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Virtual Reality: Taucht in berühmte Gemälde ein und trefft Mona Lisa

von Tomislav Bezmalinovic11. Februar 2017

Es ist keine neue Idee, berühmte Kunstwerke in die dreidimensionale Welt der Virtual Reality zu übertragen. Doch keine Anwendung setzt diese Idee so überzeugend um wie “Art Plunge”. Die Anwendung ist mit so viel Liebe und Sorgfalt gemacht, dass sie sich selbst Menschen anschauen sollten, die für Kunst nicht so viel übrig haben.

Derzeit sind, zumindest in der Vive-Version der Anwendung, nur zwei Gemälde für Virtual Reality umgesetzt. Jan Vermeers Briefleserin am offenen Fenster von 1657 und Mona Lisa von Leonardo Da Vinci. Steht man in der Virtual Reality vor den Gemälden, sieht man eine digitale Kopie des Originals vor sich. Erst wenn man das Bild betritt, zerfällt das Gemälde, und gibt den Blick auf das dreidimensionale Pendant frei. Danach wird man gleichsam in die andere Welt hinein gesogen.

Im Falle von Da Vincis Bild findet man sich in einem dunklen Raum direkt vor Mona Lisa wieder. Hinter ihr ist die Fantasielandschaft zu erkennen, die in dem berühmten Bildnis nur ausschnittweise zu sehen ist. Mona Lisa wirkt lebendig, da sie unmerklich die Finger bewegt und den Blick von Zeit zu Zeit abwendet, anstatt einem, wie in dem Gemälde, stets in die Augen zu schauen. Alles in allem gewinnt man den Eindruck, dass man sich in Da Vincis Atelier befindet und Mona Lisa geduldig Modell steht, darauf wartend, dass man die Staffelei, sowie Pinsel und Palette hervorholt.

In dem virtuellen Raum kann man sich zwar frei umsehen, aber nicht frei bewegen. Tritt man einen Schritt zur Seite, so setzt das Positionstracking aus. Das wird daran liegen, dass die Anwendung primär für mobile VR-Plattformen wie Samsung Gear VR und Google Daydream entwickelt wurde, die noch keine Kopfbewegungen in die Tiefe hinein erfassen können.

Art_Plunge_Vermeer

Die dreidimensionale Version von Jan Vermeers “Briefleserin am offenen Fenster” gewährt einen Blick auf die Stadt Delft

Noch beeindruckender umgesetzt ist Vermeers Gemälde. Auch hier sieht man weitaus mehr von der Umgebung als im Original. Auf der linken Seite ist gar Vermeers Geburtsstadt Delft zu erkennen. Da die Ortschaft im Original nicht zu sehen ist, haben die Entwickler der App, Space Plunge, das Motiv einem anderen Gemälde Vermeers entnommen, der Ansicht von Delft. Auch dieser VR-Adaption wird durch kleine Details ein Anschein von Lebendigkeit verliehen. So weht durch das offene Fenster ein leichter Wind, denn der Brief, den das Mädchen in der Hand hält, bewegt sich sanft.

Mehr noch als bei Mona Lisa fällt bei Vermeer auf, dass eine Geräuschkulisse vorhanden ist: Durch das offene Fenster vernimmt man das Plätschern des nahen Flusses, man hört das Geklapper von Hufen und einen Schmied, der ein Stück Eisen bearbeitet. Dies trägt auf subtile Weise zur Atmosphäre und Lebendigkeit der Szene bei.

Ansonsten verzichtet Art Plunge glücklicherweise auf zusätzliche Effekte. Man merkt, dass die Entwickler dem Original Respekt zollen, indem sie dessen Magie im Rahmen des neuen Mediums möglichst originalgetreu einzufangen versuchen, anstatt ihm etwas hinzuzufügen.

Wie es mit dem Projekt weitergeht, ist noch ungewiss. Im Dezember riefen die Entwickler eine Kickstarter-Kampagne ins Leben, die jedoch kaum Interesse weckte. Als Nächstes will das Team Die Erschaffung Adams, ein Ausschnitt aus Michelangelo monumentalem Fresko, in die Virtual Reality übertragen. Wann es fertig sein wird, ist nicht bekannt. Auf der Facebook-Seite des Teams kann man weitere Gemälde für die Umsetzung in VR vorschlagen.

Die Vorschau von Art Plunge ist erhältlich für Samsung Gear VRGoogle Daydream und – in einer geringeren Qualität – auch für Google Cardboard. Die Vive-Version, die ich ausprobiert habe, kann man auf der Kickstarterseite des Projekts herunterladen.

Andere, empfehlenswerte VR-Apps für Kunstliebhaber

Eine empfehlenswerte Alternative zu Art Plunge ist The Night Cafe: A VR Tribute to Vincent Van Gogh, in der man sich frei innerhalb des Gemäldes bewegen und sogar den Maler selbst antreffen kann. Die Anwendung ist bei Steam kostenlos erhältlich und unterstützt sowohl HTC Vive als auch Oculus Rift. Alternativ gibt es die Anwendung auch auf Oculus Home für Oculus Rift und Samsung Gear VR.

Mit Woofbert VR kann man in Manets Bar in den Folies Bergère eintauchen und andere Gemälde in 2D in einer virtuellen Galerie betrachten. Die Anwendung ist bei Oculus Home kostenlos für Oculus Rift erhältlich. Ebenfalls empfehlenswert ist The VR Museum of Fine Art, das bei Steam kostenlos für HTC Vive erhältlich ist. Diese Anwendung bietet zwar keine ebenfalls eine virtuelle Galerie, die kürzlich um einen zweite Etage erweitert wurde.

| Featured Image: Space Plunge | Via: Upload VR

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