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Virtual Reality: Lytro zeigt erste Demo eines Lichtfeldvideos

von VRODO30. August 2016

Anfang November 2015 tauchte der Kamerahersteller Lytro mit der Virtual-Reality-Kamera “Immerge” aus der Versenkung auf. Diese ließ VR-Filmemachern den Atem stocken – und nicht nur denen.

Denn Lytros “Immerge” filmt mit sogenannter Lichtfeldtechnologie. Im Unterschied zu 2D- oder 3D-Videos, die mit herkömmlichen Linsen aufgezeichnet werden, sollen mit Immerge gedrehte Videos volumetrisch, also theoretisch begehbar sein. Die Videos sollen eine maximale Auflösung von bis zu 8K pro Auge erreichen.

Dafür fängt die Spezialkamera das Licht einer Szene inklusive Bewegungsinformation vollständig ein und übersetzt es in Daten. Basierend auf diesen Daten kann dann eine Szene virtuell wiederhergestellt werden. Bei den Aufnahmen fällt auch der aufwendige Stitching-Prozess samt hässlichen Artefakten weg, wie man ihn von herkömmlichen 360-Produktionen kennt.

Der VR-Brillenträger sieht die 360-Umgebung in einer Lichtfeldaufnahme nicht mehr nur aus der Perspektive der Kameralinse, sondern kann sein Sichtfeld räumlich innerhalb des Kameravolumens – bei Immerge ist das zur Zeit circa ein Meter – auf allen Achsen in Echtzeit verschieben. Der stereoskopische 3D-Effekt soll dabei unabhängig von der Kopfposition immer intakt bleiben. Einer der größten Kritikpunkte an 360-Videos – nämlich das fehlende Raumtracking – wäre damit beseitigt.

Lytro: “Ein großer Tag für VR”

Allerdings wurde es nach dem ersten Hype im vergangenen Jahr sehr still um Lytro und Immerge. So still, dass man fast meinen konnte, Lytro habe sich verzockt und die Technologie sei ein Luftschloss. Jetzt meldet sich das Unternehmen allerdings mit einer Demo zurück, die das zeigt, was zuvor versprochen wurde. Mit Oculus Rift kann man sich in eine gefilmte Szene hineinlehnen und die Perspektive dreidimensional im Raum verschieben.

Als “historischen Moment” für die VR-Industrie bezeichnet Lytro die neue Demo im eigenen Blog und begründet das wie folgt: Bisherige VR-Erfahrungen auf Renderbasis würden geringen Realismus, dafür aber eine hohe Immersion bieten. 360-Videos hingegen seien zwar sehr realistisch, würden aber aufgrund des eingeschränkten Trackings nur eine geringe Immersion zulassen.

Die neue Moon-Demo zeige, dass beides gleichzeitig möglich sei: Hohe Immersion und sechs Freiheitsgrade. Außerdem mischt Lytro bei der kurzen Demo reale Szenerie mit CGI. Das Filmset im Rücken des VR-Brillenträgers ist Realfilm, der Astronaut samt Umgebung wurde am Computer erstellt.

Lytros Chef-Ingenieur Tim Milliron schreibt im Blog, dass die Moon-Demo bereits mehrere Monate alt sei und seitdem deutliche Fortschritte erzielt wurden. Man würde sich kompromisslos auf die langfristige Vision konzentrieren und könne es nicht erwarten, gemeinsam mit Inhalteerstellern das “wahre Versprechen von VR” einzulösen.

Milliron räumt allerdings auch ein, dass die Technologie – so wie die gesamte VR-Branche – noch in den Kinderschuhen steckt. Ein Problem dürften die gigantischen Datenmengen sein, die bei der Produktion der Lichtfeldaufnahmen anfallen. Der kurze Moon-Clip soll bei einer Laufzeit von 30 Sekunden bereits über 50 Gigabyte groß sein und einen leistungsfähigen Rechner brauchen, damit er flüssig mit 90 Bildern pro Sekunde wiedergegeben werden kann. Bis zum Jahresende möchte Lytro mittels Kompressionsverfahren die Dateigröße des Clips auf fünf Gigabyte reduzieren.

Auf der offiziellen Webseite kann man sich für die Verwendung des Prototypen bewerben.

| Source: Lytro Blog | Featured Image: Lytro | Via: Upload VR