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Virtual Reality: Neue Rendermethode soll gegen Übelkeit helfen

von Matthias Bastian18. Juni 2016

Eigentlich wollen VR-Enthusiasten gerne VR-Brillen mit einem möglichst weiten Sichtfeld. Doch zwei Ingenieure der Columbia Universität wollen das nun einschränken – der Gesundheit zuliebe.

Die Einschränkung soll allerdings nicht grundlegend gelten, sondern nur bei Bewegungen. Der Ansatz der Wissenschaftler: Umso schneller die Bewegung, desto stärker wird das periphere Sichtfeld begrenzt. Dieser Tunnelblick soll Motion Sickness signifikant reduzieren können, ohne dass man die Einschränkung des Sichtfelds wahrnimmt. Ein Algorithmus soll automatisch ermitteln, zu welchem Zeitpunkt und wie stark das Sichtfeld eingeschränkt werden muss, damit die Bewegungsübelkeit verhindert und das Präsenzgefühl nicht gestört wird. Das System arbeitet komplett dynamisch.

Eine erste Studie, die mit insgesamt 30 Probanden über zwei Tage hinweg durchgeführt wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass die Teilnehmer mit FOV-Restriktion sich insgesamt wohler fühlten und länger in der virtuellen Umgebung verblieben. Die Einschränkung des Sichtfelds wurde dabei von den meisten Studienteilnehmern gar nicht erst bemerkt. Die Probanden, die die schwarze Umrandung bewusst wahrnehmen konnten, gaben dennoch an, dass sie das Feature gerne in zukünftigen VR-Anwendungen integriert sehen möchten.

“2016 ist das Jahr von VR und bis 2020 sollen 200 Millionen VR-Brillen verkauft werden”, sagt Steve Feiner, Informatikprofessor an der Columbia Universität. “Aber VR-Übelkeit, die der Motion Sickness ähnelt, ist für viele Nutzer noch eine Barriere bei der Nutzung der immersiven Technologie. Menschen, die unter VR-Übelkeit leiden, hören dann auf die Brille zu nutzen, da sie sich unwohl fühlen. […] Virtual Reality hat das Potenzial zu verändern, wie wir mit anderen Menschen, Maschinen und Informationen umgehen. Es ist wichtig, dass die Erfahrungen komfortabel und ansprechend sind und wir glauben, dass wir einen Weg gefunden haben.” Die Wissenschaftler haben ein Patent auf die Rendertechnologie angemeldet.

Ubisoft setzt bereits auf den virtuellen Tunnelblick

Dabei wird das Prinzip sogar schon in der Praxis angewandt und zwar in Ubisofts kommender VR-Alderflugsimulation Eagle Flight.  Flugmanöver des Adlers, der aus der Ego-Perspektive gelenkt wird, steuert der Spieler nicht über ein Gamepad, sondern indem er den Kopf nach links oder rechts zur Schulter neigt. Je intensiver die Bewegung in der virtuellen Realität wird, desto schmaler wird dabei das Sichtfeld in der VR-Brille. Eagle Flight simuliert also eine Art Tunnelblick. Den kennt unser Gehirn schon aus der Realität, beispielsweise wenn wir uns auf einem Fahrrad oder im Auto mit relativ hohen Geschwindigkeiten fortbewegen.

Diese Annäherung an ein realistisches Sehgefühl soll der Motion Sickness zumindest vorbeugen. Offenbar scheint das schon recht gut zu klappen: “Diese Methode ist extrem effektiv. Applaus an das Team von Ubisoft”, schreibt Oculus-Content-Chef Jason Rubin bei Twitter.

| Source: Columbia Engineering | Featured Image: Columbia Engineering (Screenshot bei YouTube)