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Virtual Reality: Tipps und Tricks für das Filmen von 360-Videos

von Matthias Bastian12. August 2016

360-Videos sind für Produzenten und Kreative ein neues und häufig noch tückisches Medium. Besonders dann, wenn man für die VR-Brille statt den Monitor produziert, gibt es zahlreiche Stolperfallen.

Erfahrungswerte sind noch rar und viele 360-Kamera-Rigs Marke Eigenbau. Aber Facebook, YouTube und Co. sind davon überzeugt, dass die immersiven Videos in der Zukunft eine wichtige Rolle spielen.

Was ist also zu tun? Klar, man muss angehende Produzenten über gängige Fehler bei der 360-Filmerei informieren. Da immer mehr günstige 360-Kameras wie Samsungs Gear 360 oder die Ricoh-Theta-Modelle auf den Markt kommen und auch eher uninformierte Nutzer 360-Videos ins Netz stellen, ist die Verbreitung von fundiertem Grundlagenwissen wichtig. Sonst hat bald niemand mehr Spaß in 360-Grad.

Typische Fehler bei der Produktion von 360-Videos für YouTube und Co. vermeiden

Fast alle 360-Kameras setzen das vollsphärische Bild aus mehreren Einzelbildern zusammen. Das fängt bei zwei 180-Grad-Aufnahmen pro Seite an bis hin zu sechs, acht oder sogar 16 einzelnen Objektiven, die in jede Richtung filmen. Die meisten Kameras können diese Einzelaufnahmen aber nicht nahtlos zusammenführen. Es gibt einen gewissen Bereich, in dem sich die Aufnahmen der einzelnen Linsen überlappen und die Nahtstellen deutlich sichtbar werden. Personen und Objekte, die direkt in diesen Nahtstellen auftauchen, wirken stark verzerrt.

Für Videoproduzenten bedeutet das: Man sollte nicht zu nah an die Kamera herantreten und die Nahtstellen vor der Aufnahme so ausrichten, dass sie nicht auf wichtige Elemente des Inhalts fallen. Dabei sollte man auf eventuelle Bewegungen im Video achten. Wenn ein Protagonist während des Drehs durch die Nahtstellen läuft, fällt das störend auf.

Die wichtigste Grundregel: Die Kamera ist der Mensch

Zur Positionierung der Kamera gilt: Man sollte das Objektiv wie einen Menschen behandeln und es auf Augenhöhe mit anderen Protagonisten bringen. Ansonsten hat der Zuschauer schnell das Gefühl, im Körper eines Zwerges oder Riesen zu stecken. Das kann natürlich auch ein erwünschter Effekt sein – man sollte sich nur zuvor die Wirkung verdeutlichen. Ebenso sollte man die mögliche Rolle des Zuschauers als Beobachter berücksichtigen. Beispiel: Steht man beim Mittagessen zwischen Tellern und Schüsseln auf dem Esstisch, fühlt man sich wie Nahrung.

Menschen brauchen außerdem eine Eingewöhnungszeit, wenn sie einen neuen Raum betreten. Das ist im echten Leben nicht anders: Kommt man an einen Ort, den man noch nie zuvor gesehen hat, versucht man sich zu orientieren und hält Ausschau. Das dauert einen Moment. Viele schnelle Schnitte, wie man sie beispielsweise aus Musikvideos kennt, können daher schnell desorientieren und verwirren. Generell sind harte Schnitte aber problemlos möglich.

Dass man die Kamera wie einen Menschen behandeln sollte, gilt für einen weiteren Bereich: Die künstliche Bewegung. Die wenigsten Menschen mögen es, wenn sie einfach hochgehoben und durch die Gegend getragen werden. Gerade wenn man für die VR-Brille produziert, sollte man künstliche Bewegung – besonders mit dem Kamerastativ in der Hand – vermeiden. Und auch auf dem Monitor macht das wenig Freude.

Nicht rotieren, nicht neigen – künstliche Bewegung nur mit Referenzrahmen

Die Rotation der 360-Kamera ist ein absolutes No-Go, da man die Kopfbewegungen des VR-Brillenträgers überschreibt. Das gleiche gilt für Neigungen – die kippen die gesamte virtuelle Welt um. Das fühlt sich für den Zuschauer mit VR-Brille extrem unangenehm an und garantiert Motion Sickness.

Künstliche Bewegung ist dann ok, wenn sie in einem bekannten Umfeld stattfindet und dem Auge einen klaren Referenzrahmen bietet, beispielsweise auf dem Beifahrersitz in einem Auto. Auch bei solchen Szenen sollte man auf Beschleunigung und Abbremsen nach Möglichkeit verzichten und lieber direkt in die gleichförmige Bewegung schneiden. Die können die meisten Menschen gut vertragen und reagieren nicht mit VR-Übelkeit.

Eine Zusammenfassung dieser Tipps gibt es im folgenden Video von der YouTube Creator Academy.

| Featured Image: YouTube (Screenshot)