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Virtual-Reality-Pornos: Bitte mehr Augenkontakt

von Matthias Bastian21. März 2016

Bei einer Podiumsdiskussion auf dem South by Southwest Festival sprachen Produzenten von VR-Pornos über veränderte Kundenwünsche bei virtuellem Sex aus der Egoperspektive: Weniger Stellungen, dafür mehr Augenkontakt und “Dirty Talk”.

Zu erklären sind die neuen Bedürfnisse mit der gefühlt größeren Nähe beim Blick durch die VR-Brille im Vergleich zum herkömmlichen TV oder Monitor. Anstatt zwei fremden Menschen bei der Kopulation durch eine Mattscheibe anzustarren, wird man selbst Teil der Szene und fühlt sich dem Darsteller oder der Darstellerin eher verbunden. Unerwünscht sind daher auch die Momente, die das Gefühl, dass man tatsächlich vor Ort ist, stören könnten – beispielsweise wenn der Darsteller die Drehpartnerin berührt oder Laute von sich gibt. So beschreibt es Dinorah Hernandez, die für “BaDoinkVR” die Inhalte verwaltet.

“Unsere Kunden wollen weniger Sexstellungen, mehr Augenkontakt und ‘Dirty Talk’ und sie wohlen näher an der Kamera sein”, sagt Hernandez. Frauen werden laut Hernandez erstmal nicht froh mit Sex in Virtual Reality, der Markt wird von hetero- und homosexuellen Männern dominiert. “Männer sind der Markt. Wir haben auch mit Szenen aus der weiblichen Perspektive experimentiert und bekamen dafür Kritik, weil es “Szenen für Schwule” seien. Aber ein Nutzer hat es zusammen mit seiner Frau angesehen und mochte es”, sagt Hernandez.

Ela Darling, Mitgründerin der Videoseite VRTube, spricht von einer größeren Verantwortung der Darstellerinnen in der virtuellen Realität. Sie müssten nicht nur nackte Haut zeigen, sondern hätten auch eine therapeutische Aufgabe, glaubt Darling. “Der Trick bei VR ist, dass man sich so fühlt, als wäre man mit einer anderen Person im gleichen Raum. Falls der Trick nicht richtig funktioniert, dann ist es so, als wären unsere Kunden mit einem heißen Mädchen zusammen, das nichts von ihnen wissen will. Das ist ein Gefühl, das sie schon zu Genüge aus dem echten Leben kennen.”

Laut Darling sind die meisten Nutzer von der neuen Darstellungsform so begeistert, dass sie sich aktiv am Entwicklungsprozess beteiligen und Feedback geben, was man bei der nächsten Produktion noch besser machen könnte. Die Begeisterung macht sich auch finanziell bemerkbar: Die Zahlungsbereitschaft sei deutlich höher, die Kunden gäben sechsmal mehr Geld aus und würden viermal so häufig wiederkommen, sagt Fabien Grey von AliceX. Für die kriselnde Pornoindustrie, die seit Jahren unter der Verbreitung von kostenlosen Inhalten leidet, ist der virtuelle Porno wie ein Sechser im Lotto. Denn hochwertige Amateur-Produktionen wird es vorerst nicht geben, dafür ist der Aufwand beim Filmen noch zu groß und die Qualität günstiger 360-Kameras noch nicht ausreichend hoch.

Grey bietet auf seiner Seite VR-“Cam Shows” an und glaubt, dass Nutzer mit VR-Brille eine höhere emotionale Bindung zu den Darstellerinnen eingehen. Zukünftig will er sein Angebot auch mit Elementen der Augmented Reality kombinieren und die Models als Hologramme in die Wohnzimmer seiner Kunden beamen. Ein komisches Bauchgefühl hat er dabei allerdings schon:  “Die totale Immersion gibt einem das Gefühl, dass man wirklich mit dem Model zusammen ist. Das ist unheimlich, weil Menschen in diesen Welten verloren gehen können. Die Displays kommen dem Auge näher und näher und Menschen tauchen für Stunden in diese Welten ein”, sagt Grey. Bei einem Punkt sind sich die Teilnehmer der Diskussion einig: Die neue VR-Branche braucht die virtuellen Sexfilme, um schneller zu wachsen und erfolgreich zu sein.

| SOURCE: The Guardian