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Virtual Reality: So entstand “Der Rasenmähermann”

von Tomislav Bezmalinovic23. März 2017

Vor 26 Jahren kam der “Der Rasenmähermann” in die Kinos. Der Film handelt von einem geistig zurückgebliebenen Mann, der mittels Virtual Reality zum Genie wird und schließlich mit der digitalen Welt verschmilzt. Die Filmsequenzen, die in der virtuellen Realität spielen, prägen bis heute die Vorstellung, die man sich vom Medium macht. Ein Artikel zeichnet die Entstehung des Films nach.

Brett Leonard reiste 1982 in einem alten Wagen und mit 243 US-Dollar in der Hosentasche nach Kalifornien, um Filmregisseur zu werden. Dort angekommen, geriet er in den Dunstkreis von Steve Jobs und anderer bedeutender Figuren des Silicon Valley. Auf diese Weise kam er schon früh mit der Techwelt in Berührung.

1990 besuchte Leonard eine legendäre 24-Stunden-Party namens Cyberthon, auf welcher frühe Virtual-Reality-Technologie vorgeführt wurde. Diese Nacht hinterließ bei Leonard einen bleibenden Eindruck. Bis dahin hatte Leonard lediglich einen abendfüllenden Film gemacht, einen Zombie-Slasher namens “Dead Pit”.

Von Stephen King verklagt

Kurze Zeit darauf wurde dem Regisseur angeboten, eine Kurzgeschichte von Stephen King zu verfilmen. Das Problem war, dass ihm die Geschichte nicht gefiel. “Ich wollte diesen Film nicht machen”, sagt Leonard gegenüber Thrillist. “Aber ich sagte ihnen, dass ich nach einem Weg suchte, einen Virtual-Reality-Film zu drehen, den ich im Kopf hatte.”

Die Idee zum Film hatte Leonard von Jaron Lanier, der mit seiner Firma VPL Research die ersten, kommerziellen VR-Systeme auf den Markt brachte und den Begriff “Virtual Reality” prägte. “Ich sah, was Virtual Reality war und ich fühlte plötzlich, dass dies der Film ist, den ich machen wollte”, erzählt der Regisseur. Bei der Adaption der Geschichte nahm sich Leonard große Freiheiten heraus.

Sein Film hatte letzten Endes so wenig mit Stephen Kings Kurzgeschichte gemein, dass der Buchautor die Produzenten verklagte. Infolgedessen mußte das Unternehmen alle Videokassetten des Films zurückrufen, auf denen der Name des Autors zu lesen war. Paradoxerweise habe der Film Stephen King gefallen, versichert Leonard. Auch beim Publikum kam er gut an und spielte ein Mehrfaches seines Budgets ein.

Einflussreiche VR-Ästhetik

Der Film erschien 1992, also zu einer Zeit, in der computergenerierte Spezialeffekte noch relativ neu waren. Für die Erstellung der Virtual-Reality-Sequenzen engagierte Leonard ein Studio, das Werbung für mexikanische Reifen und einen Werbeclip für Scientology produziert hatte. Letzterer hatte mit seinen Computereffekten großen Eindruck auf Leonard gemacht.

Die Filmsequenzen, die sich in der Virtual Reality abspielen, sollten keine realistische Welt zeigen, sondern die Computerästhetik widerspiegeln. Der Regisseur hat sogar einen Berater engagiert, der sich mit heiliger Geometrie auskennt, um den Sequenzen einen übernatürlichen Charakter zu geben.

Leonard findet, dass man ihn für diese VR-Filmsequenzen bis heute nicht gebührend würdigt. Das mag stimmen, dennoch hatten sie sehr stark die Vorstellung davon geprägt, wie Virtual Reality aussehen könnte. Vielleicht so stark, dass sie zu deren Flop in den 90er Jahren beigetragen haben. Die damalige Technologie konnte die hohen Erwartungen nicht erfüllen, die Filme wie der Rasenmähermann beim Publikum weckten.

Aus dem Film wurde Wirklichkeit

26 Jahre später hat die Wirklichkeit den Film weitgehend eingeholt. Leonard drehte 1995 mit “Virtuosity” noch einen Film zum Thema Virtual Reality. Heute führt er unter demselben Namen ein Unternehmen, mit dem er auf den jüngsten VR-Hype aufspringen will. “Es ist eine wilde Zeit für mich, weil ich es mit einer wirklichen VR-Industrie zu tun habe”, sagt Leonard. Mit seinen künftigen Projekten will er sich auf “interaktive Storywelten” fokussieren.

Der Rasenmähermann wird derweil wiederbelebt: Im Juni soll eine Blu-Ray erscheinen und die VR-Videoplattform Jaunt plant eine Neuauflage – passend in 360-Grad. “Es ist interessant, dass 25 Jahre später alles wieder von Neuem beginnt und dass man meinem Film mit einem neuen Respekt und Blick begegnet”, sagt der Regisseur und fügt hinzu: “Ich begebe mich in die Realität meines eigenen Films und lebe sie. Das ist ziemlich schräg.”

Das nachfolgende Video zeigt die computergenerierten Sequenzen des Films:

| Featured Image: New Line Cinema | Source: Thrillist

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