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Virtual Reality: “Notes to my Father” erzählt vom Leid indischer Frauen

von Tomislav Bezmalinovic14. April 2017

Der 360-Grad-Film “Notes to my Father” erzählt die wahre Geschichte einer Vater-Tochter-Beziehung, die von traumatischen Ereignissen überschattet ist. Zudem zeigt er die Not indischer Mädchen und Frauen, die von Menschenhändlern entführt und zur Prostitution gezwungen werden.

Ramadevi wuchs auf dem Land in einem Dorf im Süden Indiens auf. Kurze Zeit nachdem sie von ihrem Vater mit einem unbekannten Mann verheiratet wird, nimmt ihr Leben eine unheilvolle Wendung.

Der Ehemann verkauft das Mädchen an Menschenhändler, die sie zwingen, in einem städtischen Bordell zu arbeiten. Der Vater erfährt, was geschehen ist und sucht die Tochter, aber ohne Erfolg. Jahre später kehrt Ramadevi ins Dorf zurück, doch ihr Vater und sie finden keine Möglichkeit, über das Geschehene zu sprechen.

“Was mich am meisten an Ramadevi und der Beziehung zu ihrem Vater interessierte, war der Umstand, dass sie, trotz ihrer gegenseitigen Liebe, nie über das gesprochen haben, was Ramadevi erleben musste. Dies war der Elefant im Raum, das Gefühl, dass wir mit den Menschen, die wir am meisten lieben, nicht über die Dinge sprechen können, die uns weh tun”, sagt Regisseurin Jayisha Patel gegenüber VRScout.

Ein Kontrast zwischen der äußeren und inneren Realität

Patel führte für den Film Gespräche mit Ramadevi. Den Aufzeichnungen dieser Gespräche entnahm sie den Text, der im Film von Sneha Jawale gesprochen wird, da Ramadevi kein English beherrscht.

Sneha Jawale wurde von ihrem Mann jahrelang missbraucht und schließlich mit Säure übergossen, um sie zu entstellen. Die Regisseurin des Films ließ Ramadevis Worte von Jawale sprechen, weil sie wollte, dass sie von jemandem gelesen werden, die deren Leid nachvollziehen kann.

Der knapp zehnminütige Film wurde mit einer hochauflösenden Kamera und in 3D aufgenommen und kontrastiert hinreißende Landschaftsbilder und idyllische Dorfszenen mit den schmuddeligen Hintergassen eines städtischen Rotlichtviertels.

“Ich wollte nicht, dass die Stimme im Off beschreibt oder erzählt, was der Zuschauer sieht”, sagt die Regisseurin. “Meine Absicht war stattdessen, die wunderschönen Landschaften der unsichtbaren, dunklen Realität ihres inneren Lebens gegenüberzustellen, um den Zuschauer herauszufordern.”

Die männliche Bedrohung spürbar gemacht

Die eindrucksvollste Szene wurde in einem vollen Zugabteil gedreht. Als Zuschauer fühlt man sich von den Männern, die einen von allen Seiten umgeben und stumm anstarren, bedroht und bekommt so eine Vorstellung davon, wie Ramadevi sich gefühlt haben muss.

Der jahrelange Missbrauch hat ihr gutes Wesen dennoch nicht aufgezehrt. Zum Schluss hört man sie sagen: “Lieber Vater, ich hasse weder dich, noch andere Männer. Ich weiß, dass es überall gute und schlechte Menschen gibt.”

Notes to my Father ist Teil von Oculus’ Initiative VR for Good. Das Programm wurde letzten Oktober auf der Oculus Connect vorgestellt und soll zehn aufstrebende Filmemacher mit wohltätigen Organisationen zusammenbringen, um gemeinnützige 360-Grad-Filme zu produzieren.

Jayisha Patel arbeitete für ihren Film mit der My Choices Foundation zusammen, die sich gegen häusliche Gewalt und Menschenhandel mit Mädchen und Frauen einsetzt. Notes to my Father feierte im März auf dem Film Festival der SXSW Premiere und wird im Laufe dieses Monats in Oculus’ hauseigener Video-App veröffentlicht.

| Featured Image: My Choices Foundation / Oculus

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