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Virtual Reality: Psychologen zeigen Wege aus der Depression

von Tomislav Bezmalinovic7. April 2017

Depressive werden nicht nur von Antriebslosigkeit, sondern auch von negativen Gedanken geplagt. Diese wiederum verstärken die Depression. Australische Psychologen wollen depressiven Menschen mit Hilfe von Virtual Reality Strategien beibringen, mit denen sie aus diesem Teufelskreis ausbrechen können.

Menschen mit Depressionen leben in einem Zustand großer Verunsicherung. Selbst der flüchtige Blick eines Passanten kann bei Betroffenen Selbstzweifel auslösen. Dies ruft negative Gedanken hervor, die oft so stark verinnerlicht sind, dass sie Depressive als zu sich gehörig, gegeben und wahr empfinden.

Dr. Greg Wadley und sein Team von Forschern der University of Melbourne möchten Betroffenen zeigen, dass dem nicht so ist. Sie bereiten eine Studie vor, die depressive Menschen zwischen 15 und 25 Jahren per HTC Vive in eine Simulation versetzt, in der sie lernen können, von negativen Gedanken wortwörtlich Abstand zu nehmen und sie damit unschädlich zu machen.

In der VR-Erfahrung werden die Teilnehmer der Studie mit sozialen Situationen konfrontiert, die negative Gedanken auslösen. Ein Beispiel wäre der musternde Blick eines Passanten. Anstatt sofort Selbstzweifeln zu verfallen, werden die Teilnehmer des Experiments aufgerufen, innerhalb der Simulation in einem Menü einen Gedanken auszuwählen, der ihnen nach der erlebten Situation kommt. Zum Beispiel: “Dieser Mensch mag mich nicht.”

Gedanken greifbar machen

Daraufhin erscheint der Gedanke in einer Sprechblase innerhalb der virtuellen Welt. So wird er zu einem greifbaren Objekt, das außerhalb der eigenen Identität steht und von außen kritisch betrachtet werden kann. Auf diese Weise lernen Betroffene systematisch, von ihren Gedanken Abstand zu nehmen und diese in Frage zu stellen.

“Für junge Menschen ist es schwer zu verstehen, dass negative Gedanken allmählich nachlassen und verschwinden können, wenn man lernt, sie von außen zu betrachten, anstatt auf sie zu reagieren”, sagt Mario Alvarez, ein Leiter der Studie gegenüber Financial Review.

Der Vorteil von Virtual Reality ist nicht nur, dass es dieses abstrakte Grundkonzept der Therapie (“Ich bin nicht meine Gedanken”) anschaulich machen kann, sondern dass es Betroffenen am Beispiel von simulierten Alltagssituationen Strategien beibringt, mit negativen Gedanken umzugehen. Auf diese Weise kann das Gelernte später leichter auf das echte Leben übertragen werden.

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