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Virtual Reality: Migränesimulator für Oculus Rift und Co.

von Matthias Bastian12. April 2016

Die Empathiemaschine schlägt wieder zu. Diesmal sollen Menschen Migräne virtuell erleben, um mehr Verständnis für Betroffene aufzubringen. Gewollte Motion Sickness, sozusagen.

“Wie, Du kommst wegen Kopfschmerzen nicht nur Arbeit?” – der ein oder andere Migränepatient dürfte diesen Satz vielleicht kennen. Oder befürchtet ihn zu hören und taucht daher mit starken Schmerzen am Arbeitsplatz auf. Rund zehn Prozent der deutschen Bevölkerung leiden regelmäßig unter Migräne, darunter viele Frauen. Trotz starker Schmerzen, Übelkeit und zum Teil sogar Störungen der Wahrnehmung und Motorik, wird die Krankheit dabei von Außenstehenden häufig als “harmlos” eingestuft. Der Grund: Sie kennen den Unterschied zwischen einfachen Kopfschmerzen und ernsthafter Migräne nur vom Hörensagen.

Der Migränesimulator von Excedrin, einem Hersteller von Schmerztabletten für Migränepatienten, soll das in Zukunft ändern. In Virtual Reality sollen Nichtbetroffene den Unterschied zwischen einfachen Kopfschmerzen und Migräne am eigenen Leib erfahren. Oculus Rift ist mit einem Rechner verbunden, den die Probanden in einem Rucksack mit sich tragen, da sie versuchen sollen, trotz Migräne normalen Alltagstätigkeiten nachzugehen. Über zwei externe Kameras an der Vorderseite der Rift-Brille wird das Bild der Außenwelt in die VR-Brille gestreamt und mit Effekten angereichert, die die Migräne simulieren. Weiße Punkte tauchen im Bild auf, die Umgebung verschwimmt vor den Augen, grelles Licht blendet, Text wird unleserlich und sogar geradeaus laufen fällt schwer.

Zum Launch des Migränesimulators konnten Migränepatienten gezielt Mitmenschen auswählen, die die Simulation durchlaufen sollten. Da Migräne immer individuelle Symptome hat, passten die Entwickler die virtuelle Migräne jeweils so an, dass die Probanden unter der VR-Brille die Krankheit auf die gleiche Art wie die Patienten selbst erfuhren. Laut Excedrin fielen die Reaktionen sehr emotional aus, von “Ich kann nicht glauben, dass du sowas erleben musst” bis zu “Ich zweifle nie wieder an dir”.

Eine Redakteurin von NY Daily News hatte die Gelegenheit, die Simulation zu testen und schreibt: “Einfach nur in einem Stuhl zu sitzen war fast nicht zu ertragen. Ich konnte keine Nachricht schreiben oder durch meinen Newsfeed scrollen. Ich saß völlig hilflos herum und konnte nicht mal einen Anruf machen. […] Die VR-Erfahrung ist ein echter Augenöffner. Sie erlaubt allen Nichtbetroffenen, ein paar desorientierte Schritte in den Schuhen von Betroffenen zu laufen.” Und das, obwohl die App nur visuelle und motorische Einschränkungen simuliert – die Schmerzen können und sollen natürlich nicht nachgestellt werden.

Beim nächsten “Stell dich nicht so an” der Kollegen, des Vorgesetzten oder des Lebenspartners sollten Migränepatienten eine Cardboard-Brille in der Nähe haben, denn im Laufe des Mai soll “The Migraine Experience” auch als Smartphone-App erscheinen. Mehr Videos zur Oculus-Rift-Simulation gibt es im YouTube-Kanal von Excedrin.

| Featured Image: Excedrin (Screenshot bei YouTube) | Source: Excedrin | Via: NY Daily News