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Virtual Reality: Samsung arbeitet an Gear VR-Nachfolger

von Matthias Bastian28. April 2016

Eine Überraschung ist was anderes, aber eine Bestätigung dennoch nicht verkehrt: Natürlich forscht und arbeitet Samsung bereits an einer verbesserten Version der mobilen VR-Brille Gear VR.

Wie jedes große Unternehmen, das einigermaßen etwas auf sich hält, veranstaltet natürlich auch Samsung eine Entwicklerkonferenz in San Francisco. Allein zwölf Sessions auf der SDC 2016 widmen sich ganz der virtuellen Realität, Samsung bezeichnet VR gar als “Zukunft der Technologie” – was auch immer das genau bedeuten mag.

VR-Enthusiasten wissen aber, dass die mobile VR-Erfahrung trotz aller Vorzüge bei Bedienung und Portabilität zumindest technisch deutlich gegenüber Oculus Rift und Co. abfällt. Grund dafür ist nicht das ordentliche Display, auch nicht unbedingt die eher geringe Rechenleistung des Smartphones, sondern in erster Linie das eingeschränkte Trackingverfahren. Gear VR erkennt und übersetzt nur Kopfdrehungen in die virtuelle Realität, eine Bewegung in die Tiefe des Raumes (“Positional Tracking”) ist nicht möglich. Für die Immersion in Virtual Reality ist das ein Hindernis.

Auf der SDC 2016 bestätigte Ingenieur Injong Rhee, der bei Samsung für Forschung und Entwicklung zuständig ist, dass sich sein Unternehmen dieses Problems durchaus bewusst ist und bereits an neuen Prototypen mit fortschrittlicheren Trackingverfahren forscht. Langfristig könnte dabei sogar das Smartphone als Zuspieler wegfallen, sodass die VR-Brille völlig eigenständig arbeitet.

Ähnliches deutete schon John Carmack an, der als Oculus VRs Technikguru eng mit Samsung an Lösungen für das sogenannte “Inside-Out-Tracking” arbeitet. Dabei scannt die mobile VR-Brille mittels Sensoren die Umgebung und kann so die eigene Position relativ zum Raum ermitteln. Besonders die dafür benötigte Rechenleistung und der Stromverbrauch sind noch ungelöste Probleme. “Innerhalb von 60 Sekunden wird das Smartphone so heiß, dass man es nicht mehr anfassen kann”, sagte Carmack auf der Entwicklerkonfrenz Oculus Connect 2 im vergangenen Jahr. “Die benötigte Power ist ein großes Problem. Der Akku ist innerhalb von wenigen Minuten leer.”

Auch neue, fortschrittlichere Interfaces sind für VR eine absolute Notwendigkeit, Game- oder Touchpad sind auf Dauer keine Lösung. Entsprechende Konzepte sind bei Samsung in Arbeit, in der Vergangenheit wurde bereits der Fingercontroller “rink” demonstriert. Allerdings ist sich Rhee unsicher, wie lange solche Technologien noch bis zur Marktreife brauchen, er geht von mehreren Jahren aus. “VR ist unglaublich, aber die Industrie steckt noch in den Kinderschuhen”, sagt Rhee.

Im Vorfeld der SDC 2016 bestätigte Mihai Pohontu, der bei Samsung neu entstehende Plattformen betreut, dass man intern sehr zufrieden mit den bisher erzielten Umsätzen sei. Gear VR würde nicht nur direkt Geld verdienen, sondern auch den Verkauf der Galaxy S7-Reihe ordentlich ankurbeln. “Standalone-Technologien für Virtual Reality werden auch in Zukunft ein Fokus unseres Unternehmens sein, ” sagt Pohontu.

Forschrittliche mobile VR-Brillen sind auch das Ziel von Google

In jedem Fall werden sich die Facebook-Tochter und Samsung bei den gemeinsamen Bemühungen um besseres “Mobile-VR” einem anderen Endgegner der Branche stellen müssen. Google plant ebenfalls eine Art Luxus-Cardboard, das verbesserte Trackingverfahren bereits implementiert haben soll. Die notwendigen technologischen Grundlagen dafür hat Google über Jahre hinweg im Forschungsprojekt “Tango” gelegt, in dem sich Wissenschaftler intensiv mit dem maschinellen Sehen befassen.

Eine solche VR-Brille von Google würde auch Oculus VR und Samsung unter Druck setzen, möglichst schnell eine verbesserte Gear-VR-Version zu bringen, denn der Markt für mobile VR-Brillen verspricht das größte Wachstumspotenzial in den kommenden Jahren. Wie groß der Wissensvorsprung von Google wirklich ist, könnten wir auf der Entwicklerkonferenz I/O Ende Mai erfahren.

Gear 360: Neue Features für 360-Filmer

In den kommenden Tagen erscheint außerdem Samsungs 360-Kamera Gear 360. Die Kugel kostet 350 Euro, richtet sich also eher an Endkunden als an den Profibereich. In Ergänzung zur Hardware bietet Samsung auch Innovationen bei der Software. Mit dem “VR Upload SDK” können Kamerahersteller eine Upload-Funktion für Samsungs VR-Videoservice “Milk VR” (in Deutschland nur via VPN verfügbar) direkt in die Software der Kamera integrieren. Ein ähnliches Feature bietet neuerdings auch YouTube den Kameraherstellern an, inklusive Unterstützung für 360-Livestreaming.

Neu ist allerdings, dass Samsung auch eine Reihe neuer Werkzeuge für die Videobearbeitung anbieten will, mit denen Filmer ihre 360-Aufnahmen interaktiver gestalten und ohne großen Aufwand eine Blicksteuerung einarbeiten können, um die Handlung zu verzweigen. Samsung demonstrierte diese Technik bereits mit der Eigenproduktion “Gone”, die bei Milk VR kostenlos verfügbar ist. Auch in Zukunft wird sich Samsung darum bemühen, hochwertige VR-Inhalte mit Vorbildcharakter zu schaffen – in New York wurde dafür eigens ein VR-Filmstudio eingerichtet, das als Pendant zu den Oculus-Story-Studios oder Googles Spotlight Stories fungiert.

| Source: Variety / Android Headlines | Featured Image: Samsung