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Virtual Reality: Rettet Palmer Luckey AltspaceVR?

von Matthias Bastian29. Juli 2017

Update vom 29. Juli 2017:

Bei Twitter meldet sich der Oculus-Gründer Palmer Luckey zu Wort. Er lässt die VR-Gemeinschaft via Twitter-Umfrage abstimmen, ob er sich darum bemühen soll, AltspaceVR zu retten.

Finanziell würde die Rettungsaktion Luckey wohl leichtfallen: Sein Vermögen wird auf circa 800 Millionen US-Dollar geschätzt. An das Geld kam er 2014 durch die Übernahme von Oculus durch Facebook. Der gesamte Deal ging für circa drei Milliarden US-Dollar über die Bühne.

Rund 400 Nutzer stimmten bislang ab, eine knappe Mehrheit will AltspaceVR am Leben erhalten. Die Umfrage läuft noch sechs Tage. Luckey weist darauf hin, dass die Rettungsaktion gegebenenfalls nicht möglich sein könnte.

Ursprünglicher Artikel vom 28. Juli 2017: Virtual Reality: Social-Plattform AltspaceVR macht dicht *Update*

Die Social-VR-Plattform AltspaceVR schließt überraschend die Pforten. Die Investoren zogen sich aufgrund des langsamen Marktwachstums zurück.

Im eigenen Blog meldet sich das Unternehmen in einem Beitrag mit der Überschrift “Ein trauriges Auf Wiedersehen” zu Wort. Es sei in “unerwartete finanzielle Probleme geraten” und könne es sich nicht mehr leisten, die virtuellen Lichter anzulassen. Dies sei “überraschend, enttäuschend und frustrierend für alle Beteiligten, die ihre Leidenschaft und Hoffnung in das Projekt gesteckt haben”.

Das Unternehmen kalkulierte mit weiteren Zahlungen von Investoren, die nun ausblieben. Das langsame Marktwachstum in Kombination mit dem geplatzten Deal hätten es erschwert, neue Investoren zu begeistern. “Wir haben nach Partnern gesucht, aber wir hatten keine Zeit und kein Geld mehr”, heißt es im Abschiedsbeitrag. Konzerne wie Facebook oder Google dürften kein Interesse daran gehabt haben, AltspaceVR zu finanzieren, da sie eigene Pläne für Social-Apps verfolgen.

Laut dem Unternehmen hatte die Plattform zuletzt 35.000 aktive Nutzer pro Monat. Größere virtuelle Events hatten einige tausend Besucher. Die durchschnittliche Nutzungszeit lag bei 35 Minuten.

Derzeit bemüht sich AltspaceVR, die entwickelte Technologie als Produkt neu aufzustellen und das Unternehmen “auf irgendeine Art” am Leben zu erhalten.

Die Pleite von AltspaceVR ist der dritte bemerkenswerte Bankrott eines Virtual-Reality-Unternehmens in den letzten Monaten. Zuvor traf es die 360-Plattform “Vrideo” und das von Google finanzierte Unternehmen “Envelop VR”, das sich mit dem Arbeitsplatz der Zukunft in der Virtual Reality beschäftigte.

Ein Pionierprojekt ohne Zukunft

AltspaceVR war das erste Social-VR-Projekt am Markt, das über alle PC-Plattformen und für mobile VR-Brillen verfügbar war. Nutzer versammelten sich als Avatare in der virtuellen Zwischenwelt, interagierten über Gestik und Sprache und nutzten gemeinsam die Entertainment-Infrastruktur, beispielsweise Minispiele oder Video-Streaming. Das Unternehmen veranstaltete regelmäßig Events in Virtual Reality, darunter eine schwule Hochzeit, politische Debatten oder Comedy-Shows.

Bis zuletzt fügte das Unternehmen neue Features hinzu. Im nächsten Schritt sollte die Plattform mit WebVR-Funktionen erweitert werden, die es erlaubt hätten, dass Nutzer Inhalte aus AltspaceVR ins Netz tragen.

“So wie das Internet als ein Dateiübertragungsprotokoll startete, das für das Betrachten von Dokumenten genutzt wurde und später um Bilder und Filme erweitert wurde, sehen wir Virtual Reality als einen Teil dieser Evolution des Webs”, sagte der Altspace-Gründer Eric Romo.

Investoren kriegen kalte Füße

Überraschend ist hingegen, dass Silicon-Valley-Investoren sich jetzt zurückziehen, nachdem zuvor circa 16 Millionen US-Dollar flossen. Womöglich versprachen die Macher vor den ersten Investitionen ein unrealistisch schnelles Wachstum.

Unklar ist außerdem, wie AltspaceVR in naher Zukunft hätte Umsatz generieren wollen. Die Nutzung der Plattform war kostenlos, eine Bezahlschranke hätte das Wachstum verlangsamt, insbesondere da sich zahlreiche vergleichbare Produkte am Markt tummeln.

Die Refinanzierung über Werbepartner skaliert nur über eine signifikante Reichweite. Um diese aufzubauen, hätte AltspaceVR in Anbetracht des insgesamt sehr langsamen Marktwachstums noch viele Jahre gebraucht.

Die Abschiedsparty für AltspaceVR findet am 3. August zwischen 2 und 4 Uhr morgens deutscher Zeit statt. Nutzer können ihre Bilder und Freundesliste abspeichern, indem sie ihren Account aufrufen, auf Freunde oder Fotos klicken und dann mit CTRL + S (Windows) oder CMD + S (Mac) ihre Daten speichern.

| Featured Image: AltspaceVR

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