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Virtual Reality: So nah kam man Donald Trump noch nie

von Tomislav Bezmalinovic20. Januar 2017

Heute wird Donald Trump als 45. Präsident der Vereinigten Staaten vereidigt. Pünktlich zur Inauguration ist eine VR-Erfahrung namens Wide Awake erschienen, in der man dem neuen Präsidenten ganz nahe kommen kann – wenn man sich traut.

Startet man Wide Awake, findet man sich im Oval Office wieder. Es ist zwei Uhr morgens, Mondlicht fällt durch die Fenster und es ist ganz still. Man hört lediglich eine alte Uhr ticken. Dreht man sich um, sieht man Donald Trump vor sich. Beleibt und 1,91 Meter groß, macht der Präsident einen imposanten, bedrohlichen Eindruck.

Wide Awake wurde von einem Studio namens MacInnes Scott produziert, das sich auf die ultrarealistische Darstellung menschlicher Figuren spezialisiert hat. Das Studio behauptet, dass Trumps Avatar die fotorealistischste Figur sei, die jemals in der Virtual Reality zu sehen war.

Damit hat das Studio Recht: Geht man nahe genug an Trump heran, sieht man, wie der Hals aus dem Kragen quillt, auf der Stirn sind Altersflecken zu erkennen und unter dem schütteren Haar glänzt die Kopfhaut.

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Einen solchen Detailgrad hat man in Virtual Reality noch nicht gesehen. BILD: Scott McInnes

Eine düstere Prophezeiung

Die VR-Erfahrung fängt einen unheimlichen Augenblick ein. Die Welt schläft, aber im Oval Office, dem Machtzentrum der westlichen Welt, steht Trump und ist hellwach und starrt mit bestimmtem Blick in eine Zukunft, die noch niemand kennt – außer er selbst. Was er wohl sieht? Und worüber er nachdenkt?

Das Telefon klingelt, doch Trump nimmt den Hörer nicht ab, er bewegt sich nicht einmal, sondern starrt weiter geradeaus, mit diesem Blick, der Selbstbewusstsein, Missfallen und Herablassung zugleich ausdrückt. Lebt er überhaupt? So scheint es, denn tritt man nahe genug an ihn heran, hört man Trump atmen.

Aus seiner Haltung lässt sich viel herauslesen. Trump steht vor dem Schreibtisch des Oval Office und berührt ihn mit beiden Händen. Die abgespreizten Finger der rechten Hand deuten einen Herrschaftanspruch an, so als wolle er andeuten, dass ihm dieser Schreibtisch gehört. Die linke Hand hingegen lässt mit ihren eingeknickten Fingern Schwäche und Angst erkennen. Es ist die Hand, mit der sich Trump stützt. Sieht man näher hin, sieht es sogar aus, als würde sich Trump an den Schreibtisch klammern.

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Das virtuelle Alter Ego von Donald Trump vor dem Schreibtisch des Oval Office. BILD: Scott McInnes

Inspiriert von amerikanischen Malern und Fotografen

“Wir sehen diese Erfahrung als ein Kunstwerk – ein Tableau vivant, in der amerikanischen Tradition von Künstler wie Edward Hopper in der Malerei, Gregory Crewdson und Cindy Sherman in der Fotografie. Anders als bei einem Gemälde oder einer Fotografie, kann man in der Virtual Reality mit der Kunst interagieren”, schreibt das Unternehmen auf der offiziellen Seite des Projekts, auf der weitere Bilder und Videoausschnitte aus Wide Awake zu sehen sind.

Auf welche Weise Donald Trump digital rekonstruiert wurde, verrät das Unternehmen nicht. Wahrscheinlich wurde Fotogrammetrie eingesetzt. Hierbei werden eine große Anzahl hochauflösende Fotografien zu einem 3D-Modell vernäht. MacInnes Scott hat die Technik bereits bei einer älteren Videoproduktion namens “Trump & Obama” eingesetzt.

Wide Awake ist auf Viveport für HTC Vive erhältlich.

| Featured Image: Scott McInnes

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