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Virtual Reality: Neue Spielszenarien dank Full Body Tracking

von Tomislav Bezmalinovic20. März 2017

Das Cloudgate Studio arbeitet seit Anfang des Jahres an einer Software, das mit Hilfe mehrerer Vive Tracker den gesamten Körper erfasst und in die Virtual Reality überträgt. Die Techjournalisten der Youtube-Show Tested haben das System ausprobiert und diskutieren dessen Vorzüge in einem neuen Video.

Anfang des Jahres stellte HTC den Vive Tracker vor. Die an einen Eishockeypuck erinnernde Trackingeinheit wird an Zubehör geschraubt, sodass dieses vom Lighthouse-Trackingsystem erfasst und in die Virtual Reality übertragen wird. Auf der CES im Januar sah man ein Maschinengewehrreplikat, einen Baseballschläger und einen Feuerwehrschlauch als erste Beispiele für Zubehör, das für die Trackingeinheit entworfen wurde.

Cloudgate Studio schwebt indes ein anderes Anwendungsszenario vor: Anstatt den Vive Tracker an Zubehör zu schrauben, werden gleich drei Trackingeinheiten am VR-Nutzer befestigt. Mit einer selbst entwickelten Metallklammer werden diese an den Füßen und am Gürtel angebracht, so dass der untere Teil des Körpers ebenfalls erfasst wird.

Eine von Cloudgate entwickelte Software berechnet die Bewegungen des gesamten Körpers mit Hilfe von Inversivkinematik. Hierbei wird der passende Winkel der Gelenke anhand von Posen hergeleitet. Hält man beispielsweise die Hand in einer bestimmten Position, ergibt sich daraus automatisch eine anatomisch plausible Stellung des Hand-, Ellenbogen- und Schultergelenks.

Welchen Mehrwert bietet die Ganzkörpererfassung?

Was fügt die vollständige Körpererfassung der VR-Erfahrung hinzu? Steve Bowler von Cloudgate sagt im neuen Tested-Video, dass die Präsenz des eigenen Körpers in der Virtual Reality ganz neue Spielszenarien ermöglichen könnte. Die Zeiten, in denen man wie ein Geist durch die virtuelle Welt schwebt, würden damit der Vergangenheit angehören.

Man stelle sich etwa ein VR-Spiel vor, in dem man schleichen muss. Da der vollständige Körper und nicht mehr nur Kopf und Hände erfasst werden, wird man aufpassen müssen, dass man nicht auf kleine Objekte tritt oder eine Vase umschmeißt, wenn man sich umdreht.

Um ihr System vorzuführen, haben die Entwickler von Cloudgate eine Demo namens “Island 359” entwickelt. Im Tested-Video sind einige Ausschnitte zu sehen. Die Demo beginnt mit einer Szene, in der man mit seinem Avatar vor einem Spiegel steht und so die Ganzkörpererfassung in Aktion sehen kann. Danach erkundet man die besagte Insel und trifft dabei auf Dinosaurier, gegen die man sich dank der zusätzlichen Trackingeinheiten mit Fußtritten wehren kann.

Man braucht nicht zwingend drei Vive Tracker

Norman Chan und Jeremy Williams von Tested finden, dass es bessere Anwendungsszenarien geben könnte: etwa eine Fußballsimulation oder ein Abenteuerspiel im Stile von Indiana Jones, in dem man einen Tempel voller Fallen durchqueren und dabei aufpassen muss, wo man hintritt. Das System könnte auch als eine preisgünstige Alternative zu teuren Motion-Capturing-System eingesetzt werden, doch Bowler sagt, dass sich sein Studio vorerst auf Anwendungsszenarien im Bereich Virtual Reality beschränken will.

Die Vive Tracker erscheinen im zweiten Quartal 2017 und kostet 120 Euro. Da sich voraussichtlich nur wenige Nutzer mehrere Tracker kaufen werden, hat Cloudgates seine Software flexibel gestaltet: Wenn man nur einen Tracker besitzt, befestigt man diesen am Rücken befestigt, besitzt man zwei Tracker werden diese an den Füßen angebracht. Das präziseste Tracking bieten natürlich drei Tracker. Cloudgate will die Software und die Klammern rechtzeitig zum Marktstart des Vive Trackers herausbringen.

Laut Upload VR soll HTC mittlerweile ebenfalls an einer Software für Ganzkörpererfassung mittels Vive Tracker arbeiten. Das taiwanesische Unternehmen will diese demnächst Entwicklern kostenlos zur Verfügung stellen.

| Featured Image: Tested (Youtube-Screenshot)

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