 und 1972 erschienen sind, können seit 2008 bei Google Books eingesehen werden, auf das Photoarchiv direkt zugreifen kann man hier.

| Featured Image: Time Inc.