0

Virtual Reality: Neue Multi-User-Apps für HTC Vive

von Matthias Bastian15. Januar 2016

Hersteller, Marktbeobachter und viele VR-Enthusiasten sind sich einig: Damit Virtual Reality zum Erfolg wird, braucht es nicht allein immersive Spiele und Filme, sondern auch produktive und soziale Anwendungen, die Menschen gemeinsam nutzen können. Zwei neue Prototypen für HTC Vive zeigen vielversprechende Ansätze.

Im ersten Beispiel demonstrieren zwei Entwickler der Codeloaf Studios eine Ausgrabungsstätte, die mittels Scanverfahren mit Drohnen und Fotoaufnahmen komplett in 3D digitalisiert wurde. Da die Ausgrabungsstätte nicht einfach nur in 360-Grad gefilmt, sondern mit Photogrammetrie sorgfältig rekonstruiert wurde, ist die Ausgrabungsstätte vollständig begehbar. Umgebungsvariablen wie Tageszeit und Beleuchtung sind ebenfalls variabel.

In Virtual Reality wird die digitale Rekonstruktion der Ausgrabungsstätte im Augmented-Reality-Stil auf einen virtuellen Tisch projiziert. Mit der VR-Brille HTC Vive können sich die Entwickler als Avatare frei um den Tisch bewegen und die Ausgrabungsstätte aus allen Winkeln und Distanzen betrachten. Damit nicht genug: Auf Knopfdruck können sie ihr virtuelles Alter Ego verkleinern, so dass sie die Ausgrabungsstätte direkt begehen können – und das mit zwei Personen gleichzeitig.

Die Entwickler wollen das Konzept weiterentwickeln, um sich auf Kunden aus der Industrie zu konzentrieren und beispielsweise Trainings mit der neuen Technologie umzusetzen. Auch wenn es sich nur um einen Prototypen handelt, Potenzial für Arbeit, Spiele und völlig neue VR-Erfahrungen scheint reichlich vorhanden.

Kistenstapeln in Virtual Reality

Ein zweiter Multi-User-Prototyp zeigt, wie zwei Menschen im virtuellen Raum auch physisch zusammenarbeiten und interagieren können. “Ich bin fest davon überzeugt, dass die Virtual-Reality-Revolution soziale Elemente braucht, damit sie wirklich erfolgreich sein kann”, sagt Entwickler Jasper Brekelmans.

Er und sein Kollege Jeroen de Mooij verwenden für das Multi-User-Experiment keine digitalisierte, reale Umgebung, sondern nutzen ausschließlich einen fiktiven, rein virtuellen Raum. Damit die beiden Entwickler sich gegenseitig sehen können, wird zusätzlich eine Kinect-Kamera eingesetzt, die die beiden Körper erfassen und dank 3D-Tiefenmessung korrekt im Raum platzieren kann. Programmiert wurde die Anwendung in nur wenigen Tagen.

In der Demo stapeln die Entwickler gemeinsam virtuelle Kisten, die sie sich auch gegenseitig anreichen können. Natürlich könnte man in der virtuellen Umgebung auch einfach nur gemeinsam entspannen, sich unterhalten oder Zeit miteinander verbringen, um daraus eine soziale Erfahrung zu machen, die auch über eine große Distanz hinweg noch persönlich und glaubhaft ist. Denn die beiden Entwickler sind in der Demo zwar physisch im gleichen Raum, aber die VR-Kollaboration soll prinzipiell auch über das Internet funktionieren.

Auch Oculus Rift kann Multi-User-VR

Natürlich funktionieren Multi-User-Ansätze nicht nur mit HTC Vive, allerdings sind hier die potenziellen Anwendungsfelder dank ausgefeiltem Trackingsystem und 3D-Controllern deutlich größer als beim Wettbewerb. Oculus VR demonstrierte schon mehrfach die Multi-User-App “Toybox” für Oculus Rift, die mit zwei VR-Brillen gleichzeitig genutzt werden kann. Toybox funktioniert im Zusammenspiel mit den Bewegungscontrollern Oculus Touch und gehört laut vielen Testern zu den bisher eindrucksvollsten VR-Erfahrungen überhaupt.

Da die Touch-Controller samt einer zweiten Trackingkamera aber erst in der zweiten Jahreshälfte 2016 erscheinen sollen, überlässt Oculus VR das Feld der vollständig immersiven VR-Anwendungen vorerst HTC Vive. Oculus-Chef Palmer Luckey äußerte in der Vergangenheit wiederholt, dass Oculus Rift zwar ebenfalls die Bewegungserkennung im ganzen Raum beherrsche, er aber vom Konzept noch nicht überzeugt sei. Für Oculus Rift werden daher in erster Linie Spielekonzepte umgesetzt, bei denen der Spieler sitzt oder steht.

| FEATURED IMAGE: Jasper Brekelmans (Screenshot bei YouTube)