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Virtual Reality: Sieht so das Let’s Play der Zukunft aus?

von Matthias Bastian12. Januar 2016

Leider hat längst nicht jeder, der sich für das Thema VR interessiert, auch Zugang zu VR-Brillen. Das wird sich auch im kommenden Jahr kaum ändern, da die Einstiegspreise noch sehr hoch sind.

Zwar gibt es mit Cardboard und potenziell Gear VR auch relativ günstige Lösungen, aber sie sind kein Ersatz für hochwertige, immersive VR-Erlebnisse, wie sie mit Oculus Rift und HTC Vive möglich sind. Für VR-Enthusiasten stellt sich daher regelmäßig die schwierige Frage: Wie erkläre und zeige ich Laien, was da in Virtual Reality eigentlich passiert? Playstation-VR-Chef Shuhei Yoshida beschreibt dieses Problem gar als die größte Herausforderung für die Vermarktung der virtuellen Realität: „Man kann Virtual Reality nicht gut in einem Werbespot verkaufen, man muss sie erleben”, sagte er im Dezember gegenüber dem Spielemagazin Gameinformer.

Die Entwickler von Northway Games, die das Spiel Fantastic Contraption für HTC Vive umsetzen, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Außenstehenden einen besseren Einblick in die virtuelle Welt zu ermöglichen. Seit geraumer Zeit bieten sie via Twitch sogenannte “Mixed-Reality-Streams” an, die Wirklichkeit und virtuelle Realität gleichzeitig zeigen.

Ziel der Aktion ist es, das Erlebnis des VR-Brillenträgers möglichst originalgetreu wiederzugeben und dabei zu zeigen, wie er mit der virtuellen Realität interagiert. Gleichzeitig soll aber der Bezug zur Außenwelt nicht verloren gehen. Die beiden Herren auf der Couch sind zwar mit in der Szene, sehen aber nicht, was der VR-Brillenträger sieht, sondern blicken in die gewohnte Umgebung ihres Wohnzimmers. Aber sie bilden einen guten Referenzpunkt für den Zuschauer. Das Ergebnis ist zwar technisch nicht perfekt umgesetzt, aber visualisiert Virtual Reality deutlich besser als herkömmliche Bild-in-Bild-Aufnahmen oder Videos aus der Ego-Perspektive.

Die Umsetzung der Videos ist nicht besonders teuer, aber recht aufwändig. Immerhin muss der gesamte Raum mit Greenscreens ausgestattet und mit Softboxen ausgeleuchtet werden. Für die Aufnahme an sich reichte den Entwicklern eine ordentliche Webcam. Eine detaillierte Anleitung des Setups gibt es hier.

Wie sehen Let's Plays aus, wenn Virtual Reality der neue Spielestandard wird?

Greenscreens im ganzen Raum – das dürfte für den durchschnittlichen YouTuber zuviel Aufwand sein. Angeblich klappt es aber auch vor einer weißen Wand ganz gut. BILD: Sarah Northway / Northway Games / Gamasutra

Generell stecken Northway Games viel Hirnschmalz in die Frage, wie man Virtual Reality für mehrere Personen gleichzeitig zugänglich machen kann. Bereits vergangenen Sommer zeigten sie einen Trailer für Fanatstic Contraption, in dem das Bild gleichzeitig sowohl an die VR-Brille als auch an einen TV ausgegeben wird. Der Spieler kann so in der virtuellen Realität eine Aufgabe erfüllen, während ihm Freunde bequem von der Couch aus Hinweise geben. Das Feature erinnert an Sonys “Social Screen” für Playstation VR.

In der Welt von Fantastic Contraption für HTC Vive können Spieler in der virtuellen Realität aus den seltsamsten Gegenständen abgefahrene Maschinen zusammenbauen. Ziel ist es dabei immer, mit der selbstgebauten Maschine einen Ball in einen vorgegebenen Zielbereich zu befördern. Wie die Maschine aber aufgebaut wird, das ist dem Spieler völlig freigestellt. Dank der speziellen Bewegungscontroller von HTC Vive kann er Gegenstände anfassen, aufheben, drehen und verändern, um daraus seinen persönlichen Traumapparat zu basteln. Die Originalversion von Fanastic Contraption erschien 2008 ursprünglich für den Browser und kann hier noch immer ausprobiert werden.

| VIA: Gamasutra / Road to VR
| FEATURED IMAGE: Northway Games (Screenshot bei YouTube)